Grevenbroich (NGZ). Orken An der Wand bei den Wirtschaftsbetrieben Grevenbroich (WGV) hängt ein großer Plan mit blauen und roten Linien, darunter ein Bild eines gewaltigen Bohrers, gegen den das Instrument des Zahnarztes Liliput-Format aufweist. Rund zwei Meter groß und 35 Tonnen schwer ist der Bohrkopf, der ab Juli am Bahnübergang Blumenstraße zum Einsatz kommt.
Sperrung
Der Bahnübergang Blumenstraße muss für den Kanalbau gesperrt werden, die WGV geht von etwa vier Monaten aus. Die WGV will diese Zeit möglichst kurz halten.
Wenn möglich, soll während eines Teils der Bauzeit der Verkehr einspurig über die Blumenstraße geführt werden. Die Verkehrslenkung wird noch mit der Stadt geklärt werden. Schon während Umbauarbeiten der Bahn musste der Übergang geschlossen bleiben.
Er wird sich unter der viel befahrenen Eisenbahnstrecke durch die Erde fressen, um Platz für einen Regenwasser- und Schmutzwasserkanal zu schaffen. Noch größere Geräte kommen etwa beim Tunnelbau zum Einsatz.
„Das ist schon etwas Besonderes“, sagt Torsten Küpper, Planer bei den WGV. „Zum einen wird der unterirdische Rohrvortrieb in Grevenbroich selten angewandt, zum anderen stellt uns die Bahn vor Herausforderungen.“ Der Zugverkehr muss während des Baus weiterlaufen. „Außerdem fahren über die Strecke 5000 Tonnen schwere Erzzüge, die zu den schwersten Güterzügen der Bahn gehören.“
Der unterirdische Kanalbau bildet bereits den dritten Bauabschnitt der mehrere Millionen Euro teuren Kanalsanierung Richard Wagner-Straße. Zum einen sind Kanalrohre nicht ausreichend dimensioniert, zum anderen müssen neuere rechtliche Bestimmungen beachtet werden. Das Regenwasser muss vorgereinigt werden, danach wird es in die Erft geleitet. Bislang floss dieses Regenwasser in einen Graben parallel zur Kreisstraße 22.
In den ersten Bauabschnitten waren das 30 Meter große Regenklärbecken und der Kanal zum Wevelinghovener Entwässerungsgraben erstellt worden. Der nächste, 1,3 Millionen Euro teure Abschnitt umfasst den Kanalbau unter der Bahn und in der Blumenstraße.
Der Bahnübergang Blumenstraße muss dafür gesperrt werden. Auf der östlichen Seite des Übergangs wird für die Bohrmaschine auf der Straße eine acht Meter breite Startgrube angelegt. Rund drei bis vier Meter unter der Erde arbeitet sich der Hartmetall-Bohrer durchs Gestein, die Erde wird mit Flüssigkeit vermischt oder auf einer Förderschnecke abtransport.
Hinter dem Bohrer pressen Hydraulikpressen, die bis zu 2000 Tonnen ausüben, Stück für Stück die Kanalrohre in die Erde. Das Regenwasserrohr hat einen Durchmesser von 1,80 Metern, das Schutzrohr für die Schmutzwasserleitungen von 1,40 Metern. „Den 80 Meter langen Abschnitt unter den Gleisen wollen wir mit Blick auf die schweren Güterzüge an einem Wochenende schaffen“, so Küpper.
Die Maschine dürfe dabei möglichst nicht zum Stillstand kommen, für das Anfahren sei sonst ein sehr großer Druck nötig. Auf insgesamt 320 Meter Länge arbeitet sich der Bohrer durch den Boden. Die Bohrmaschine muss dabei gedreht werden, um sich auch in Richtung Klärbecken zu bohren.
In herkömmlicher, offener Bauweise werden auf 160 Metern die Kanäle in der Blumenstraße verlegt. Bis Anfang 2007 soll der dritte Bauabschnitt abgeschlossen sein. „Damit kann auch das neue Regenklärbecken am Türling in Betrieb gehen“.
Anfang oder Mitte 2007 kommen die Bagger für den vierten Bauabschnitt wieder, verlegen dann in der Richard-Wagner-Straße neue Rohre. „Wenn alles gut läuft, werden bis Ende des Jahres 2008 in der Richard- Wagner-Straße komplett neue Kanäle liegen“, so WGV-Planer Torsten Küpper.
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