Grevenbroich (NGZ). Gleich zwei neue Seniorenpflegeheime sind in der Stadt geplant – an der Lindenstraße und in Elsen. Doch der Bedarf ist zumindest fraglich: Vertreter des Rhein-Kreises Neuss sehen ihn aktuell nicht.
Vier Seniorenzentren gibt es bereits in der Stadt, sechs sollen es werden: Das Berliner Unternehmen "Kursana Residenzen" will an der Lindenstraße im "Lindencarré" ein Haus mit 100 Plätzen betreiben. "Wir warten auf die letzten Genehmigungen, möchten so schnell wie möglich bauen", sagt Sprecherin Michaela Mehls. Und in Elsen plant die Hannoveraner "Care-Center Invest" ein 80-Plätze-Haus, das 2011 fertig sein soll.
Der Bauverein Grevenbroich will die Fläche auf einer Wiese an der Matthias-Esser-Straße verkaufen – der Standort ist jedoch umstritten. Die CDU lehnt die geplante Bebauung mit drei Vollgeschossen ab. Bürgermeisterin Ursula Kwasny (CDU) erklärt, dass die Wiese im dicht bebauten Grönland-Viertel erhalten bleiben soll. Zudem sei "der Bedarf an solchen Zentren in der Stadt gedeckt". Das meinen auch andere. "Zwei Häuser auf einen Schlag – das würde Belegungsprobleme geben", sagt Kreissozialamtsleiter Siegfried Henkel, das Amt ist für die Heimaufsicht zuständig. "Zurzeit bestehen in Grevenbroich 417 Heimplätze. Damit ist der heutige Bedarf gedeckt, es gibt keine langen Wartelisten mehr." Lediglich für ein weiteres Haus sei in den nächsten zwei Jahren ausreichend Nachfrage vorhanden, sagt Henkel.
Seniroenzentren
Zurzeit existieren in Grevenbroich vier Seniorenzentren mit insgesamt 417 Plätzen: St. Barbara, Lindenhof und das Albert-Schweitzer-Haus in unmittelbarer Nähe der City sowie in Gustorf das Seniorenstift St. Josef. Zwei weitere sind geplant: Das Unternehmen "Kursana Residenzen" will an der Lindenstraße im "Lindencarré" ein Haus mit Platz für hundert Menschen errichten, in Elsen plant "Care-Center Invest" eine Einrichtung für 80 Senioren.
Eine Bedarfsbestätigung für ein neues Heim sei heute nicht mehr erforderlich. "Die Investoren und Betreiber planen auf eigenes Risiko. Wir haben freien Wettbewerb, das ist positiv." Aber wenn Betreiber wegen mangelnder Auslastung gezwungen seien, Kosten zu senken, "kann sich das auf die Pflegequalität auswirken", so Henkel.
Eine "rückläufige Nachfrage" beobachtet Hans-Werner Reisdorf, Vorstand des Caritas-Verbandes, der etwa das Haus St. Barbara in Grevenbroich betreibt: "Zunehmend wird auf häusliche Pflege gesetzt. Auch wegen der Krise überlegt sich mancher, ob er einen Angehörigen ins Heim gibt oder ihn selbst pflegt."
Klar ist, dass die Zahl alter Menschen enorm zunehmen wird. Unklar ist aber, wie sich das konkret auf die Seniorenzentren auswirkt. "Nach einem Gutachten steigt die Nachfrage bis 2015 auf 580 Pflegeplätze, bis 2025 auf 750", erläutert Siegfried Henkel. In etwa fünf Jahren gibt es demnach Bedarf für zwei weitere Häuser. "Wir können nicht abschätzen, wie sich die Trends zur ambulanten Pflege und zum Betreuten Wohnen entwickeln."
Während Bürgermeisterin und CDU den Bauplänen an der Matthias-Esser-Straße kritisch gegenüberstehen, betont SPD-Ratsfrau Martina Suermann: "Die Entscheidung für ein Altenheim ist Sache des privaten Investors." Für die Stadt gehe es jetzt um die Frage, ob der Bebauungsplan dort drei statt zwei Vollgeschosse vorsehen soll. Damit könne der Bauverein die Fläche eher verkaufen und den Erlös in Projekte in Grevenbroich investieren.
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