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Grevenbroich: Rutschen, die Leben retten

VON MARGARETHE PLUTA - zuletzt aktualisiert: 16.07.2008 - 21:30

Grevenbroich (NGZ). Grevenbroich Eine Rauchwolke zieht die Treppe hoch in das erste Obergeschoss des Kindergartens Hartmannweg. Sofort schlägt Kindergartenleiterin Cornelia Wilms die Tür zum Gruppenraum zu, macht das Fenster auf und wirft einen weißen, rund vier Meter langen Rettungsschlauch hinaus.

Rettungsschläuche sollen im Falle eines Brandes Kindergartenkindern den Weg ins Freie sichern: Wie einfach sie funktionieren, zeigte am Mittwoch Erzieherin Jennifer Görtz mit den Kindern im Kindergarten Hartmannweg.  Foto: M. Reuter
Rettungsschläuche sollen im Falle eines Brandes Kindergartenkindern den Weg ins Freie sichern: Wie einfach sie funktionieren, zeigte am Mittwoch Erzieherin Jennifer Görtz mit den Kindern im Kindergarten Hartmannweg. Foto: M. Reuter

Danach dauert es nicht einmal zwei Minuten, bis die Kinder sicher im Freien ankommen. Was am Mittwoch nur zu Übungszwecken in dem Kindergarten demonstriert wurde, kann im Ernstfall Leben retten. Davon sind Peter Hilgers, Leiter des Brandschutzdienstes, und der städtische Brandschutzbeauftragte Hans-Peter Junk überzeugt.

Im Rahmen einer groß angelegten Brandschutzmaßnahme haben sie in den vergangenen drei Jahren alle städtischen Kindergärten auf den neuesten Stand gebracht. „Die Kindergärten entsprachen zwar auch vor 2005 den brandschutztechnischen Anforderungen, aber ein Vorfall hat uns trotzdem dazu bewegt, mehr zu machen, mit der technischen Entwicklung zu gehen“, sagt Hilgers. Der Vorfall, der ihn seit 2005 nicht mehr losgelassen hat, war ein Brand im Kindergarten in Orken.

Info

Längster Schlauch

Der längste Rettungsschlauch, den die Firma Axel Thoms jemals installiert hat, ist 112 Meter lang. Der Rettungsschlauch befindet sich in einem Bankgebäude in Bogota. Wer dort allerdings runterrutscht, muss fast 60 Spiralen drehen, bis er den Boden erreicht.

„Der Kindergarten ist zwar nachts ausgebrannt, aber es hätte genauso gut tagsüber passieren können“, weiß der Brandschutzdienst-Leiter. Dann hätte es schnell gehen müssen. „Es ist grundsätzlich besser, wenn Menschen das Gebäude so schnell wie möglich verlassen können - noch bevor die Feuerwehr den Einsatzort erreicht“, erklärt Hilgers.

In Kindergärten, die jedoch nur über einen Fluchtweg verfügen, hätte das in der Vergangenheit schwierig werden können. Insbesondere, wenn der einzige Fluchtweg versperrt ist. „In solchen Fällen hätten die Kinder auf die Feuerwehr warten müssen, die sie mit der Feuerwehrleiter gerettet hätte.“

Die Rettungsschläuche bilden eine sinnvolle Alternative. Und: Die Kinder haben Spaß beim Runterrutschen, so wie der vierjährige Joshua, der am Mittwoch gar nicht genug bekommen konnte. „Das macht Spaß, ich will noch mal“, sagte er, nachdem er bereits zum dritten Mal durch den Schlauch ins Freie gelangt ist. Den Spaßfaktor, gleichzeitig aber auch die Sicherheit erhöht das spiralförmig angelegte Rutschtuch, das sich im Rettungsschlauch gegen den Uhrzeigersinn hinunterwindet.

„Durch diese Anordnung gleiten die Personen gleichmäßig - nicht zu schnell - zu Boden. Sie können sich nicht verletzen, auch wenn sie ungeübt sind“, weiß Horst Hohensee, Technischer Leiter der Firma Axel Thoms, die insgesamt sieben Rettungsschläuche in Grevenbroicher Kindergärten installiert hat. Dass er damit recht hat, demonstrierten am Mittwoch nicht nur zahlreiche Kinder - auch Michael Heesch, Erster Beigeordneter, Dietmar Vittinghoff vom Fachbereich Jugend und Hans Peter-Junk probierten den Rettungsschlauch aus.

Das Urteil: „Es ist ganz einfach, ich habe es mir nicht so leicht vorgestellt“, sagt Heesch. Und obwohl am Mittwoch am Hartmannweg ganz klar der Rettungsschlauch im Vordergrund des Geschehens stand, ist dies nicht die einzige Maßnahme, die von der Stadt zum Brandschutz in Kindergärten gemacht wurde.

Insgesamt 137 000 Euro sind für die 7 000 bis 10 000 Euro teuren Rettungsschläuche, für 60 Brandschutztüren und rund 150 Brandmelder investiert worden. „Die Rauchwarnmelder sind auf dem neuesten Stand, sie kommunizieren per Funkwellen miteinander. Wenn einer losgeht, schlagen alle anderen auch Alarm“, erklärt Hilgers. Wenn der Alarm erklingt, sollen die Brandschutztüren den Kindern Zeit geben, um in Ruhe den Rettungsschlauch nutzen zu können.

Am Donnerstag in der NGZ:

Interview Rauchmelder ...

Quelle: NGZ


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