Grevenbroich (NGZ). Grevenbroich Eine spitze Scherbe einer zerschlagenen Flasche ragt neben dem Weg aus dem Grün, mit Papier, Tüten und Farbtuben ist der Rand des Wegs übersät. Unter der Holzbrücke über den Elsbach sieht es angesichts der Zigarettenschachteln und Flachmänner aus wie auf einer Müllkippe, ein großer Pappkarton nimmt fast die ganze Breite des Gewässers ein.
Im Gebüsch etwas weiter leuchtet ein weggeworfener lila-farbener Regenschirm neben vollen Tüten unbekannten Inhalts. Die unerwünschten Reste einer Wohlstands- und Wegwerfgesellschaft irgendwo am kaum bebauten Rand der Stadt? Weit gefehlt, der Schandfleck liegt mitten in Grevenbroich.
In einem großen Bogen führt der Fuß- und Radweg vom Gewerbegebiet am Hammerwerk um die Hochhäuser herum bis zur Unterführung unter der Bahn an der Rheydter Straße - eine wichtige Verbindung für Fußgänger Richtung City und eine Visitenkarte für die Stadt. Eigentlich könnte es adrett aussehen: Die Landschaftsplaner haben sich sichtlich Mühe mit dem geschwungenen Weg und dem vielen Grün gegeben.
Doch den guten Eindruck machen Bürger mit ihrem Verhalten zunichte, und die Eigentümer kommen mit der Pflege augenscheinlich nicht nach. „Die Fläche gehört nur teilweise der Stadt“, erklärt im Rathaus Fachbereichsleiter Peter Mühlenbruch. „Andere Teile des Areals sind im Besitz der Bahn und von Privateigentümern.“
Mit der Pflege und Reinigung der insgesamt rund 800 städtischen Grünflächen hat die Stadt die Wirtschaftsbetriebe Grevenbroich beauftragt, die dafür eine 40-köpfige „Grünkolonne“ einsetzt. Doch mancherorts erscheint die in diesem Winter nicht mehr so häufig wie früher: Im Leistungsverzeichnis der WGV für die Stadt wurde im vergangenen Jahr der Pflege-Rhythmus in den Wintermonaten für einen Teil der Flächen gestreckt.
„Wir haben uns die einzelnen Flächen vorgenommen und gefragt, wie oft sie wirklich gereinigt und gepflegt werden müssen“, so Mühlenbruch. Als Nothaushaltskommune müsse die Stadt sparen, begründet er. Eine einheitliche Regelung gibt es laut WGV-Geschäftsführer Rainer Baumgardt nicht: „Es gibt Flächen, die werden im Winter beispielsweise statt wöchentlich alle 14 Tage oder statt alle zwei Wochen einmal im Monat gereinigt. In dieser Jahreszeit sind weniger Menschen draußen, da fällt entsprechend weniger Müll an. Allerdings beauftragt die Stadt uns zusätzlich, etwa wenn ein Gebiet stark verschmutzt ist.“
Das Leistungsverzeichnis der WGV und der Stadt sei in mehreren Aufgabenfeldern umgestellt worden, so Baumgardt. „Es handelt sich um einen großflächigen Versuch. Bei einigen Grünflächen beobachten wir, dass der neue Rhythmus nicht ausreicht. “ Insgesamt beauftragt die Stadt die WGV mit Leistungen in Höhe von rund sieben Millionen Euro jährlich.
Peter Mühlenbruch weist auf die Urheber hin - die Bürger. „Wir appellieren, den Abfall nicht einfach wegzuwerfen, wir haben in der Stadt ein dichtes Netz von Papierkörben.“
Verschmutzte Wegeränder sind längst nicht das einzige Müllproblem: 209 wilde Müllablagerungen mit über 100 Tonnen Gesamtgewicht musste die Stadt allein 2006 beseitigen - die Entsorgungskosten (ohne Personal): über 31 000 Euro.
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