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Grevenbroich: "Toom-Schließung ist ein Desaster"

zuletzt aktualisiert: 19.03.2010 - 11:06

Grevenbroich (NGZO). Michael Karutz, Verfasser des Einzelhandelsstandortgutachtens für die Innenstadt, spricht im NGZ-Interview über die Probleme der Grevenbroicher Einzelhändler mit der "Toom"-Schließung. Aber auch über die neuen Chancen.

Gutachter Michael Krautz steht der Schließung des Toom-Marktes skeptisch gegenüber.  Foto: M. Reuter
Gutachter Michael Krautz steht der Schließung des Toom-Marktes skeptisch gegenüber. Foto: M. Reuter

Herr Karutz, in der Coens-Galerie, die umgebaut und erweitert werden soll, stehen mit dem früheren Ringkaufhaus, einem insolventen Schuhgeschäft, einem Eiscafe und einem seit Dezember verwaisten Bäcker zahlreiche Ladenlokale leer. Was bedeuten so lange Leerstände für die Attraktivität einer solchen Galerie - oder sind sie ein Zeichen dafür, dass die große Zeit der Shopping-Malls generell vorbei ist?

Michael Karutz: Grundsätzlich ist zu sagen, dass die derzeitige Situation auch mit der Wirtschaftskrise zu tun hat. Die Coens-Galerie ist ein Beispiel, wie man reagiert und wie es künftig weitergeht. Die geplante Erweiterung trotz jetziger Leerstände ist kein Widerspruch, sondern trägt dazu bei mit attraktiven Flächenzuschnitten zusätzliche für Grevenbroich interessante Konzepte zu etablieren. Bisher vorhandene Defizite werden beseitigt. Die Schließung des Ringkaufhauses muss man im Zusammenhang mit dem großen Kaufhaus-Sterben sehen.

Bis auf das Toom-Warenhaus gibt es in der City kein Lebensmittelgeschäft, was viele Bürger - besonders die in der Innenstadt wohnenden Senioren - immer wieder kritisiert haben und kritisieren. Jetzt soll „Toom” zum Dezember endgültig aufgegeben werden. Was bedeutet dies für die gesamte Innenstadt und für den Montanushof als Standort?

Karutz: Die Schließung von "Toom" ist für die Innenstadt zunächst ein Desaster. Gleichzeitig erhöhen sich jedoch auch die Chancen, wieder einen Frischemarkt in die Innenstadt zu bekommen - entweder in die Coens-Galerie oder in den Montanushof. Im Montanushof muss an einem zukunftsfähigen Nachfolgekonzept gearbeitet werden. Dabei hat der "Monti" sich ja bereits gut entwickelt und ist nach dem Umbau heller geworden; auch die Wegeführung ist verbessert worden. Generell funktioniert das Erdgeschoss dort gut. Für das Basement wird es natürlich schwieriger, einen Nachfolger für "Toom" zu finden. Dabei ist die Schließung von "Toom" ein bundesweites Phänomen: Rewe hat sich von einem Teil der übernommenen "Globus/Kellermann-Märkte" zurückgezogen.

Parallel zu diesen Insolvenzen machen mit einem Hut- und Accessoire-Laden, einem neuen Schuhgeschäft und einem Hörgeräte-Akustiker auf der Breite Straße weitere Fachgeschäfte auf. Was bedeuten solche Neueröffnungen kleinerer Fachgeschäfte für Grevenbroich?

Karutz: Der Einzelhandel ist ein dynamischer Markt. Es spricht für den Standort Grevenbroich, wenn sich dort auch weiterhin spezialisierter Facheinzelhandel ansiedelt. Das ist ein positives Signal und unterstreicht die Stärke von Grevenbroich als Einkaufsstandort.

In Neuss ist mit dem ersten Bauabschnitt des Rheinpark-Centers auch eine Konkurrenz für Grevenbroich erwachsen. Wie können sich Händler und Dienstleister in Zukunft dagegen behaupten?

Karutz: Grundsätzlich würde ich abwarten, bis das gesamte Center fertig gestellt ist und welche Wirkung es dann haben wird. Wichtiger als Neuss schätze ich für Grevenbroich den Kölner Raum ein.

Daniela Buschkamp führte das Gespräch


 
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