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Grevenbroich: Trasse gefährdet seltene Arten

VON WILJO PIEL - zuletzt aktualisiert: 29.08.2007 - 21:30

Grevenbroich (NGZ). Mit schwerem Geschütz fährt der Bund für Umwelt und Naturschutz gegen den Lückenschluss der Landstraße 361 durch die Erftaue auf. Er belegt mit zwei Gutachten: Der geplante Straßenbau gefährdet viele seltene Vogelarten .

Argumente gegen den Lückenschluss : Henning Walther (l.) und Rolf Behrens vom 
BUND mit einer von Gutachtern erstellten Vogelkartierung der Erftaue. 48 zum 
Teil gefährdete Arten tummeln sich zwischen Wevelinghoven und Kapellen. 
H. Jazyk Foto: jazyk
Argumente gegen den Lückenschluss : Henning Walther (l.) und Rolf Behrens vom BUND mit einer von Gutachtern erstellten Vogelkartierung der Erftaue. 48 zum Teil gefährdete Arten tummeln sich zwischen Wevelinghoven und Kapellen. H. Jazyk Foto: jazyk

Grevenbroich Aus ökologischer Sicht macht die geplante Umgehungstraße keinen Sinn. Zu diesem Ergebnis kommen der Kölner Geograph Gregor Kriete und der Grevenbroicher Biologe Oliver Tillmanns in ihren unabhängig voneinander erstellten Gutachten.

Im Auftrag der Ortsgruppe Grevenbroich im Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) haben die beiden Sachverständigen, die als Vogelexperten gelten, einen etwa 2,5 Kilometer langen Abschnitt der Erft sowie rund 120 Hektar Auenlandschaft untersucht und sind dabei zu teilweise überraschenden Ergebnissen gekommen.

„Wir wussten schon lange, dass in der Erftaue zwischen Wevelinghoven und Kapellen viele Vogelarten leben - aber dass es so viele sind, damit haben wir nicht gerechnet“, meint Henning Walther vom BUND.

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Kleine Verhinderer

Kleine Tiere können große Projekte verhindern. Der Feldhamster zum Beispiel brachte 2005 den BoA-Bau in Neurath in Gefahr, die Große Mopsfledermaus sorgte im Frühjahr 2004 für einen eingeschränkten Baustopp bei der Flughafenerweiterung in Frankfurt-Hahn, in Hessen verzögerten Kammmolche den Fertigbau der Autobahn 49 und in Thüringen behindert eine Wildkatze ebenfalls ein Autobahnprojekt.

Kriete und Tillmanns weisen in den von der Ortsgruppe aus Spendengeldern finanzierten Gutachten nach, dass im Bereich der Erftaue 48 Arten vorkommen - alleine 18 stehen auf der „Roten Liste“ und gelten als besonders geschützt.

Was Walther und seinen BUND-Mitstreiter Rolf Behrens verblüfft: „Für den Pirol und den Grünspecht wurde die Auenlandschaft als ein Lebensraum von überregionaler Bedeutung ausgewiesen. Und die Nachtigall kommt dort in einer Dichte vor wie nirgendwo anders im Rhein-Kreis Neuss.“ Für den ebenfalls dort brütenden Eisvogel schlagen die Gutachter Alarm. Ein Straßenbau, so heißt es, würde den gesamten Bewegungsraum des prächtig gefiederten Vogels zerstören.

Aussagen, die so etwas wie Wasser auf die Mühlen der Naturschützer sind - denn: „Die beiden Expertisen weisen nach, dass es in diesem ökologisch bedeutsamen Gebiet keine freien Korridore gibt, in der ohne Probleme eine Trasse gezogen werden kann“, betont Rolf Behrens.

Der neue Flächennutzungsplan der Stadt Grevenbroich kommt allerdings zu einem anderen Ergebnis - er stuft die Erftaue als ökologisch mäßig wertvoll ein. „Dieser Bewertung stellen wir jetzt unsere beiden Gutachten gegenüber - mit 48 Arten, die nach der EU-Vogelschutzrichtlinie allesamt als schützenswert betrachtet werden“, so Behrens.

Die BUND-Ortsgruppe wird die beiden Expertisen in das derzeit laufende Planfeststellungsverfahren für den Lückenschluss der L 361 einbringen - die noch druckfrischen Exemplare werden in den nächsten Tagen beim Landesbetrieb Straßen NRW eingereicht. „Wir sind sehr gespannt, zu welcher Beurteilung die Behörde in den nächsten Monaten kommen wird.

Und wir werden sehr genau beobachten, ob und wie sie die ökologischen Argumente zugunsten der Straße abwiegen wird“, meint Henning Walther. Er kündigt an: „Um diesen Naherholungsraum zu erhalten, werden wir auch juristische Mittel ausschöpfen. Die notwendigen Argumente liefern uns die beiden Gutachten.“

Den BUND-Mitgliedern wäre es allerdings lieber, wenn die Stadt ganz auf den geplanten Straßenbau verzichten würde: „Das Verfahren sollte eingestampft werden - zugunsten der bekannten Alternativen. Die Stadt würde nichts verlieren“, meint Rolf Behrens.

Quelle: NGZ

 
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