Grevenbroich (NGZ). Neurath Vor vier Jahren sorgte Peter Zenker im Revier für Aufsehen: Damals dokumentierte er erstmals die Geschichte des Braunkohlenabbaus in Neurath. Nachdem er im Vorjahr auch die Historie der Frimmersdorfer Grube skizzierte, legt der 69-Jährige nun sein neues Buch vor: Der ehemalige Neurather hat sich eingehend mit den großen Gutshöfen beschäftigt, die einst rund um sein Heimatdorf standen und dort zum großen Teil auch heute noch stehen.
„Diese Höfe haben eine besondere kulturhistorische Bedeutung. Denn sie prägten das Land und gaben den Menschen - vom Mittelalter bis in die Neuzeit hinein - Lohn und Brot“, erläutert Zenker seine Motivation zur „Gutshof-Forschung“.
Wie wichtig die Höfe für die Bevölkerung waren, schildert ein Bericht aus dem Jahr 1883: „Die Beschäftigung der Bewohner von Neurath ist die Ackerschaft“, heißt es darin. „Demnach war die Landwirtschaft bis zum Beginn der Mechanisierung auf den Gutshöfen ein wichtiger Arbeitgeber in dieser Region“, schlussfolgert der Autor.
Neurather Gutshöfe
Peter Zenker behandelt in seiner Arbeit auch die Geschichte der heute noch vorhandenen Gutshöfe wie Ingenfeld, Krahwinkel, Nanderath, Neuhöfchen, Karlshof, Annenhof, Bongarderhof, Gommershoven und Marienhof (neu). Deren Entwicklung werden in Texten, Karten und Bildern ausführlich dargestellt.
Peter Zenker begab sich auf Spurensuche, durchforstete alte Archive und Publikationen und besuchte die Grabstätten der ehemaligen Gutsbesitzer auf dem Friedhof. Das Ergebnis seiner Recherchen ist ein Geschichtsbuch, das es allerdings nicht zu kaufen gibt. Wie bei seinen vergangenen Publikationen verzichtet Zenker auf eine Drucklegung und bietet seine Arbeit zum Herunterladen im Internet an - kostenlos, versteht sich. Auf diese Weise, so hofft er, kann eine möglichst breite Leserschaft von seinen Forschungen profitieren.
Die Geschichte des Ackerbaus in Neurath begann im zwölften Jahrhundert. Als „Gründungsväter“ der sten Güter auf dem fruchtbaren Lössboden galten die Grafen von Hochstaden, die in Frimmersdorf residierten. „Womöglich ist das älteste Gut, Kaulen, sogar auf eine römische Gründung zurückzuführen“, mutmaßt der pensionierte Bergbau-Ingenieur.
Zenker schlägt einen Bogen vom Mittelalter bis in die Neuzeit und skizziert auch das Verschwinden von drei großen Gütern in Folge des Braunkohlenabbaus: Gürath musste 1917, die Doppelanlage Kaulen/Gut Marienhof 1942 der Grube weichen.
Nebenbei erzählt der heute in Siegburg lebende Autor kleine Geschichten. Etwa von den „Rüben-Ferien“ in der Nachkriegszeit, als die Neurather Volksschüler zum „Knorre rütsche“ auf die Felder mussten: „Wir rutschten damals über die Rübenreihen hinweg, um den dichten Aufwuchs der Knollen zu lichten. In Reih und Glied waren bis zu 15 Schüler nebeneinander im Einsatz“, erinnert sich Zenker an seine Kindheit. Der Lohn für die mühsame Arbeit: „Zehn bis 20 Pfennige pro Stunde. Zudem gab’s Butterbrote und Linde-Kaffee, die vom Bauern um die Mittagszeit auf die Felder gebracht wurden.“
Am Montag in der NGZ:
Porträt Peter Zenker
Info
Die Publikation „Die großen Gutshöfe um Neurath“ stehen ab sofort im Internet zum Download bereit. Unter der Adresse www.go-z.org/drz wird der Beitrag zur Grevenbroicher Heimatgeschichte in den nächsten Tagen abrufbereit sein. Dort finden sich auch Peter Zenkers Beiträge zur Historie der Tagebaue Frimmersdorf und Neurath.
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