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Grevenbroich: Ritter, Brot und Falschparker

VON WILJO PIEL - zuletzt aktualisiert: 16.08.2006 - 21:37

Grevenbroich (NGZ). Hülchrath Mittelalterliche Märkte, kubanische Nächte, rockige Partys in den Kasematten, gruselige Halloween-Feten und Opern-Arien unter freiem Himmel. Das Hülchrather Schloss hat sich zum Top-Veranstaltungsort entwickelt.

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Das sagt das Handwerk

„Dass der Brotmarkt so viele Besucher anlocken würde, hätten wir nicht gedacht“, sagt Paul Neukirchen aus Hülchrath, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft. Die Bäcker hätten sich für das am 27. August geplante Straßenfest eine Wiedergutmachung ausgedacht: „Wir werden eine Überraschung bereithalten.“ Welche das sein wird, will er nicht verraten.

Alleine der Brotmarkt lockte am Sonntag 10 000 Besucher in das 700-Seelen-Dorf. Mit unangenehmen Folgen: Es gab kaum Parkflächen, im Ort brach das blanke Verkehrschaos aus. Für einige Bewohner war das so etwas wie ein Tropfen auf den heißen Stein. Sie forderten am Mittwoch klare Regelungen für künftige Feste.

„Wir haben nichts gegen die Veranstaltungen im Schloss“, stellt Lorenz Steins (42) klar: „Doch so etwas wie am Sonntag darf sich nicht wiederholen. Es müssen klare Rahmenbedingungen her.“ Das gelte vor allem für den Verkehr: „Denn unsere Grundstücke werden regelmäßig von den Autos und Fahrrädern der Besucher zugeparkt.

Wir müssen unsere Fahrzeuge schon morgens aus der Garage holen, falls wir sie im Laufe des Tages brauchen sollten“, erklärt Käthe Michaeli (65). „Manchmal parken wir sogar im Nachbarort, weil unsere Einfahrten zugestellt wurden“, ergänzt Karl Mausberg (57).

Längst hätten nicht alle Besucher Verständnis dafür, wenn die Eigentümer darauf hinweisen würden, dass ihre Grundstücke keine Parkplätze seien: „Sie glauben gar nicht, was ich mir schon alles anhören musste“, schüttelt Toni Kirschbaum (45) den Kopf.

Die Forderung der Hülchrather: Wenn im Schloss gefeiert wird, müssten auch die notwendigen Stellflächen bereitgehalten werden. „Auch für den Fall, dass Feuerwehrfahrzeuge oder Rettungswagen bei einem Notfall jedes Haus im Ort erreichen können. Sicherheit und Ordnung müssen gewährleistet sein“, betont Lothar Steins.

Ein anderes Problem: Ruhestörungen. „Werden Hochzeiten auf dem Schloss gefeiert, ist nicht selten bis vier Uhr morgens Krach“, weiß Jürgen Broich (62) vom Degenhof. Werden dann auch noch Feuerwerke entfacht, würden nicht nur seine 30 Pferde scheu: „Unsere Hunde mussten schon am nächsten Tag in Neukirchen eingefangen werden.“

 Hinzu kämen Besucher, die frühmorgens lautstark durch das Schlosstor die alte Burg verließen, um dann in mit laufendem Motor wartende Busse oder Taxen einzusteigen. „Dieser Krach nervt“, meint Heinz Michaeli (67), der sich auch über den Müll beschwert, den rücksichtslose Zeitgenossen auf dem Heimweg hinterlassen würden.

Der Vorschlag der Hülchrather: Bei Veranstaltungen sollte das Schlosstor verriegelt werden: „Damit die Gäste die Anlage im hinteren Bereich, am Ortsausgang verlassen können.“ Lothar Steins hat sich bereits an das Ordnungsamt gewendet, um auf die Missstände hinzuweisen.

Dass die Polizei schon im Thema ist, erklärte Sprecher Hans-Willi Arnold gegenüber der NGZ: „Am Sonntag hat es große Verkehrsprobleme gegeben, wir waren vor Ort.“ Es würden bereits Gespräche mit der Stadtverwaltung und dem Veranstalter geführt, „damit so etwas künftig nicht mehr passiert“. Vertreter des Ordnungsamtes seien am Wochenende jedoch nicht vor Ort gewesen, erklärt Stadtsprecher Norbert Häke: „Mit 10 000 Besuchern hat schließlich niemand gerechnet.“

Nicht einmal Albert Stromann von der Agentur „Hermida & Stromann“: „Wir können uns bei den Hülchrathern nur entschuldigen. Die Veranstaltung ist geradezu explodiert.“ Nach Stromanns Meinung sind die Karten auf dem Schloss mittlerweile ausgereizt: „Mit 30 Buchungen sind wir an unsere Grenzen gestoßen. Es darf auf keinen Fall mehr werden.“

Im Gegenteil: Die Agentur plant, einen Teil der Feste auf Schloss Gymnich auszulagern. Künftig sollen jährlich nur noch zehn Veranstaltungen in Hülchrath über die Bühne gehen. Stromann gibt aber auch zu bedenken, dass nur die Hälfte der Aktionen auf Initiative seiner Agentur realisiert würde: „Wir bekommen auch Anfragen vom Kulturamt, von Parteien oder von der Pfarrgemeinde. Es ist schwierig, da jemanden einen Korb zu geben.“

Theo Lys, Brudermeister und Vorsitzender des Dorfvereins, bricht eine Lanze für die Burg: „Wir Hülchrather stehen zum Schloss“. Es müssten aber Lösungen gefunden werden, um die Veranstaltungen künftig zu entzerren: „Das darf sich nicht auf zwei Monate konzentrieren. Das stört nur die Ruhe im Dorf.“

Quelle: NGZ


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