Grevenbroich (NGZ). Grevenbroich Ja, sie haben ein paar Tränen vergossen. Das gibt Grevenbroichs Umwelt-Experte Norbert Wolf unumwunden zu. Denn als es galt, den kleinen Knud wieder in die Freiheit zu entlassen, da waren die Mitarbeiter des Schneckenhauses mächtig gerührt. „Er hat sich noch nicht einmal umgeschaut, sondern ist gleich mit einem Affenzahn weggerannt“, schildert Wolf.
Der kleine Fuchs war im Frühjahr hilflos am Stadtrand gefunden worden. Jämmerlich winselnd hatte sich der etwa drei Wochen alte Vierbeiner im hohen Gras verkrochen. Spaziergänger alarmierten die Tierschützer aus dem Schneckenhaus, die sich des schmächtigen Findelkinds annahmen. Gleich stand fest, wie der Fuchs heißen sollte: Knud - mit „d“ wie knuddelig.
„Uns ist das Tier richtig ans Herz gewachsen“, berichtet Norbert Wolf. Denn der Jungfuchs wurde mit der Flasche groß gezogen und hatte sich schnell an die Mitarbeiter des Schneckenhauses gewöhnt. Er war nicht nur der Liebling der Bend-Besucher, sondern gewann auch rasch überregional an Popularität: „Er war im Sommer so etwas wie der rheinische Eisbär. Fernseh-Teams gaben sich hier beinahe schon die Klinke in die Hand“, erzählt der städtische Umweltbeauftragte.
Knud beim Spaziergang an der Hundeleine, Knud herzhaft gähnend nach dem Mittagsschläfchen, Knud beim spielerischen Jagen einer Graugans - das waren Bilder mit hohem Niedlichkeitsfaktor, die in ganz Deutschland zu sehen waren.
Allerdings werden auch putzige Vierbeiner einmal größer. Mit dem Erreichen der Geschlechtsreife waren Knuds Tage im Schneckenhaus gezählt. Unlängst wurde er in die Freiheit entlassen. An einem ganz bestimmten Ort im Stadtgebiet, der nur einigen „Eingeweihten“ bekannt ist: „Wir haben einen verlassenen Fuchsbau gefunden. Ein idealer Ort, um den Rüden freizulassen“, erklärt Wolf.
Und so war es auch: Kaum hatte Knud den kleinen Transportkäfig verlassen, gab er hastig Fersengeld, steuerte ohne zu zögern den alten Bau an und verschwand darin. Dass der Vierbeiner in freier Wildbahn gut zurecht kommen wird, davon ist Norbert Wolf überzeugt: „Ratten und Mäuse, die wir in seinem Voliere aussetzten, hat er gekonnt zur Strecke gebracht. Da mache ich mir gar keine Sorgen.“
Und das braucht Wolf auch nicht: Denn Helmut Sütsch, der auf Füchse spezialisierte Tierfilmer aus Langwaden, hat sich bereits mehrfach am alten Fuchsbau auf die Lauer gelegt und Jungspund Knud mit der Kamera beobachtet: „Das Tier hat bereits eine hohe Fluchtdistanz aufgebaut, er hält einen deutlichen Abstand von gut 60 Metern zum Menschen. Für mich ein Zeichen, dass das Auswildern funktioniert hat.“ Ein Weibchen hat Sütsch allerdings noch nicht entdeckt - aber das kann ja noch werden.
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