Grevenbroich (NGZ). Grevenbroich Von den anderen Kindern sind sie auf den ersten Blick nicht zu unterscheiden, meint Schulleiter Heinz-Gerd Schmitz. Aber einen Unterschied gibt es, denn sechs der 29 Kinder einer fünften Klasse sind sprach- oder lernbehindert.
Schultypen
Im Grevenbroicher Stadtgebiet gibt es eine Schule für geistig-behinderte Kinder,
die Mosaik-Schule, im Hemmerden. Kinder mit einer Lernbehinderung können die
Förderschule Martin-Luther-King in Frimmersdorf besuchen. Kinder mit Körperbehinderung, die eine entsprechende Schule besuchen möchten, müssen nach Düsseldorf oder Mönchengladbach-Rheindahlen fahren.
Daher unterrichten dort auch zwei Lehrer - „Team-Teaching“ steht auf dem Stundenplan. „Die zweite Lehrkraft ist eine Sonderschulpädagogin, die von ihren 28 Stunden 24 in der integrativen Klasse unterrichtet und vier Stunden Beratungen anbietet“, so Schmitz.
In den Fächern Sport, Musik und Kunst werden die Fünftklässler gemeinsam unterrichtet. Bei Englisch, Mathematik und Deutsch geht die Fachfrau mit den sechs Kindern in einen Nebenraum, um dort mit ihnen den Stoff zu erarbeiten. „Von den Grundschulen, die bereits seit Jahren behinderte und nicht-behinderte Kinder gemeinsam unterrichten, wurden die weiterführenden Schulen informiert, dass einige der Kinder nach dem vierten Schuljahr durchaus in eine ,normale’ Schule gehen könnten“, erzählt Schmitz. Er habe daraufhin mit seinen Kollegen gesprochen. Die meisten waren begeistert von der Idee, eine integrative Klasse einzurichten.
Nachdem das Schulamt des Rhein-Kreises als Schulaufsichtsbehörde und die Stadt als Träger der Hauptschule zugestimmt hatten, stand der ersten integrativen Klasse an einer weiterführenden Schule in Grevenbroich nichts mehr im Wege. „Solch eine Klasse einzurichten, passt auch zu unserer Ausrichtung als katholische Schule“, fügt Schmitz hinzu.
Bereits jetzt hat der Schulleiter Anfragen von Eltern, die ihren Nachwuchs im nächsten Jahr in diese Klasse schicken möchten. Doch noch steht nicht fest, ob es im neuen fünften Schuljahr wieder eine integrative Klasse geben wird. „Wir wollen“, sagt Heinz-Gerd Schmitz kurz und deutlich.
Erfreut hatte den „Schulchef“ auch die Tatsache, dass nur drei Eltern von 120 bei der Anmeldung für das jetzige fünfte Schuljahr nicht wollten, dass ihr Kind in eine „gemischte“ Klasse geht. Und einen Vorteil hat die KHS natürlich auch: Sie ist ein Neubau. „Was an zusätzlichen Schränken fehlte, hat das Kollegium selbst zusammengebaut und angestrichen“, so Schmitz.
Eine der Grundschulen, für die der integrative Unterricht längst zum Standard gehört, ist die Gebrüder-Grimm-Schule in Wevelinghoven. „Seit über zehn Jahren unterrichten wir behinderte und nicht-behinderte Kinder in einer Klasse“, sagt Schulleiterin Heidemarie Schreyeck. Damals, so fügt sie hinzu, sei das nicht generalstabsmäßig eingeführt worden.
„Nach den Anmeldungen hatten wir seinerzeit ein spastisch-gelähmtes und ein lernbehindertes Kind in einem unserer ersten Schuljahre“, berichtet Schreyeck. Ein so genannter Antrag zur Eröffnung eines sonderpädagogischen Verfahrens musste beim Schulamt eingereicht werden. Nach dessen Genehmigung wurde der Wevelinghovener Grundschule für einige Stunden pro Woche eine Sonderschullehrerin geschickt, die diese Kinder gezielt in bestimmten Fächern förderte.
Mittlerweile werden an der Schule 18 behinderte Kinder in allen vier Jahrgängen unterrichtet. „Diese Klassen sind in der Regel etwas kleiner als die anderen“, sagt die Schulleiterin, die versucht, möglichst nicht mehr als 20 Kinder dort unterzubringen. Glücklich ist Heidemarie Schreyeck, dass seit einigen Jahren eine Sonderschullehrerin mit ihrer vollen Stundenzahl zum Kollegium gehört. Und beide Schulleiter sind sich einig: „Die Sozialkompetenz der Schüler in den integrierten Klassen ist sehr hoch.“
So bezeichnet auch Irmintrud Berger (CDU), Vorsitzende des Schulausschusses, den integrativen Unterricht als „einen Gewinn für die Grevenbroicher Schullandschaft“. Viele behinderte Kinder, die seit Mitte der 90-er Jahre in den ,normalen’ Grundschulunterricht integriert worden seien, hätten den Übergang in die Real- oder Hauptschulen „gepackt“: „Das entlastet natürlich auch die Förderschule in Frimmersdorf, die ohnehin schon einen hohen Zulauf hat“, meint Irmintrud Berger.
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