Grevenbroich (NGZ). Kindererholungsheim und Jugendherberge, Gauführerschule, Tuberkulosekrankenhaus: Eine äußerst wechselvolle Geschichte hat Haus Welchenberg mit seinen markanten, spitzen Giebeln hinter sich. Seit dem Jahr 1991 dient es als Therapiezentrum für Suchtkranke.
Idyllisch in einer parkähnlichen Anlage steht Haus Welchenberg – fast heimelig wirkt der Bau mit seinen markanten, spitzen Giebeln. "Das schöne Haus und sein Umfeld geben den Bewohnern ein Stück Heimat. Und viele Mitarbeiter sagen sich, wenn sie morgens ankommen, was sie doch für einen schönen Arbeitsplatz haben", erzählt Petra Evertz, Leiterin des AHG-Therapiezentrums Haus Welchenberg.
Seit 1991 werden in Neuenhausen rund 50 chronisch Suchtkranke – alkohol- und medikamentenabhängige Menschen – betreut. Haus Welchenberg wurde aber in den 1920er Jahren für eine ganz andere Aufgabe gebaut – als Kindererholungsheim. Vom damals angelegten Planschbecken sind heute noch Reste auf dem Areal zu finden. "Haus Welchenberg hat eine wechselvolle Geschichte", sagt Thomas Wolff vom Stadtarchiv.
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Volksfürsorge statt "Heldenhain"
Zunächst sollte auf dem Welchenberg ein "Heldenhain" für im Ersten Weltkrieg gefallene Soldaten entstehen, doch dann setzte sich die Idee für ein Kindererholungsheim durch. "In den 20er Jahren trat der Gedanke der Volksfürsorge mehr in den Vordergrund", weiß Wolff. Für rund 70 gesundheitlich geschwächte, vor allem tuberkulosegefährdete Kinder bis 14 Jahren war das Heim gedacht. Für die täglichen Ruhepausen wurde eine Liegehalle geschaffen. Die Räume galten als hell und freundlich gestaltet.
Mit dem Betrieb beauftragte der damalige Landkreis Grevenbroich Franziskanerinnen aus Salzkotten, wie Heimatforscher Manfred Ganschinietz berichtet. Er hat die Geschichte des Hauses im Buch "Rund um den Welchenberg bei Neuenhausen" dokumentiert. Schon bald nach der Eröffnung 1926 wurde ein Trakt für eine Jugendherberge angebaut, später wurden auch Waisenkinder aufgenommen. Doch im August 1933 mussten die Schwestern und die letzten zwölf Waisen das Haus verlassen, die Nationalsozialisten richteten sofort danach eine Gauführerschule ein. "Dort wurden Nationalsozialisten ideologisch, politisch und rhetorisch geschult", so Thomas Wolff.
Bei Kampfhandlungen wurde das Haus beschädigt, nach dem Zweiten Weltkrieg war wieder der Kreis Herr im Hause – und verlegte die Tuberkulose- und Isolierabteilung des Helenen-Stifts in Hochneukirch auf den Welchenberg. "In den Jahren des Mangels war Tuberkulose eine verbreitete Krankheit", so Wolff. Im Laufe der Jahrzehnte ging die Zahl der Erkrankten zurück, 1990 schloss die Lungenfachklinik.
Einige Monate lang stand das Haus leer. "Als ich es das erste Mal betrat, wirkten die verlassenen Räume ein wenig unheimlich. Sogar einige Tassen standen dort noch – als hätten erst am Tag zuvor die Bewohner das Gebäude verlassen", erinnert sich Petra Evertz. Mehrfach wurde Haus Welchenberg in über 80 Jahren umgebaut, in einer der ehemaligen Liegehallen befindet sich heute die Schreinerei des Therapiezentrums.
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