Grevenbroich (NGZ). Grevenbroich Seit vier Jahren wissen die Langenfelder ganz genau, wie es um den Haushalt ihrer einst finanziell angeschlagenen Stadt bestellt ist: Markus Staehler (CDU), Bürgermeister der 59 000-Einwohner-Kommune, hat eine Entschuldungs-Uhr bauen und sie an der Rathaus-Fassade montieren lassen.
Seit 2004 läuft dort der digitale Countdown: Pro Sekunde schmilzt das städtische Defizit um sieben Cent - und jeder kann’s sehen. „Das kommt an. Die Leute recken sich die Hälse nach der Uhr“, weiß Stadtsprecher Andreas Voss. Der positive Effekt: „Die Identifikation mit und das Wir-Gefühl in der Stadt wurden damit eindeutig gestärkt.“
Nach dem derzeitigen Stand der Dinge wird die Kommune am 3. Oktober schuldenfrei sein - und das soll im rheinischen Langenfeld groß gefeiert werden. Einer der Gäste dieses „Freudenfests“ wird der Grevenbroicher Bürgermeister Axel Prümm sein.
Entschuldungs-Uhr
Die Langenfelder Uhr - 100 mal 120 Zentimeter groß - ist eine 7000 Euro teure Spezialanfertigung. Neben den städtischen zeigt sie auch die Schulden des Landes Nordrhein-Westfalen und der Bundesrepublik an.
Aus gutem Grund: Denn er wird die Uhr übernehmen, um sie am nächsten Tag ans neue Rathaus zu hängen. Den Schloss-Städtern soll sichtbar gemacht werden, dass auch für ihre Stadt der Defizit-Countdown begonnen hat. Prümm und Staehler stehen übrigens seit geraumer Zeit in engem Kontakt: „Er hat mir damals mit guten Ratschlägen geholfen, als ich noch Neuling im Bürgermeister-Amt war - seither tauschen wir uns regelmäßig aus“, berichtet der Grevenbroicher Verwaltungschef.
Die Langenfelder Uhren-Idee findet Axel Prümm „klasse“ - vor allem auch, weil sie der Stadt viel mehr als nur die Stärkung des Wir-Gefühls durch einen Marketing-Gag brachte. „Es gab ein bundesweites Medien-Echo“, bestätigt Markus Staehler, der es bei diversen Presseterminen geschickt verstand, seine Stadt ins rechte Licht zu rücken.
Denn immer wieder wies er darauf hin, dass Langenfeld durch die fortschreitende Entschuldung niedrige und ab 2009 sogar die attraktivsten Steuersätze in Nordrhein-Westfalen anbieten kann: „Das macht uns für Unternehmen und Bürger gleichermaßen attraktiv“, betont Staehler. Jetzt klopfen auch die großen Firmen an der Rathaustür an - nicht schlecht für eine Investition von 7000 Euro, denn mehr hat der „Wasserstandsmelder“ nicht gekostet.
Als echte Rheinländer wissen die Langenfelder übrigens jede Gelegenheit rund um ihre Uhr gebührend zu feiern: Als die Pro-Kopf-Verschuldung im November 2006 unter 100 Euro fiel, wurde eine Ü 100-Party gefeiert - mit einer Runde Sekt auf Stadtkosten.
„Außerdem haben wir jedem Bürger die Gelegenheit geboten, sich zum Preis von 99,99 Euro als Schuldenfrei beurkunden zu lassen. 508 Menschen haben mitgemacht, was uns wiederum über 50 000 Euro bescherte, die von der Stadt in ein soziales Projekt investiert haben“, freut sich Andreas Voss.
Langenfeld hatte Mitte der 80er Jahre noch ein 40-Millionen-Defizit und schaffte es mit eigenen Kräften, sich aus dem Schuldensumpf zu befreien. „Dafür haben wird eine 180-Grad-Drehung unternommen und das Rathaus komplett umorganisiert“, erklärt Markus Staehler. Der Grevenbroicher Bürgermeister ist hier hellhörig geworden. Längst tauschen sich Mitarbeiter der beiden Verwaltungen aus. Prümm hält die Langenfelder Struktur für interessant: „Darüber sollten wir auch einmal bei uns nachdenken.“
Der Grevenbroicher Schuldenberg (2004 noch 64 Millionen hoch) ist auf sieben Millionen Euro geschrumpft. Wann die Entschuldungs-Uhr hier den „Euro Null“ anzeigen wird, möchte Axel Prümm noch nicht prognostizieren. Ob ihm das noch in der laufenden Amtsperiode gelingen wird?
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