Grevenbroich (NGZ). Seit Januar registrierte die Messanlage in Gindorf sieben Überschreitungen des Feinstaub-Tagesgrenzwerts. Ein deutlicher Abwärtstrend - denn im gleichen Zeitraum der beiden vergangenen Jahre schlug der Pegel bereits 30 Mal nach oben aus. Einen Grund zur Entwarnung gibt es jedoch nicht.
Grevenbroich Die Zahlen waren alarmierend: Insgesamt 46 Mal wurde der Feinstaub-Tagesgrenzwert im Vorjahr an der St.-Leonhardt-Straße überschritten - genauso oft wie in 2006. Damit rangierte die Gindorfer Station mit an der Spitze der landesweit über 40 aufgestellten Messanlagen.
Anders in diesem Halbjahr: „Erst sieben Grenzwert-Überschreitungen - das sind erheblich bessere Zahlen“, erklärte Planungsdezernent Werner Hoffmann jetzt vor dem Umweltausschuss. Entwarnung wollte er jedoch nicht geben: „Freuen wir uns mal nicht zu früh.“
Der erste Feinstaub-Gegenschlag ist mittlerweile abgeschlossen worden: Im Rahmen des so genannten Aktionsplans hat RWE im Tagebau Garzweiler ein millionenschweres Maßnahmen-Paket umgesetzt.
Projektgruppe
Der für den Luftreinhalte-Plan gegründeten Projektgruppe gehören Vertreter folgender Institutionen an: Bezirksregierungen Düsseldorf, Köln und Arnsberg, Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz, RWE Power, Rhein-Kreis Neuss, Landwirtschaftskammer NRW, Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) und Stadt Grevenbroich. Zudem zählt auch der Bezirksschornsteinfegermeister zu diesem Gremium.
Ein Teil der 80 Kilometer langen Kohlebänder wurde abgedeckt, die Transportbänder mit einer Nassreinigung versehen, seit wenigen Wochen ist zudem eine Spezialkehrmaschine im Einsatz. „Wir gehen davon aus, dass wir den Feinstaub mit diesen und anderen Maßnahmen um 30 Prozent reduzieren“, erklärt André Bauguitte, Sprecher von RWE Power.
Dass die niedrigeren Werte auf diese Investition zurückzuführen sind, ist allerdings nicht anzunehmen: Zwar wurde der Tagebau als lokaler Hauptverursacher ausgemacht - er ist allerdings für lediglich 17 Prozent des Feinstaubs verantwortlich.
Der Rest stammt aus dem „lokalen Hintergrund“, der jedoch nicht näher definiert werden kann. Ursachenermittlung soll nun im Rahmen eines so genannten Luftreinhalte-Plans betrieben werden, mit dem sich zurzeit eine Projektgruppe beschäftigt (siehe Kasten). Wann ein erstes Ergebnis vorliegen wird, ist unklar: „Wir haben noch keinen konkreten Zeitplan verabredet.
Es müssen erst vollständige Daten ermittelt werden, damit kann frühestens zur Jahresmitte gerechnet werden“, so Werner Hoffmann. Die Feinstaub-Projektgruppe untersucht zurzeit die etwaigen Auswirkungen von Kohlefeuerungsanlagen (wie Heizöfen oder offene Kamine) und des Kraftfahrzeugverkehrs.
Parallel dazu forscht auch RWE Power nach den Ursachen: Der Konzern hat Professor Stefan Weinbruch vom Institut für Mineralogie der Technischen Universität Darmstadt mit einem Gutachten beauftragt.
„In einem Zeitraum von 16 Monaten wurden umfangreiche Partikelmessungen im Bereich des Tagebaus vorgenommen. Zurzeit werden etwa 120 Einzelproben unter dem Rasterelektronen-Mikroskop ausgewertet.
Uns geht es dabei vor allem um die Frage, wie sich der Feinstaub zusammensetzt“, betont André Bauguitte. Über diese Informationen können auch Rückschlüsse auf die Herkunft des Staubs gezogen werden. Das Ergebnis dieser Studie soll voraussichtlich nach den Sommerferien vorliegen.
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