Grevenbroich (NGZ). Die Mehrheit der Ratspolitiker ist sich einig: Die alte Elsener Tankstelle soll abgerissen werden, wenn es die Stadt denn nichts kostet. Ausnahme: Die UWG will das Gebäude erhalten - sie hat die Denkmalschützer alarmiert.
Grevenbroich Ihr Name ist in Politik und Verwaltung hinlänglich bekannt: Dr. Helmtrud Köhren-Jansen.
Die Vertreterin des Landschaftsverbands Rheinland löste unlängst kontroverse Diskussionen aus, nachdem sie das historische Schussfeld des Alten Schlosses unter Denkmalschutz stellte und damit künftigen Bauplänen in diesem Areal eine Absage erteilte.
Jetzt meldet sich die Expertin in Grevenbroich zurück. Der Grund: UWG-Ratsherr Norbert Wirxel will die 56 Jahre alte Tankstelle an der Jülicher Landstraße in Elsen vor dem Abriss bewahren und hat die obersten Denkmalschützer in Brauweiler alarmiert - sozusagen als Kavallerie zur Rettung in letzter Minute.
Tankstellen-Geschichte
Die Elsener Tankstelle wurde 1952 zunächst von der Firma Raab Karcher betrieben. Dann übernahm Aral den Betrieb, der 1972 eingestellt wurde. Später ging das Grundstück in Privathände über und wurde bis zum Jahr 2002 illegal als Abstellfläche zum Verkauf von Autos genutzt.
Zu diesem Artikel erscheint in der NGZ vom Samstag ein Zur Sache: Spätzünder.
Und die Konservatoren sind offensichtlich nicht ganz uninteressiert. Zumindest lag dem Rat jetzt ein Schreiben vor, in dem Dr. Köhren-Jansen eines vorausschickt: „Tankstellen stellen eine wichtige Denkmalgattung für die Verkehrsgeschichte dar, deren Beispiele immer mehr verloren gehen.“
Eines der wenigen Exemplare aus der unmittelbaren Nachkriegszeit steht in Neuss an der Bundesstraße 9 und wurde bereits unter Schutz gestellt. Aus diesem Grund hat sie Wirxels Tipp an einen Kollegen aus der Abteilung „Inventarisation“ weitergegeben, der den Denkmalwert der vor 36 Jahren geschlossenen „Tanke“ demnächst überprüfen soll.
Für Norbert Wirxel steht fest: „Das ist ein Baudenkmal - unsere letzte alte Tankstelle.“ Sein leidenschaftlicher Appell an den Rat: Die Abbruchpläne sollten erst einmal in der Schublade verschwinden, bis dass der Landschaftsverband das Gebäude untersucht hat.
Der „Unabhängige“ aus Hemmerden stand damit relativ alleine da. Denn der größte Teil der Ratspolitiker folgte dem Vorschlag der Stadtverwaltung, das Gebäude aus dem Jahr 1952 dem Erdboden gleichzu- machen.
Unter einer Voraussetzung: Die Stadt darf dieser Abriss keinen Cent kosten. Eine zweite aus dem Rathaus vorgeschlagene Option lehnten die Politiker daher auch ab: Die von der Verwaltung geschätzten 18 000 Euro Abrisskosten wollten sie dafür aus dem Stadthaushalt nicht abknapsen.
„Wo doch andernorts Spielplätze und Skateranlagen geschlossen werden müssen, weil für nichts mehr Geld da ist“, bekräftigte der Freie Bürger Friedrich Denker. Ein weiteres Argument: „Wir wissen gar nicht, was der Abriss tatsächlich kosten wird.
Beginnen wir mit dem Buddeln und stoßen dabei auf kontaminierte Stoffe, haben wir ein Problem“, gab CDU-Fraktionschef Josef Theisen zu bedenken.
Risikofaktor sind die alten Tanks, die noch unter der Erde liegen: „Sollte sich bei den Abbrucharbeiten herausstellen, dass sie defekt sind, könnten sich die Kosten bei einer Kontaminierung des Erdreichs leicht um das Zehnfache erhöhen“, warnte der Technische Beigeordnete Werner Hoffmann.
Der Rhein-Kreis Neuss hat bereits ein Gutachterbüro mit Bodenuntersuchungen beauftragt. Sobald die Ergebnisse vorliegen, kann eine präzisere Kalkulation der Kosten erstellt werden.
Gegen die Stimmen von UWG und Grüne sprach sich der Rat jedoch einhellig dafür aus, die „Tanke“ abzureißen, und zwar kostenneutral. Ein Auftrag für Bürgermeister Dr. Axel Prümm und den Ratsherrn Peter Gies (SPD), die zurzeit auf Sponsorensuche sind, weil der „Schandfleck“ am Elsener Ortsausgang verschwinden soll.
Und Dr. Helmtrud Köhren-Jansen? Hier zeigt sich Werner Hoffmann zuversichtlich: „Die Stadt ist selbst Untere Denkmalbehörde. Und als solche sind wir nicht der Meinung, dass die Tankstelle unter Schutz gestellt werden sollte.“
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