Grevenbroich (NGZ). Allrath Vor zwei Wochen hat Sylke Neumann wieder die Fliegengitter an den Fenstern befestigt. „Wir haben damit gerechnet, dass die Fliegen wiederkommen, aber wir hofften, dieses Jahr verschont zu bleiben“, sagt die Allratherin. „Doch am ersten wärmeren Tag vor einer Woche waren sie wieder da. Nach zwei Tagen klebten rund 30 bis 40 an unserem Fliegenfänger in der Küche.“
Noch ist die Zahl wesentlich geringer als bei den Plagen in den vergangenen zwei Sommern, als Fensterscheiben schwarz waren. „Manchmal haben wir das gekochte Essen weggeworfen, weil so viele Fliegen darauf waren, und sind ins Schnellrestaurant gegangen.
Wenn man auf einem Löffel Kartoffelbrei hatte, war der schwarz. Es ist unerträglich“, schildert Sylke Neumann. In den Garten sei sie im Sommer kaum noch gegangen. Seit acht Jahren wohnt sie mit ihrem Mann und den beiden Söhnen an der Straße Am Windpark. „Wir haben schon überlegt, das Haus zu verkaufen“, sagt sie. Andere in der Siedlung dächten daran, Klage zu erheben.
Bürgermeister Dr. Axel Prümm, der wiederholt von Betroffenen angesprochen wurde, will nicht abwarten, bis bei wärmer werdendem Wetters die Plage wiederkommt: In einem Brief an Kreisumweltdezernent Karsten Mankowsky wurde er gestern deutlich: „Ich kann und will es nicht hinnehmen, dass sich Zustände wie im vergangenen Jahr wiederholen.
Ich fordere Sie im Rahmen Ihrer koordinierenden Tätigkeiten auf, alles in Ihrer Kraft stehende zu unternehmen, dass solche Vorfälle, wie sie sich in den vergangenen Tagen zugetragen haben, künftig unterbleiben“, so Prümm. Festgelegt worden sei, dass der Kreis als „Koordinationsstelle für entsprechende Bürgerbeschwerden fungiert“.
Familie Neumann hatte sich nach dem erneuten Fliegenbefall an die Stadt gewandt, am Mittwoch gab es einen Ortstermin. „Die Vertreter der Stadt gaben uns recht, dass es unerträglich wäre, und sagten, dass sie versuchen würden, alles daran zu setzen, um die Lebensqualität wiederherzustellen“, erzählt Sylke Neumann.
„Der Mitarbeiter des Kreises erklärte unter anderem, dass die Farbe unseres Hauses und in Räumen Fliegen-anziehend sei. Unser Haus ist sandfarben-gelb gestrichen, das Wohnzimmer terrakotta. Ich habe gefragt, ob ich mein Haus schwarz streichen solle. Das darf nicht wahr sein.“ Zudem habe der Kreisvertreter erklärt, dass schon viel gegen die Fliegen unternommen worden sei.
Nach Untersuchungen des Kreises und des Parasitologen Professor Heinz Mehlhorn von der Heinrich-Heine-Universität war als Hauptquelle Hühnertrockenkot aus den Niederlanden ausgemacht worden, der mit Fliegeneiern und -larven durchsetzt war und zum Düngen eingesetzt wurde (NGZ berichtete).
„Es hat jetzt nach einer einzelnen Beschwerde einen Ortstermin gegeben. Ein Fliegenfänger war stark mit kleinen Fliegen bedeckt“, so Kreissprecher Reinhold Jung gestern. Nach ersten Vermutungen könne es sich um geschlüpfte Stubenfliegen handeln. Nicht auszuschließen sei, dass nach dem Befall 2007 Fliegen-Puppen im Boden oder erwachsene Tiere auf Dachböden und in Kellern überdauert hätten.
Wenn es mehrere Tage wärmer sei, könne es dann zu Schüben an geschlüpften Fliegen kommen. „Professor Mehlhorn rechnet aber für 2008 mit keiner explosionsartigen Vermehrung - unter der Voraussetzung, dass kein feuchter Hühnertrockenkot offen gelagert oder ausgebracht wird und in Gärten keine offene Kompostierung erfolgt“, so Jung.
„Um sicher zu gehen, schicken wir ihm jetzt Proben.“ Der Professor solle feststellen, um welche Art und ob es sich um neue oder alte Fliegen, die überwintert haben, handelt.
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