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Grevenbroich: Rauch-Experimente in der City

VON WILJO PIEL - zuletzt aktualisiert: 29.03.2010 - 13:16

Grevenbroich (NGZ). Dichter Rauch quoll am Wochenende aus einem Neubau in der Grevenbroicher Innenstadt. Wissenschaftler der Aachener Fachhochschule simulierten dort bei einem außergewöhnlichen Feuer-Experiment den Ernstfall.

Übung für den Ernstfall: Ein brennendes Auto in einem Parkhaus.  Foto:  M. ReuteR
Übung für den Ernstfall: Ein brennendes Auto in einem Parkhaus. Foto: M. ReuteR

In der Tiefgarage des neuen Bauvereins-Hauses an der Montanusstraße brennt ein Auto. Mit atemberaubender Geschwindigkeit breitet sich der Rauch in den Beton-Katakomben aus. Schon bald sieht man die Hand vor Augen nicht mehr, verliert völlig die Orientierung. "Jetzt drei, vier Atemzüge - und Sie lägen am Boden und wären ein Opfer, das schnellstens Hilfe benötigt", sagt Bernd Konrath.

Zum Glück ist alles nur eine Simulation. Im Inneren des Autos sorgen lediglich Gasbrenner für lodernde Flammen; der Qualm ist ungefährlich, er kommt aus einer Nebelmaschine. Für Konrath und sein Team vom Institut für Industrie-Aerodynamik an der Aachener Fachhochschule bietet dieses Szenario zwar harmlose, aber durchaus realistische Bedingungen.

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Beobachter

Das Experiment an der Montanusstraße war auch von internationalem Interesse. Mitarbeiter des finnischen Unternehmens "Inspectra", das ähnliche Aufgaben wie die deutsche Bauaufsicht wahrnimmt, gehörten zu den Beobachtern des Geschehens in der Innenstadt. Aus der Schweiz reiste Urs Käser nach Grevenbroich an, er ist ein Mitarbeiter der eidgenössischen Feuerpolizei.

Die Wissenschaftler sind in Grevenbroich mit einem zentnerschweren technischen Equipment angetreten, um dem Rauch die letzten Geheimnisse zu entlocken. Wie breitet sich der Rauch bei einem Brand aus? Welche Drücke stellen sich ein? Was passiert beim Einsatz von Lüftern? Und wie gut sind die Evakuierungsmöglichkeiten? Auf diese Fragen wollen die Experten Antworten liefern. "Damit Feuerwehren mit der richtigen Taktik vorangehen und Menschen effektiver retten können", sagt Konrath.

Wie wichtig solche Versuche sind, zeigt sich schon nach der ersten Simulation. Nachdem die Tiefgarage völlig verqualmt ist, setzt der Grevenbroicher Feuerwehr-Chef Udo Lennartz seine Trupps nach Handbuch in Marsch – am Eingangstor werden vorschriftsmäßig Drucklüfter positioniert. Was selbst Experten verwundert: Innerhalb von Minuten ist plötzlich das Treppenhaus – der einzige Fluchtweg der Bewohner – völlig verraucht.

"Durch den Druck ist der Qualm selbst durch die Ritzen der Brandschutztüren gedrungen", lautet die Analyse. Beim nächsten Versuch ändert Lennartz die Taktik: Jetzt werden Lüfter vor den Spezialtüren eingesetzt. Mit Erfolg: Das Treppenhaus bleibt rauchfrei, das Haus könnte ohne Gefahr evakuiert werden. "Solche Erkenntnisse hatten wir uns erhofft", erklärt der städtische Brandschutz-Experte Peter Hilgers, der die Aachener Experten nach Grevenbroich geholt hatte.

Von den Versuchen in der Tiefgarage und dann im Inneren des Hauses sollen künftig Wehren in ganz NRW und darüber hinaus profitieren: "Grevenbroich ist für uns der Auftakt einer Versuchsreihe", sagt Bernd Konrath. Sämtliche Simulationen werden per PC und Videokameras aufgezeichnet, später ausgewertet und den Wehren zur Verfügung gestellt: "Damit sie ihre Taktiken auf die gewonnenen Erkenntnisse einstellen können."

Für die Grevenbroicher Brandschützer boten die wissenschaftlichen Feuer-Experimente eine Chance, ihre neue 20 000 Euro teure Wärmebildkamera einzusetzen. "Damit können wir selbst bei dichtestem Rauch Menschen oder Gegenstände zu sehen", betont Udo Lennartz. "Sie ist jeden Cent wert."

Quelle: NGZ


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