Grevenbroich (NGZ). Seit Jahren stehen zwei Gebäude in Neurath leer: das Barbara-Haus und die alte Grundschule. In einer der beiden Immobilien soll künftig eine neue Kindertagesstätte eröffnet werden. Ganz unproblematisch ist das nicht.
Bis zum Jahr 2013 will die Stadt 32 Prozent aller unter drei Jahre alten Kinder (U3) in Tagesstätten betreuen. Dafür müssen alleine 23 Um-, Aus- und Neubauten realisiert werden. "Ein Millionenprojekt", sagt der Erste Beigordnete Michael Heesch. Vor allem Neubauten werden hart in das Kontor der Stadt schlagen: Neben der geplanten Kita, die mit Geld aus dem Konjunkturpaket finanziert wird, soll voraussichtlich auch ein Kindergarten im Kapellener Neubaugebiet entstehen.
Ob zusätzlich im Grevenbroicher Süden gebaut werden muss, ist noch offen. Möglicherweise kann die Stadt dort auf zwei leer stehende Gebäude zurückgreifen – entweder auf die alte Grundschule oder das Barbara-Haus der Pfarre St. Lambertus. Nach einer Vor-Ort-Besichtigung des Jugendhilfeausschusses (JHA) steht fest: Beide Häuser können nur bedingt als Kita eingesetzt werden.
Rechtsanspruch
Die Stadt muss mehr Betreuungsangebote für Kinder unter drei Jahren einrichten. Hintergrund ist der Rechtsanspruch, den Eltern künftig auf einen Tagesstättenplatz haben. Ab 2011 gilt er bereits für Zweijährige, ab 2013 für alle Kinder. In der gesamten Stadt müssen daher etwa 380 neue Plätze geschaffen werden.
"Die in den 50er Jahren gebaute Schule ist das größte Problem", sagt JHA-Vorsitzende Heike Troles (CDU): "Die Sanierungskosten liegen nach neuesten Schätzungen bei rund 1,2 Millionen Euro – das kommt in etwa einem Neubau gleich." Mit dieser Summe könne allenfalls das Nötigste bewerkstelligt werden, mehr sei nicht drin.
"Das Dachgeschoss ist nicht ausgebaut, der Keller ist zu niedrig und das Gebäude ist nicht barrierefrei", zählt Heike Troles auf: "Wir müssten also weitaus mehr Geld in die Hand nehmen, um gute Bedingungen zu erhalten. Hinzu kommt: Das Außengelände der seit 2002 leer stehenden Schule ist nach heutigen Maßstäben viel zu klein.
Bei der Alternative, dem Barbara-Haus an der Donaustraße, sieht es schon besser aus. Denn dieses Gebäude wurde in der Vergangenheit schon einmal als Kindergarten genutzt. "Gruppenräume und Sanitäranlagen sind vorhanden, der Keller ist ausgebaut, das Außengelände ist schön grün", unterstreicht Troles. Und die Umbaukosten seien überschaubar: schätzungsweise eine halbe Million Euro. Doch entscheiden konnte sich der Ausschuss für das Barbara-Haus nicht: "Das Gebäude ist im Besitz der Pfarrgemeinde und müsste von der Stadt erworben werden", gibt Heike Troles zu bedenken: "Fraglich, ob wir uns das als Nothaushaltskommune überhaupt leisten dürfen."
Das sollen nun die zuständigen Ämter der Stadtverwaltung klären. An sie ging der Auftrag, bis zur übernächsten Sitzung des Jugendhilfeausschusses Zahlen und Vergleichsmodelle zu erarbeiten. Auf dieser Basis sollen die Politiker dann entscheiden. Und was passiert, wenn keine Kita in den beiden Häusern machbar ist? "Dann muss neu gebaut werden", so Troles.
Die neuesten Nachrichten und Berichte aus Politik, Wirtschaft, Panorama, Sport, Kultur, Gesellschaft, Wissenschaft, Multimedia, Auto,
Reise und Beruf - im Archiv auch gratis recherchierbar. Dazu die besten Bilder, Live-Ticker, Kolumnen und Hintergrundberichte.