Wahre Schönheit kommt von innen. Das wissen auch die Auerbacher aus der Partnerstadt von Grevenbroich. Deshalb gibt es dort - zwischen Vogtland und Erzgebirge - einen Osterbrauch, der Falten strafft und überflüssige Pfunde purzeln lässt: Bei Anbruch des Ostersonntags, noch in der Dämmerung, verlassen die Frauen auf Zehenspitzen das Haus, um im Wald nach frischem Quellwasser zu suchen. Sie müssen es schöpfen und schweigend nach Hause tragen.
Wenn sie von diesem Wasser trinken und ihr Gesicht damit waschen, werden sie wunderschön. Der Haken an der Sache: Sie dürfen auf dem gesamten Weg vom Wald zurück nach Hause kein Wort sprechen, sonst verwandelt sich das Schönheitswasser in Plapperwasser - und wirkt nicht mehr. Besonders gehässige Zeitgenossen lauern den Frauen deshalb auf, um ihnen den neuesten Tratsch aus Auerbach zu erzählen - in der festen Überzeugung, dass sie ihren Mund nicht halten können, sobald sie einer Nachbarin begegnen. Ostern in Auerbach unterscheidet sich nicht wesentlich von der Feier des Festes im rheinländischen Grevenbroich. Wie zur Weihnachtszeit wird im Vogtland jedoch auch jetzt auf stilvolle Dekoration besonders viel Wert gelegt.
Und während in der Adventszeit Moosmänner und Engel die Fensterbänke zieren, müssen sie in der Osterzeit Holzhasen und Blumenkindern Platz machen. Eine Auswahl präsentierten Handwerker aus der Partnerstadt auf einem kleinen Ostermarkt im Grevenbroicher Rathaus. Die Blumenkinder sind bunt bemalte Figürchen aus Holz, die eine Blume in der Hand halten, die fast doppelt so groß ist, wie sie selbst. Die Frühlingsboten sind Glücksbringer, die das Haus beschützen sollen, wenn sie sichtbar im Fenster aufgestellt werden. Schlechte Laune vertreiben soll ein Holzvogel, der seinen Kopf verdrehen kann: Je nach Schnabelhaltung schaut er verschmitzt, lustig oder nachdenklich. Der Osterstrauß gehört in das Auerbacher Wohnzimmer genauso wie in das Grevenbroicher.
"Der Osterstrauß ist im Frühling das Aushängeschild einer Wohnung und der besondere Ehrgeiz der Hausfrau", erklärt Karin Grabowski, Kulturamtsleiterin in Auerbach. Im Vogtland ist es Tradition, die Zweige mit kunstvoll gefertigten Eiern zu schmücken. Annelies Spitzner präsentiert in ihrem Osternest verschiedene Techniken: Einige Eier sind einfach ausgeblasen und mit dünnen Pinseln farbenfroh bemalt worden. Andere wurden mit einer Grundierung gefärbt und abschließend mit Fimo bearbeitet: Das Knetmaterial ist in Blumenmustern auf der Kalkschale befestigt.
Eine Spezialität aus dem Vogtland sind mit Spitzen gestaltete Eier. Auf bei dieser Technik erhält das Ei eine Grundfarbe, bevor das feine Stoffmuster über das ovale Hühnerprodukt gelegt wird. Besonders fein ist die Plauener-Spitze, die auf eine Papierschablone aufgemalt und danach herausgeätzt wird. Im Repertoire fehlen dürfen natürlich nicht geklöppelte Muster: Mit unzähligen Holzstäbchen, an denen die Fäden befestigt sind, werden Spitzeneier, -hasen und -hühner gehäkelt. PeS
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