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Grevenbroich: Stadtpräsent: Kohle hat ausgedient

VON CARSTEN SOMMERFELD - zuletzt aktualisiert: 25.11.2009 - 21:30

Grevenbroich (NGZO). Im Rathaus werden die Geschenke der Bürgermeisterin knapp. Zwar sind noch Restbestände des Braunkohle-Briketts aus Zeiten ihres Vorgängers Dr. Axel Prümm vorhanden, doch Ursula Kwasny verzichtet auf diese Gabe. Sie will ein anderes Geschenk beispielsweise für Gäste der Stadt.

Hübsch verpackt sind die Briketts mit dem Slogan "Grevenbroich - Bundeshauptstadt der Energie", die Stefanie Plöger hier zeigt. Als Präsente haben sie allerdings ausgedient - die Stadt will für offizielle Anlässe andere Gaben.  Foto: Hans Jazyk
Hübsch verpackt sind die Briketts mit dem Slogan "Grevenbroich - Bundeshauptstadt der Energie", die Stefanie Plöger hier zeigt. Als Präsente haben sie allerdings ausgedient - die Stadt will für offizielle Anlässe andere Gaben. Foto: Hans Jazyk

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat eins bekommen, viele Minister ebenso – und auch Horst Schlämmer (Hape Kerkeling) nahm die Kohle entgegen. Bürgermeister Dr. Axel Prümm verschenkte bei offiziellen Anlässen gern das Braunkohle-Brikett mit der schwarz-rot-goldenen Aufschrift "Bundeshauptstadt der Energie". Liebevoll wurde es zuvor in Zellophan eingepackt – von seinem Fahrer Hubert Krautwurst.

Der ist nun im Ruhestand – und die Kohle hat ausgedient. "Wir überreichen die Briketts nicht mehr als Geschenk der Stadt", erklärt Ursula Kwasny. Laut Stadtsprecher Norbert Häke hatte RWE Power vor Jahren der Stadt über 3000 "Klütten" gespendet, die von Mitarbeitern der "Werkstatt für Behinderte" beschriftet wurden.

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Kunst-Briketts

Die Idee zum Hauptstadt-Brikett entstammt einer Kunstaktion. Vor einigen Jahren hatte der Kurator Dirk Geuer in Grevenbroich die Aktion "Kohle für Kohle" ins Leben gerufen. Bekannte Künstler wie Pop-Art-Ikone James Rizzi gestalteten Briketts in einer limitierten Auflage, die für einen guten Zweck verkauft wurden.

"Ich möchte etwas anderes. Der Bundeshauptstadt-Slogan bleibt vorerst bestehen, aber ich möchte ihn anders besetzen", begründet Kwasny, warum sie das Präsent des Vorgängers nicht weiter übergeben will. "Zur Energie in Grevenbroich gehören auch regenerative Energien – und die Power der Bürger", sagt sie. Das Brikett – eine Idee von Prümm – "wird mit ihm in Verbindung gebracht", so die Verwaltungschefin weiter.

"Ich denke, dass er damit etwas zu großzügig umgegangen ist, sehr viele haben eines bekommen. Das Geschenk der Bürgermeisterin soll eine nicht allzu oft vergebene Auszeichnung sein." Die Kohle gab's tatsächlich reichlich. Prümm ließ kaum eine Gelegenheit aus, um mit Brikett und Slogan für die Stadt zu werben. Eine Anekdote: Ende 2008 eilten Krautwurst und Häke im Auto nach Bonn, um im Chef-Auftrag ein Exemplar rechtzeitig zur Eröffnung der Ausstellung "60 Jahre Bundesrepublik Deutschland" zu bringen – sie schafften es wenige Minuten vor dem Termin.

Noch etwa 200 Kohlestücke lagern in Kartons im Rathaus – ansonsten ist bei Stadt-Präsenten weitgehend "Ebbe": "Es gibt kaum etwas, was ich bei besonderen Anlässen überreichen kann", so Kwasny, die bereits an die Ehrung von Ehrenamtlern beim Neujahrsempfang denkt. "Wir haben noch einige Bilder von Jörg Schröder mit der Rathausansicht, ein paar Bücher und Aquarelle", weiß Norbert Häke. Und vom Schöffensiegel nach Jahrhunderte altem Vorbild "haben wir alle Restbestände, etwa 30 Stück, aufgekauft. Mehr gibt's nicht, die Gussform ist eingeschmolzen. Wir brauchen neue Präsente, und möglichst jemanden, der sie sponsert", so Häke mit Blick auf die Finanzlage.

Neues muss her, aber was? "Vielleicht eine Medaille, die für die Vielfalt der Stadt steht, sagt Kwasny. "Wir wollen Grevenbroich als Wohlfühl-Stadt entwickeln – dazu gehört die Arbeit ebenso wie Familie und Freizeit." Auch ein Bild könnte sie sich vorstellen. Und was passiert mit den Bundeshauptstadt-Klütten? Klar ist: Verfeuert wird die städtische Energie-Reserve nicht. "Wir prüfen, ob die Briketts zugunsten der Bürgerstiftung verkauft werden können", so Kwasny.

Quelle: RP

 
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