Brandbrief als Lösung (NGZO). Die Präsidenten der 21 Schützenvereine gehen auf die Barrikaden. In einem Brandbrief an die Politiker machen die Chefs deutlich: "Die Sparpläne der Stadt gehen zu Lasten von 20 000 Brauchtumsfreunden."
Das aktuelle städtische Defizit ist noch "Geheimsache". Kämmerin Monika Stirken-Hohmann wird dem Rat am Donnerstag exklusiv die Zahlen vorlegen. Nach Informationen der NGZ steuert Grevenbroich auf ein Haushaltsloch von 27 Millionen Euro zu. Vor diesem Hintergrund hatte die Kämmerin schon im Oktober einen Sparkatalog vorgelegt. Diese Liste bringt jetzt die Präsidenten der 21 heimischen Schützenvereine, Bruderschaften und Kirmesgesellschaften tüchtig in Wallung.
Der Grund: "Die Stadt will künftig die Zeltverleiher zur Kasse bitten. Sie sollen für die von ihnen in Anspruch genommenen Flächen auf dem Kirmesplatz zahlen – und zwar nach der derzeit gültigen Gebührenordnung für Marktstände. Hier rechnet die Kommune mit Mehreinnahmen von 40 000 Euro", erklärt Ferdi Korte von den Neurather Sebastianern. Der Sprecher der Schützen-Chefs befürchtet, dass die Zeltverleiher diesen Betrag eins zu eins an die Vereine weiterreichen werden: "Damit wird der Fortbestand unserer Gemeinschaften nicht unerheblich in Frage gestellt", unterstreicht Hans Wagner, der Vorsitzende der Präsidentenrunde. Anders formuliert: Bei ohnehin stetig steigenden Kosten – etwa für die Musik – bangen einige Vereine um ihre Existenz.
In einem gestern versandten Brandbrief appellieren Wagner und Korte an die Vorsitzenden der Ratsfraktionen, diesen Plänen am Donnerstag eine Absage zu erteilen. Denn die Grevenbroicher Brauchtumsvereine seien in den vergangenen Jahren schon genug geschröpft worden: "In Nachbarkommunen erhalten Schützen noch Zuschüsse für ihr Engagement. Die Grevenbroicher Vereine aber sind scheinbar prädestiniert dafür, zur Konsolidierung finanzieller Haushaltsengpässe beizutragen", wettern Wagner und Korte. Die Folge: Weggebrochene Zuwendungen müssten mehr und mehr durch Beitragserhöhungen kompensiert werden. Dies sei ein herber Schlag für die gut 20 000 Schützen im Stadtgebiet, die sich als "bürgerschaftliche Bewegung" sowie als "Stützpfeiler des gesellschaftlichen und kirchlichen Lebens" in ihre Orten sehen.
"Wir übernehmen vielfältige ehrenamtliche Tätigkeiten, die früher bei der Stadt angesiedelt waren. Wir pflegen Grünanlagen, Denkmäler und Kriegsgräber, sorgen mit dem Frühjahrsputz für Sauberkeit", betont Korte. Zudem stehe die Jugendarbeit mit Veranstaltungen und Ferienangeboten auf der Agenda der 21 Vereine: "Hier entlasten wir die Stadt gerade in solchen Zeiten, wo auch Zuschüsse für Jugendeinrichtungen auf dem Prüfstand stehen", erklärt Hans Wagner. Und er macht deutlich: "Würden all diese Aktivitäten wegbrechen, wären die finanziellen Folgen für die Stadt weitaus größer als die ins Auge gefassten Sparpläne."
Wie reagiert die Stadt auf diese Kritik? Weder Bürgermeisterin Ursula Kwasny noch Kämmerin Monika Stirken-Hohmann waren gestern zu sprechen. Nach Informationen der NGZ dürfte das Thema "Zelt-Gebühren" aber vom Tisch sein. Wie es aus gut informierten Rathaus-Kreisen hieß, sei der von den Schützen kritisierte Passus aus der Sparliste gestrichen worden. Begründung: Die Zeltwirte würden das heimische Brauchtum unterstützen, eine Standgebühr sei für sie derzeit nicht vorgesehen.
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