Grevenbroich (NGZ). Weitere Untersuchungen sollen zeigen, ob die Vorhänge in einem Klassenraum der Gebrüder-Grimm-Schule für die giftigen Substanzen in der Luft verantwortlich sind. Eltern üben Kritik: Die Schule hätte schneller handeln müssen.
Der Klassenraum der 3b ist geschlossen. Die Vorhänge, aus denen vermutlich giftige Substanzen – Phenole und Kresol – frei wurden, sind abgenommen. Stadt und Kreis haben reagiert.
Doch die Sorge der Eltern wegen der Gesundheit ihrer Kinder bleibt – und sie üben Kritik. "Die Schule hätte schneller handeln müssen", sagt Manuela Klinke, Mutter eines neun Jahre alten Grundschülers. "Mein Sohn litt an Asthma. Dann war er frei von Beschwerden – bis die Klasse im September in den Klassenraum zog. Er hat ständig gehustet, musste vermehrt Cortison sprühen."
Elterninformation
Am kommenden Montag, 3. Mai, steht für 19.30 Uhr in der Schule ein Elternabend zum Thema an, um die besorgen Eltern über die Messungen und bisherigen Erkenntnisse zu informieren und Fragen zu beantworten. Dabei soll auch das weitere Vorgehen erörtert werden.
Kein Einzelfall: Neun Kinder klagten über Asthma oder Konzentrationsprobleme. "Schon bei der ersten Klassenpflegschaftssitzung im Raum fiel uns der Geruch auf. Ím Herbst wurde es schlimmer", erklärt Klassenpflegschaftsvorsitzende Heike Bongers. "Ich sprach mit der Schulleiterin darüber, dass einige Eltern Proben wünschten, doch sie hat es abgetan. Wir fühlten uns allein gelassen."
Schließlich wandten sich die Eltern Anfang Februar ans Gesundheitsamt. Stadt und Kreis wurden aktiv – der Verdacht auf Schimmel bewahrheitete sich aber nicht. "Danach baten wir die Schulleiterin, dass die Klasse vorsorglich in einen anderen Raum kommt, doch das hat sie nicht veranlasst", kritisiert Bongers.
Auch Schulpflegschaftsvorsitzende Monika Schule erklärt: "Viele Eltern sind besorgt. Meiner Meinung nach hätte alles schneller gehen können. Aber ich weiß nicht, wie lange die Untersuchungen dauern." Schulleiterin Beate Schweitzer zur Kritik: "In dem Raum waren bereits 2008 Messungen vorgenommen worden. Auch nach den Proben im Februar hatte ich vom Gesundheitsamt die Auskunft, dass die Ergebnisse nicht auf Gesundheitsgefährdung schließen lassen."
Im April folgten weitere Untersuchungen – seit den Osterferien wird die 3b in anderen Räumen unterrichtet, muss immer wieder "wandern". "Schrittweise konnten wir einen Schadstoff nach dem anderen ausschließen", sagt Gesundheitsamtsleiter Dr. Michael Dörr.
Nach bisherigen Erkenntnissen wurden aus den alten Vorhängen Phenole und Kresol freigesetzt: Die Substanzen können zu Reizungen von Augen, Nase und Schleimhäuten sowie zu Atembeschwerden führen. "Sie finden sich bei vielen Raumluftmessungen. Nach unserer ersten Einschätzung ist bei den hier gemessenen Werten von 1,5 Mikrogramm je Kubikmeter Luft nicht von einer bedeutsamen gesundheitlichen Auswirkung auszugehen.
Aber wir wollen sichergehen", so Dörr. Er sieht aktuell keine Notwendigkeit, mit dem Kind zum Arzt zu gehen. Eine weitere Messung am Mittwoch sollen ergeben, ob die abgenommenen Vorhänge wirklich die Ursache sind. Parallel werden Stoffproben von Vorhängen in elf anderen Schulen auf die Substanzen hin untersucht.
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