Grevenbroich (NGZ). Ein mysteriöser Fund beschäftigt derzeit Polizei und Rechtsmedizin: Ein Hobbyfotograf hat im Grevenbroicher Tiergehege einen menschlichen Schädel gefunden. Niemand weiß, woher der Totenkopf stammt.
Er wollte Eisvögel fotografieren. Doch was Yannis Lagies am Montagmorgen an den Teichen des Tierparks vor die Linse bekam, verschlug ihm den Atem. "Erst habe ich gedacht, dass da eine Zuckerrübe auf dem zugefrorenen See liegt", erinnert sich der Jüchener.
Der Hobbyfotograf hielt den braunen Knubbel auf schneeweißer Fläche für ein originelles Motiv. Als er jedoch sein "Tele" auf das Objekt richtete, traute Lagies seinen Augen nicht: "Etwa ein Meter vom Ufer entfernt lag ein menschlicher Schädel. Ich war geschockt."
Der Jüchener gibt zu, dass ihn diese Situation überfordert habe: "Ich wollte natürlich die Polizei verständigen, hatte aber keine Telefonnummer – und den Notruf 110 wollte ich nicht missbrauchen." Lagies entschied sich daher, seinen Bekannten, den städtischen Umweltbeauftragten Norbert Wolf, zu verständigen.
Teiche im Bend
Die Teiche hinter der Grillhütte im Bend vermitteln einen urigen Eindruck. Auf den abgestorbenen knorrigen Bäumen am Uferrand lauern Reiher, aus dem umliegenden Wald kommen Eisvögel und andere seltene Tiere ans Wasser. Für Hobbyfotografen eine lohnende "Location".
Er rückte 15 Minuten später im Bend an – und wollte zunächst auch nicht an einen Schädel glauben: "Ich hielt das Ding für einen Baumpilz." Nachdem der Neuenhausener das Objekt mit einem langen Stock vom Eis geholt hatte, alarmierte er die Polizei.
Wenig später rückten die Spezialisten vom Neusser Kriminalkommissariat 11, der Fachdienststelle für Todesermittlungsverfahren, in den Tierpark aus und sicherten den grausigen Fund. "Bislang ist noch völlig unklar, woher der Schädel stammt", erklärt Polizeisprecher Hans-Willi Arnold.
Nach einer ersten Begutachtung des Totenkopfs gehen die Ermittler davon aus, dass die menschlichen Überreste schon älteren Datums sind. "Wir sind zwar keine Experten auf diesem Gebiet, doch es spricht einiges dafür, dass uns hier nichts Frisches vorliegt", sagt Arnold. Obwohl ein Teil der Schädeldecke und der Unterkiefer fehlt, gebe es derzeit keine Hinweise auf ein Gewaltverbrechen.
Weitergehende Erkenntnisse erhofft sich der Polizeisprecher von den Experten der Düsseldorfer Rechtsmedizin, an die der Schädel mittlerweile weitergegeben wurde. "Wir untersuchen den Fund und versuchen, Alter und Herkunft zu ermitteln, ihm jede mögliche Information zu entlocken", erklärt Sprecherin Susanne Dopheide. Wann ein Ergebnis vorliegen wird, stand gestern noch nicht fest.
Wie kam der Schädel auf das Eis des Tierpark-Teichs in der Nähe der Autobahn 540? "Es gibt verschiedene Möglichkeiten", meint Hans-Willi Arnold: "Er könnte von Tieren über eine längere Strecke hinweg dorthin transportiert worden sein. Andererseits könnte er auch von einem Friedhof stammen. Das versuchen wir herauszufinden."
Yannis Lagies hat eine andere Theorie: "Vielleicht hat jemand den Schädel für den Karneval missbraucht und ihn später weggeworfen. Das wäre ein makabrer Scherz."
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