Grevenbroich (NGZ). Grevenbroich Landeanflug auf die Gustorfer Höhe. Der weiße Vogel gleitet in Richtung Erde, setzt auf der Rasenpiste auf und - hoppla - geht wieder in die Luft. Unfreiwillig. Denn eine große Delle auf der Landebahn hat den leichten Flieger erneut nach oben katapultiert. Keine Seltenheit auf dem 13 Hektar großen Segelfluggelände.
Denn die Piste des Grevenbroicher Luftsportzentrums ist in den vergangenen 15 Jahren stark in Mitleidenschaft gezogen worden. Nicht nur durch die Starts und Landungen (jährlich etwa 1500), sondern auch durch eine RWE-Kabeltrasse, die quer über das Gelände verlegt werden musste und deutliche Spuren hinterließ.
Es sind aber nicht allein die „Hubbel“, die den Fliegern das Leben schwer machen: „Wir haben hier oben auch ein Problem mit Hunden“, erklärt Pilot Günter Keser. Die Vierbeiner, die von Spaziergängern von der Leine gelassen werden, schnüffeln auf der Piste nach Wühlmäusen, die sich unter der Grasnarbe aufhalten: „Die buddeln dann riesige Löcher auf der Bahn. Gerät da ein Flugzeug bei der Landung rein, kann das ernsthafte Schäden nach sich ziehen“, schildert Keser. Passiert ist bisher noch nichts - aber insgesamt sind das keine guten Voraussetzungen für die 75 Luftsportler des Vereins.
Gustorfer Höhe
Die Gustorfer Höhe (93 Meter) wurde Ende der 70er Jahre mit Abraum aus dem Tagebau Frimmersdorf-Westfeld aufgeschüttet und anschließend rekultiviert. Seit 1993 hat der Aero-Club dort sein Domizil.
Die Tage der 1,1 Kilometer langen und 125 Meter breiten Holperpiste sind aber gezählt. Streng genommen gibt es sie schon gar nicht mehr. Denn im Herbst hat Lutz Kunde, Direktor des Tagebaus Garzweiler, die Mitarbeiter seines Schirrhofs ausrücken lassen, um die Landebahn umzupflügen. Jetzt sieht sie aus wie ein Acker. „Aber nicht mehr lange“, kündigt Kunde an. Sobald es das Wetter zulässt, wird in Kürze mit der Sanierung des Platzes begonnen - und zwar richtig. Um ein bestmöglichstes Ergebnis zu erzielen, wird RWE Power modernste Technik einsetzen - etwa Raupen, die über Satellit gesteuert werden. „Danach wird das Gelände absolut eben sein“, so der Tagebau-Direktor. Den Luftsportlern kostet diese Aktion übrigens keinen Cent: „Wir machen das aus Nachbarschaftshilfe und als Wiedergutmachung für die verlegten Kabeltrassen“, so Kunde.
Für Norbert Diekneite, den Vorsitzenden der Segelflug-Abteilung des Aero-Clubs, sind das gute Nachrichten: „Das wären für unseren Verein immense Kosten gewesen - etwa in Höhe des Preises für ein Segelflugzeug.“ Den neuen „Diskus“, der im vergangenen Jahr gekauft wurde, hätten sich die Luftsportler unter anderen Umständen nicht leisten können.
Wann die Piste fertiggestellt sein wird, steht noch nicht fest: „Wir hoffen, dass wir im Juli hier wieder starten und im September unser alljährliches Flugplatzfest feiern können“, so Diekneite: „Da muss aber das Wetter gut mitspielen.“ Der Saisonstart am Karfreitag fällt für den Aero-Club auf dem eigenen Gelände auf jeden Fall ins Wasser. Er weicht daher zu den Fliegern des LSV „Erftland“ in Bergheim aus, die die Grevenbroicher in den nächsten Monaten mitsamt ihren Flugzeugen aufnehmen werden. „Wir sind schon seit Jahren befreundet und vertragen und prächtig. Das wird schon gut funktionieren“, zeigt sich Günter Keser zuversichtlich.
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