Grevenbroich (NGZ). Grevenbroich Knack, knirsch, knack - wer die Station 48 der Landesgartenschau besuchte, hörte dieses Geräusch unter seinen Füßen. Denn zwischen Erft und Bahn, gleich hinter der Spielspinne, erstreckte sich ein „See“ aus Millionen von Nordseemuscheln. Er war Teil eines Umweltprojekts, das auf einer ehemaligen Hausmülldeponie entstand und die Verbindung zwischen Abfall und Natur herstellen sollte.
Zwölf Jahre nach der Gartenschau liegt das Gelände heute brach, hier und da sind noch Muschelsplitter zu sehen. Ein trostloser Anblick - der nur noch eine Frage der Zeit sein soll. Denn im Mai nächsten Jahres plant die Firma MSI aus Kehl am Niederrhein dort ein Projekt, das zumindest weitgehend mit der Ursprungs-Idee zu tun hat: Die Firma karrt 250 Tonnen Sand an die Erft gekarrt, um den „Muschelsee“ in einen tausend Quadratmeter großen „Stadtstrand“ zu verwandeln.
Robert Jordan, Stadtmarketing-Mann bei der Grevenbroicher Wirtschaftsförderung, hat den Kontakt zu den Investoren hergestellt: „Die Idee, die hinter dem Konzept steht, ist durchaus mit dem Projekt ,Monkey’s Island’ zu vergleichen, das in Düsseldorf einige Jahre für Furore sorgte“, erklärt er. Wie im Medienhafen, so soll auch Flutgraben eine künstliche Strand-Atmosphäre geschaffen werden - mit SechsmeterBar, 400 Liegen, Sonnenschirmen, Palmen und natürlich jede Menge Sand. Jordan geht davon aus, dass so etwas in Grevenbroich durchaus ankommen könnte.
Landesgartenschau
Grevenbroich richtete 1995 unter dem Motto „Die Erde heilen“ die Landesgartenschau aus. Die natürlich gewachsene Grünstruktur innerhalb der Altstadtgrenzen, entlang der Erft und des Flutgrabens bildeten das Kernstück des Geländes. Sie wurde erlebnisnah für die Naherholung gestaltet.
Ob die Politik da mitspielen wird? Aus Sicht der Stadtverwaltung sind wohl keine Probleme zu erwarten, wie aus einer Vorlage hervorgeht, die dem Planungsausschuss am kommenden Dienstag auf den Tisch gelegt werden soll. Darin wird das Vorhaben als „städtebaulich unbedenklich“ eingestuft, zudem wird kein Ärger mit den Nachbarn befürchtet - denn es gibt keine. „Die nächste Wohnbebauung ist relativ weit entfernt“, betont Jordan. Und laute Musik werde es am „Stadtstrand“ ohnehin nicht geben: „Höchstens ,Chill-out’, also leise Töne - gut zum Entspannen.“ Das Amt für Stadtplanung wird den Politikern vorschlagen, dem Projekt am „Muschelsee“ vom 1. Mai bis zum 1. Oktober 2008 eine Testphase ohne Baugenehmigung einzuräumen - „damit der Investor feststellen kann, ob die Anlage rentabel zu betreiben ist“, wie der Beigeordnete Werner Hoffmann erläutert. Öffnungszeiten sind auch schon anvisiert worden. Der Strand soll montags bis donnerstags von 11 bis 23 Uhr geöffnet haben, freitags bis sonntags sogar zwei Stunden länger. Parkplätze sind am Flutgraben und am Schloss vorhanden.
Und das Wetter? „Kein Problem. Wenn wir hier Sommer haben - dann aber richtig“, meint Stadtsprecher Norbert Häke lächelnd. Immerhin war Grevenbroich im Juli 2006 an zwei Tagen die heißeste Stadt Nordrhein-Westfalens - quasi das Mallorca des Rheinlandes.
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