Grevenbroich (NGZ). Grevenbroich Karsten Mankowsky schüttelt den Kopf: Nein, eine solche Plage hat es im Rhein-Kreis Neuss bisher noch nicht gegeben, meint der Leiter des Umweltdezernats. Gemeint sind die ungewöhnlich großen Fliegenschwärme, die im August und September die Allrather Siedlung „An der Halde“ überfielen und den Bewohnern das Leben schwer machten.
Die lästigen Tiere drangen durch alle Ritzen in die Häuser, tausende von ihnen ließen sich auf Fenstern und Wänden nieder. Der Auslöser: möglicherweise ein mit Trocken-Hühnerkot gedüngtes Feld in der Nähe des Wohngebiets.
Der Rhein-Kreis forscht jetzt nach den Ursachen und bedient sich dabei namhafter Unterstützung: Heinz Mehlhorn aus Neuss, Professor für Zoologie und Parasitologie an der Düsseldorfer Heinrich-Heine-Universität. Unter Laborbedingungen hat er in den vergangenen Wochen Stubenfliegen auf Hühnerkot-Proben vom Allrather Acker gezüchtet.
Das Resultat: „Sowohl auf feuchtem als auch auf trockenem Kot funktioniert es bestens. Beide Arten wurden hervorragend von den Tieren angenommen, die Fliegen entwickelten sich prächtig“, erklärt Mehlhorn. Eier, Larven, Puppen - alle Stadien hätten beobachtet werden können. Also: Fall gelöst? Nicht wirklich, meint der Experte, denn: „Uns fehlt letztlich der kausale Beweis.“
Er und sein Team hätten noch während der Fliegenplage informiert werden müssen, damit das Problem zeitnah vor Ort hätte untersucht und beurteilt werden können. „Wenn so etwas passiert, sind wir immer bereit - wir kommen raus. Entweder noch am selben Tag oder innerhalb der Woche“, unterstreicht der ehemalige Weltpräsident der Parasitologischen Gesellschaften.
Unter den gegebenen Umständen könne er nur vermuten, dass die Allrather Plage vom Hühnerkot ausgegangen sei: „Beweisen kann ich es jedoch nicht. Es hätte genau so gut ein Pferdebesitzer sein können, der seinen Stall ausgemistet und einige Kubikmeter Pferdemist offen gelagert hat. Denn auch dieser Kot ist eine exzellente Brutstätte für Fliegen.“
Professor Heinz Mehlhorn wird die Ergebnisse zum Anfang des nächsten Monats im Kreisgesundheitsamt vorstellen. Mit am Tisch: Vertreter der Landwirtschaftskammer Rheinland, der Kreisbauernschaft und der Stadt Grevenbroich. „Aus der Plage des vergangenen Sommers haben wir gelernt. Da ist nicht immer alles so gelaufen, wie es sich die Bürger wünschen würden“, gibt Karsten Mankowsky zu.
Um künftig schneller bei Belastungen wie der Allrather Fliegeninvasion reagieren zu können, sieht sich das Kreisumweltamt fortan als zentrale Anlaufstelle für Bürgerbeschwerden. „Gibt es Beschwerden - etwa über Plagen oder Düngergestank - werden von der Schanze aus die Aktivitäten aller beteiligten Stellen koordiniert“, betont der Umweltdezernent. Mankowsky hat bereits eine „Hotline“ geschaltet: Unter der Rufnummer 0 21 81 / 6 01 68 00 steht Norbert Clever für Fragen und Beschwerden bereit.
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