Grevenbroich (NGZ). Grevenbroich Franz Maes ist sauer. Einmal in der Woche kommt der Düsseldorfer zum Friedhof an der Montanusstraße, um das Grab seiner Eltern und seines Großvaters zu pflegen. Doch seit etwa drei Jahren ärgert er sich bei jedem Besuch: „Die Toilettenanlagen sind immer abgesperrt. Das ist eine riesige Unverschämtheit gegenüber allen Besuchern, vor allem gegenüber alten Menschen oder kleinen Kindern.“
Der gebürtige Grevenbroicher hat sich in den vergangenen Jahren schon mehrfach bei der Stadtverwaltung über diesen Zustand beschwert. Doch immer wieder blitzte er in den Rathaus-Büros ab - zuletzt am Freitag Vormittag.
„Ich wurde wieder einmal abserviert. Jetzt reicht’s mir“, schimpft der 60-Jährige, der nun einen Entschluss gefasst hat: „Ich klage beim Verwaltungsgericht in Düsseldorf für eine Öffnung der Toilettenanlagen.“ Franz Maes geht davon aus, dass seine Chancen gar nicht einmal so schlecht stehen: „Ein Richter hat mich ausdrücklich dazu ermuntert, diesen Weg einzuschlagen.“
WGV reinigt
Die „stillen Örtchen“ auf den Grevenbroicher Friedhöfen werden nur zu Beiseitzungen und Trauerfeiern geöffnet. Anschließend werden sie von Mitarbeitern der Wirtschaftsbetriebe (WGV), die dann ohnehin vor Ort sind, gereinigt und wieder abgeschlossen. Auf diese Regelung einigten sich die Mitglieder des Landschaftspflege- und Umweltausschusses bereits im September 2006.
Tatsächlich sind die Toiletten auf allen 16 Friedhöfen im Stadtgebiet die meiste Zeit des Jahres geschlossen. Lediglich bei Beisetzungen und Trauerfeiern sowie am kirchlichen Feiertag Allerheiligen werden die Türen zu den Klos geöffnet. Darauf haben sich die Mitglieder des Landschaftspflege- und Umweltausschusses bereits im September 2006 geeinigt.
Der Hintergrund dieses Beschlusses: „Als wird die Toiletten noch rund um die Uhr geöffnet hielten, waren sie nicht selten extrem verschmutzt - da reichte die wöchentliche Reinigung nicht mehr aus. Über den Zustand der WCs haben sich denn auch viele Friedhofsbesucher beschwert“, erläutert Stadtsprecher Norbert Häke. Die einzige Möglichkeit, diesen Missstand zu ändern, wäre eine Erhöhung der Reinigungsintervalle gewesen. Doch: „Bei 16 Friedhöfen im Stadtgebiet hätten die Wirtschaftsbetriebe das personell nicht geschafft. Zudem hätte immer ein Mitarbeiter zur Stelle sein müssen, der sich von morgens bis abends um die Öffnung der Toiletten kümmern müsste“, betont Häke.
Sollte es zu einem Streit vor Gericht kommen, sieht er keine Gefahr für die Kommune: „Friedhofs-Toiletten sind eine freiwillige Aufgabe, die sich die unter Nothaushaltsrecht stehende Stadt überhaupt nicht leisten darf.“
„Das wollen wir doch einmal sehen“, meint Franz Maes kämpferisch. Er will sich in der nächsten Woche von der Stadt den Beschluss des Ausschusses schriftlich bestätigen lassen, um damit anschließend vor das Verwaltungsgericht zu ziehen. „Klarer Fall, die Toiletten gehören wieder ganztägig geöffnet. Es kann schließlich nicht angehen, dass sich die Leute einen Eimer mitbringen müssen, wenn sie den Friedhof besuchen wollen“, mault der 60-Jährige. Zumal die Folgen der geschlossenen Klos an der Montanusstraße an manchen Tagen nicht zu übersehen seien: „Was da alles hinterm Gebüsch zu finden ist - grauenhaft.“
Die neuesten Nachrichten und Berichte aus Politik, Wirtschaft, Panorama, Sport, Kultur, Gesellschaft, Wissenschaft, Multimedia, Auto,
Reise und Beruf - im Archiv auch gratis recherchierbar. Dazu die besten Bilder, Live-Ticker, Kolumnen und Hintergrundberichte.