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Grevenbroich: Stadt spart mit Billig-Gräbern

VON LUDGER BATEN UND ULRIKE WINTER - zuletzt aktualisiert: 08.03.2010 - 11:31

Grevenbroich (NGZ). Das Rathaus schreckt vor der Höhe seiner eigenen Friedhofsgebühren zurück. Mittellose Tote, die von der Stadt beerdigt werden müssen, finden ihre letzte Ruhestätte nahe Koblenz, weil dort die Beisetzung billiger ist.

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Die letzte Ruhestätte

Dienstleister Das "Rhein-Taunus-Krematorium Flamarium" in Dachsenhausen wirbt für seinen Standort im Internet: "Eingebettet im idyllischen Tal der Loreley. Die würdevolle Ruhe macht den Ort zu einer Stätte der Besinnung, in tiefem Einklang mit der Natur."

Kunde Mit dem Unternehmen arbeitet die Stadt Grevenbroich zusammen. bisher wurden dort 26 Tote aus Grevenbroich beigesetzt.

Ein leeres Stadtsäckel macht offenbar erfinderisch. Wenn's ums liebe Geld geht, scheuen die kommunalen Sparkommissare auch vor den Tabuthemen Sterben und Beerdigung nicht zurück – zumindest in Grevenbroich. Die Stadt lässt bereits seit 2007 verarmte Menschen ohne Angehörige in Rheinland-Pfalz bestatten. Im Taunus ist der Gang zur letzten Ruhestätte im Vergleich zur Schlossstadt nur halb so teuer. Das Verfahren bestätigte am Sonntag auf NGZ-Anfrage Stadtsprecher Andreas Sterken (51). Bei 26 Beerdigungen seien bisher bereits immerhin 39 000 Euro gespart worden.

Sterben mittellose Menschen, zum Beispiel aus dem Obdachlosen-Milieu, sind die Städte und Gemeinden verpflichtet, für eine würdevolle Beerdigung zu sorgen und sie auch zu bezahlen. Rund 3000 Euro kosten das in Grevenbroich im Normalfall. Im Rhein-Taunus-Krematorium Flamarium nahe Koblenz schlägt die Dienstleistung pro Sterbefall lediglich mit 1500 Euro zu Buche. Dort werden die Toten eingeäschert und die Urnen auf einem anonymen Gräberfeld beigesetzt. Das Gebührengefälle zur Taunus-Ruhestatte nutzt die Stadt Grevenbroich, um zu sparen.

Eine hohe Schuldenlast drückt die Stadt Grevenbroich; allein im aktuellen Haushalt klafft eine Deckungslücke in Höhe von 27 Millionen Euro. "Wenn Geld fehlt", sagt Bürgermeisterin Ursula Kwasny, "dann sind wir gezwungen, preiswerte Lösungen zu suchen." Der Rathaus-Chefin ist aber die Feststellung wichtig, dass im 160 Kilometer entfernten rheinland-pfälzischen Krematorium nur Grevenbroicher bestattet werden, die keine Familie in der Schlossstadt haben: "Natürlich wollen wir den Angehörigen nicht die Möglichkeit nehmen, an der Grabstätte des Toten vor Ort zu trauern."

Die Auslagerung der letzten Ruhestätte in den Taunus kommt laut Andreas Sterken nur bei Toten in Frage, die selbst kein Geld für ihre Beerdigung hinterlassen und auch keine Angehörigen oder enge Freunde haben, die für eine Bestattung aufkommen. "Wenn der Tote einen Zettel oder Brief hinterlässt, in dem festgehalten wird, dass er auf jeden Fall in Grevenbroich beerdigt werden möchte, erfüllen wir diesen Wunsch natürlich auch."

Als Grund für die vergleichsweise hohen Beerdigungskosten in Grevenbroich nennt Stadtsprecher Andreas Sterken die Struktur der Stadt und die große Zahl der Friedhöfe. "Wir sind eine Flächengemeinde mit 15 Ortsteilen und 22 Friedhöfen. Deshalb müssen zum Beispiel Mitarbeiter, um von einem Einsatzort zum anderen zu gelangen, bis zu zehn, fünfzehn Kilometer fahren." Diese dezentrale Verwaltung verursache immense Kosten, die letztlich auch wieder in die Gebühren einfließen müssten.

Quelle: NGZ

 
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