kalaydo.de Anzeigen stellen auto immobilien kleinanzeigen tiere ferienwohnungen inserieren
Kommentare ()

Grevenbroich: Mit Huhn und Haarband ins Grab

VON PETRA SCHIFFER - zuletzt aktualisiert: 22.05.2006 - 22:50

Grevenbroich (NGZ). Gewänder mit Goldbrokat und blauer Kaschmirwolle, Schmuck aus Silber - die Begeisterung war bereits im Herbst des vergangenen Jahres groß, als Archäologen bei den Vorarbeiten zum Bau der Umgehungsstraße B 59 n zwei römische Särge entdeckt hatten.

Denn sehr schnell war den Experten klar, dass sie es bei diesem Paar mit sehr reichen Großgrundbesitzern zu tun hatten. Dieser Eindruck hat sich bei den weiteren Forschungen in den vergangenen Monaten erhärtet. Am Montag wurden die restaurierten Särge und die Fundstücke in diesen Sarkophagen erstmals der Öffentlichkeit präsentiert. Sie werden in den nächsten Wochen als „Fund des Monats“ im Rheinischen Landesmuseum in Bonn zu sehen sein.

Dass Särge 1700 Jahre lang nicht entdeckt und ausgeplündert werden, ist eine absolute Seltenheit. Dementsprechend hoch war die Erwartungshaltung der Archäologen. Und sie wurde nicht enttäuscht. „Die Beigaben zeigen, dass wir es mit einer Zeit zu tun haben, in der Reichtum nach außen demonstriert wurde - auch nach dem Leben, und das ist natürlich sehr interessant“, sagt Dr. Michael Gechter, Leiter der Außenstelle Overath des Rheinischen Amtes für Bodendenkmalpflege.

Er vermutet, dass es die Landwirte zu Geld gebracht haben, weil kleinere Bauern in der Gegen pleite gemacht haben. Der Gutshof hatte danach offenbar eine Monopolstellung und war der einzige Anbieter in der Region.

Die Frau, die im Alter von etwa 40 Jahren gestorben ist, habe sich offenbar bewusst dafür entschieden, verbrannt zu werden, obwohl um 250 nach Christus der Trend von der Einäscherung zur Körperbestattung ging.

Trotzdem wollte sie es auch im Tod geräumig haben, deshalb wurden ihre Überreste in einem großen Steinsarkophag beerdigt, nicht in einer Aschekiste - wie üblich. Platz brauchte die Dame auch, denn in ihrem Grab wurde eine komplette Wohnung nachgebaut - inklusive Verpflegung.

 Die Archäologen fanden neben den Resten eines Huhns und eines Schweinskopfs einen Marmortisch, auf dem ein Glasbecher stand, Glasteller- und kannen, ein Lederholzkästchen mit Blattgold, Salböle ûnd Parfums, Halbedelsteinketten, ein Klappmesser und eine Totenspindel aus Silber. „Bei diesem Reichtum bin ich sicher, dass die Dame nicht selbst gesponnen hat, aber eine Spindel war in dieser Zeit eine übliche Grabbeigabe“, so Gechter.

In der Regel war sie allerdings aus Holz. Begeistert ist der Archäologe auch von einem Kerzenleuchter, der - ganz modern - zweiseitig genutzt werden kann und für große und kleine Kerzen konzipiert ist. „Es ist erst der zweite Kerzenständer aus dieser Zeit im Landesmuseum Bonn“, sagt Gechter. Noch älter ist eine Öllampe, die im Grab der Frau lag: Offenbar handelt es sich um ein Familienerbstück, denn als die Frau starb, war die Lampe bereits über 100 Jahre alt.

Ganz genau unter die Lupe genommen werden soll in den nächsten Wochen ein Haarnetz aus Seide mit einem Stirnband, das mit Kreisen weißer und blauer Perlen bestickt ist und Bronzeapplikationen hat. Es wird das Thema eine Diplom-Arbeit für Textilrestaurierung in Köln werden.

Der Herr des Hauses hatte zwar auch Glasflaschen und -becher in seinem Sarg. Die Beigaben fielen jedoch deutlich weniger üppig aus als bei seiner Frau. Wertvoll war dafür der Sarkophag selbst: aus importiertem Eichenholz mit einer Blei-Innenverkleidung, die extra angefertigt werden musste.

Quelle: NGZ

 
weitere Artikel
 
Links zu diesem Artikel
 

 
Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung:

       
Anzeige:

AUS DER NACHBARSCHAFT
MEHR

Grevenbroich

Erneute Suche nach Investor

Grevenbroich Alles schien im wahrsten Sinne des Wortes unter Dach und Fach zu sein. Der Trägerverein der freien Montessori-Grundschule Mandolim hatte nach jahrelanger Suche und einigen Rückschlägen endlich ein Gebäude gefunden, in dem der ... VON Anneli Goebels  mehr 

 

Grevenbroich

Geldstrafe für Feuerwehr-Ausbilder

Grevenbroich Ein ehemaliger Jugendfeuerwehr-Ausbilder aus Grevenbroich ist am Donnerstag vor Gericht mit einem „blauen Auge“ davon gekommen. Der 31-Jährige aus Elsen wurde vom Schöffengericht Mönchengladbach wegen des Besitzes von ... mehr 

 
 
 
 
 
BILDER AUS GREVENBROICH
Die Mützen der Grevenbroicher
Die Mützen der Grevenbroicher
Bei eisigen Temperaturen liegt sie wieder .. mehr 
 
Die Mützen der Grevenbroicher
Die Mützen der Grevenbroicher
Bei eisigen Temperaturen liegt sie wieder ..
mehr 
Sechs Verletzte nach Wohnungsbrand
Sechs Verletzte nach Wohnungsbrand
In der Nacht zu Freitag kam es in Grevenbroich zu ..
mehr 
Feuerwehr-Übung in Abrisshäusern
Feuerwehr-Übung in Abrisshäusern
Rund 40 Feuerwehrleute der Grevenbroicher ..
mehr 
Kaninchen, Meerschweinchen und ein Wildschwein
Kaninchen, Meerschweinchen und ein Wildschwein
Sechs Kaninchen, zwei Meerschweinchen und ein ..
mehr