Grevenbroich (NGZ). Das Land NRW erarbeitet jetzt ein Konzept für ein Siegel zur Barrierefreiheit. Auf das Ergebnis wartet auch Grevenbroichs Behindertenbeauftragte Charlotte Häke. Worin sie die Vorteile für Grevenbroicher sieht.
Straßen, Gebäude und Verkehrsmittel selbständig und einfach nutzen können – dies ist die zentrale Forderung von "Barrierefreiheit". Eine Forderung, für die sich in Grevenbroich Charlotte Häke, seit fünf Jahren ehrenamtliche Behindertenbeauftragte, einsetzt. Allerdings wünscht sich Häke für Grevenbroich nicht eine schnelle, sondern eine möglichst breite Lösung. Ihr Ziel, wie es auch die UN-Konvention nennt: "Menschen mit Behinderung in die Gesellschaft zu inkludieren."
Barrierefreiheit wird auf unterschiedlichen politischen Ebenen diskutiert. In der Stadt Neuss ist man dem Vorbild von Berlin gefolgt und vergibt ein eigenes Signet "Neuss Barrierefrei". Dazu müssen Objekte Kriterien erfüllen, ehe sie nach einer Prüfung durch Behinderte das Zeichen tragen dürfen. Neuss selbst soll Vorbild für den gesamten Kreis sein. Vorgestellt wurde das Konzept in allen Kreis-Kommunen. "Bei Interesse bieten wir gerne unsere Hilfe an", sagt Vize-Sozialamtsleiter Hans Schlösser, Vize-Sozialamtsleiter. Das übergeordnete Ziel skizziert Stefan Hahn, Beigeordneter in Neuss und zuständig für den Fachbereich Soziales: "Sinnvoll wäre es, ein möglichst einheitliches Signet zu vergeben."
Barrierefreiheit
Kreis Neuss Vorbild: die Stadt Berlin, Motto "Hinkommen, reinkommen, klarkommen".
Vorreiter im Kreis die Stadt Neuss (Signet "Neuss barrierefrei"). Bisher haben sich 35 Geschäfte und Institutionen beworben. Vergabekriterien: automatisch öffnende Türen, Markierungen, ausreichend breite Flächen.
Auch auf Ebene des Landes Nordrhein-Westfalen beschäftigt sich gerade ein Team um den Landesbehindertenbeauftragten Norbert Killewald mit diesem Thema. Zurzeit werde das Zeichen "Nordrhein-Westfalen ohne Barrieren" überarbeitet. Bis Ende 2011 soll ein neuer Vorschlag mit Kriterienkatalog vorgelegt werden.
Ein Vorschlag auf NRW-Ebene, auf den Charlotte Häke in Grevenbroich gespannt ist, deshalb meint sie mit Blick auf Grevenbroich: "Erstmal abwarten." Und dann wäre es sinnvoll, eine möglichst breite Lösung zu finden.
Bedeutet: Wer in Grevenbroich unterwegs ist, sollte diese Orientierungshilfen auch in anderen Städten wie etwa Düsseldorf, Münster oder Aachen vorfinden: "Gerade für Sehbehinderte wäre dies einfacher und sicherer." Wer sonst von Stadt zu Stadt unterwegs sei, müsse immer wieder eine neue Sprache lernen, um sich orientieren zu können.
Faktor Demografie: "Gerade für ältere Menschen, die schlecht sehen oder blind sind, ist dies schwierig. Sie leiden oft unter Ängsten", weiß Häke. Auf diesem Weg könne das Ziel nicht erreicht werden – im Gegenteil: "Eine ungewollte Ortsgebundenheit an vertraute Verhältnisse wäre die unheilvolle Antwort – damit eine absolute fehlende Barrierefreiheit für Blinde oder Menschen mit schweren Sehbehinderungen." Somit würden "viele Einzellösungen in einzelnen NRW-Städten" das Leben der Menschen mit Behinderungen erschweren, so die Behindertenbeauftragte in einer Pressemitteilung.
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