Grevenbroich (NGZO). Der Langwadener Kloster-Landwirt Frank Vohwinkel will am Galgenstein nahe der Insel Hombroich urige Heckrinder züchten. Doch das wird ihm offensichtlich nicht gegönnt: Unbekannte haben den Weidezaun zerstört und die Tore gestohlen. Die Polizei ermittelt.
Frank Vohwinkel plant ein besonderes Öko-Projekt: Ab dem nächsten Frühjahr möchte der 37-Jährige ein zehn Hektar großes Gelände der Museumsinsel Hombroich naturnah bewirtschaften – mit Hilfe von Heckrindern. Der Landwirt, der die Äcker und den Park des Klosters Langwaden in Schuss hält, will die bulligen Urviecher für die Landschaftspflege einsetzen. "Die Langhörner sollen das Areal am Galgenstein mit der Zeit in eine wilde Weide verwandeln – so wie sie vor 1200 Jahren in der Region häufig zu finden war", erklärt Vohwinkel. Zurück in die Vergangenheit, heißt hier das Motto.
Mit dem sich wohl nicht jeder anfreunden kann. "Denn das Projekt wird sabotiert", meint Burkhard Damm (40). Der Landschaftsarchitekt der Museumsinsel hat die Polizei eingeschaltet – aus gutem Grund: Nachdem am Dienstag die ersten 350 Meter Zaun gesetzt wurden, waren sie am Mittwoch schon zerstört. "Alle paar Meter wurde der Draht mit dem Seitenschneider durchgeknipst. Außerdem wurden zwei Weidetore aus Metall gestohlen", ärgert sich Damm. Die Kriminalpolizei hat bereits vor Ort ermittelt und ist auf Traktorspuren gestoßen – vermutlich waren die Täter mit schwerem Gerät angerückt.
Das Heckrind
Der Auerochse ist der Stammvater aller Hausrinder. Einst waren diese Tiere über weite Teile Europas, Asiens und Nordafrikas verbreitet, bis sie vor über 300 Jahren ausstarben. Den Gebrüdern Heck, Zoodirektoren in München und Berlin, gelang es durch Rückzüchtung in den 1930er Jahren den "Neuen Auerochsen" vorzustellen. Mit Ausnahme der Größe wies er alle wesentlichen Eigenschaften des Ur-Rindes auf. Inzwischen hat sich dieses nach den Züchtern benannte Heckrind zu einer widerstandsfähigen Rasse stabilisiert. Europaweit dürften heute mehrere tausend Tiere leben. Heckrinder sind widerstandsfähig gegen Kälte, Hitze und Krankheiten. Sie leben das ganze Jahr über im Freien, auch bei tiefen winterlichen Temperaturen. Bei der Auswahl der Nahrung ist das Rind anspruchslos: Süß- und Sauergräser gehören ebenfalls auf seinen Speisezettel wie etwa daumendicke Gehölze. Bevorzugt werden hierbei Weiden und Faulbäume.
Infos: www.bund.net
Das Privatareal, das auf Grevenbroicher Stadtgebiet liegt, sorgte vor gut 15 Jahren schon einmal für Schlagzeilen: Seinerzeit wandten sich Anlieger heftig gegen eine Erweiterung der Insel Hombroich – mit Erfolg. "Diese Pläne sind längst vom Tisch. Mit unserem Öko-Projekt schlagen wir eine neue Richtung ein – mir ist schleierhaft, wer gegen ein solches naturnahes Vorhaben sein kann", meint Burkhard Damm. Einschüchtern lassen will er sich jedoch nicht: "Selbst wenn der Zaun jede Nacht zerstört werden sollte: Wir ziehen das durch."
Das Vorhaben wird von Erft- und Landschaftsverband unterstützt, auch der Bund für Umwelt- und Naturschutz befürwortet die wilde Weide, die seit anderthalb Jahren in Planung ist. "Eigentlich kann niemand etwas dagegen haben", meint Landwirt Vohwinkel schulterzuckend: "Denn rund um die Weide lassen wir Platz, damit Spaziergänger und Reiter weiterhin das Privatgelände queren können." Das Nachsehen haben die Jäger, für die das Areal künftig tabu sein wird.
Im Frühjahr will Frank Vohwinkel dort mit einem Bullen und zwei Kühen den Grundstein für eine Heckrinderzucht legen – und nebenbei die Landschaft natürlich verändern: "Die Tiere tragen mit ihrem Fressverhalten dazu bei, dass Büsche zurückgedrängt werden – das offene und lichte Wiesenland bleibt mit seinen vielfältigen Strukturen erhalten", erklärt er. Fraß- und Grasinseln wechseln sich künftig miteinander ab und bieten neue Lebensräume für Insekten, Vögel, und Amphibien. "Das wird eine interessante Mosaik-Landschaft", meint der Landwirt: "Eine Bereicherung für die Region."
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