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Grevenbroich: Uni prüft Djir-Sarais Doktorarbeit

VON WILJO PIEL - zuletzt aktualisiert: 01.06.2011 - 20:27

Grevenbroich (NGZ). Die Universität Köln überprüft die Doktorarbeit von Bijan Djir-Sarai. Der FDP-Bundestagsabgeordnete steht im Visier der Online-Plattform „Vroniplag Wiki“. Die Plagiatsfahnder wollen in Sarais Dissertation fündig geworden sein.

Der Grevenbroicher Politiker Bijan Djir-Sarai (34) vertritt die FDP seit dem Jahr 2009 im Bundestag. Er ist seit 1995 Mitglied der Liberalen. Foto: FDP
Der Grevenbroicher Politiker Bijan Djir-Sarai (34) vertritt die FDP seit dem Jahr 2009 im Bundestag. Er ist seit 1995 Mitglied der Liberalen. Foto: FDP

Bisher liefen die Untersuchungen unter dem Kürzel „Bds“. Seit Mittwoch nennen ihn die Plagiatsjäger von „Vroniplag Wiki“ beim Namen: Bijan Djir-Sarai. In einer am Nachmittag ins Netz gestellten Grafik wird der bisherige Stand der „kritischen Auseinandersetzung“ mit der Doktorarbeit des FDP-Bundestagsabgeordneten dokumentiert: Danach seien Plagiate auf 26 von 180 Seiten in der Dissertation des Grevenbroichers verifiziert worden.

Bijan Djir-Sarai geriet erst vor wenigen Tagen in das Visier der Doktorjäger. Die Wortkombination „. . .ex ante umweltgerechteren Technik. . .“ brachte offensichtlich den Stein ins Rollen. Wie der Internet-Blog „Erbloggtes“ meldet, sei einem Plagiatssucher aufgefallen, dass diese ungewöhnliche Formulierung gleich zweimal im Netz vorkomme: „Einmal in einem Aufsatz aus dem Jahr 2000, außerdem in einer Doktorarbeit von 2008, dort ohne Anführungszeichen.“ Dies sei mit dem Vermerk „Ein Fund“ auf der Internet-Seite „Vroniplag Wiki“ dokumentiert worden. Seitdem wird die Dissertation des 34 Jahre alten Politikers aus Grevenbroich untersucht.

Info

Warum „Vroniplag“?

Titel „Vroniplag“ ist eine Kombination aus dem Vornamen Vroni (Veronika) und der Abkürzung „Plag“ (für Plagiat).

Hintergrund Mitarbeiter der Internetseite untersuchten die Dissertation der Stoiber-Tochter Veronika Saß. Sie verlor daraufhin ihren Doktortitel.

Der Freidemokrat hatte vor drei Jahren über das Thema „Ökologische Modernisierung der PVC-Branche in Deutschland“ an der wirtschafts- und sozialwissenschaftlichen Fakultät der Albertus-Magnus-Universität zu Köln promoviert. Nach den Vorwürfen beschäftigt sich nun auch die Uni mit der unter Plagiatsverdacht geratenen Doktorarbeit – das teilte am Mittwoch ein Sprecher der Kölner Hochschule mit. In einem Verwaltungsverfahren werde die Promotion überprüft. Derzeit gebe es Voruntersuchungen. Bislang handele es sich um unklare, nicht erhärtete Vorwürfe.

Die Plagiatsfahnder von „Vroniplag Wiki“ wollen an mehreren Textstellen von Djir-Sarais Doktorarbeit fündig geworden sein. Am Mittwoch wurde ihm bescheinigt, dass auf 14,44 Prozent seiner 180-seitigen Arbeit Plagiate zu finden seien. Der Grevenbroicher soll in seiner Doktorarbeit Texte übernommen oder leicht umformuliert, Quellen verschleiert oder nicht erwähnt haben. Zitate seien zudem ohne Anführungszeichen verwendet worden. Zwei Seiten hätten einen mehr als 75-prozentigen Anteil an „Plagiatstext“.

„Vroniplag“ ist – wie die Online-Enzyklopädie Wikipedia – so angelegt, dass sich jeder daran beteiligen kann. Wer sich anmeldet, kann anonym einzelne Seiten einer Doktorarbeit nach möglichen Plagiatsstellen durchforsten. Dabei helfen Suchmaschinen wie Google-Books, Volltextdatenbanken oder spezielle Softwares. Ins Visier der Plagiatsjäger gerieten etwa die zwischenzeitlich als Europaparlaments-Vizepräsidentin zurückgetretene FDP-Politikerin Silvana Koch-Mehrin und Edmund Stoibers Tochter Veronika Saß, die ihren Doktortitel abgeben musste. Aktuell will sich der FDP-Abgeordnete Bijan Djir-Sarai nicht zu den Überprüfungen auf „Vroniplag Wiki“ äußern. Gegenüber der NGZ hatte er am Montag die Vorwürfe gegen ihn zurückgewiesen.

Quelle: NGZ


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