Grevenbroich (NGZ). Der gebürtige Hemmerdener Kunibert Wachten (57) ist anerkannter Gutachter für Stätten des Unesco-Kulturerbes, als Professor lehrt er in Aachen. Sein aktuelles Projekt auf Schloss Dyck und seine Gedanken zu Grevenbroich.
Ob die umstrittenen Hochhaus-Pläne in Köln-Deutz nahe des Doms oder die Waldschlösschenbrücke bei Dresden: Wenn es um Gutachten zum Unesco-Weltkulturerbe geht, fällt der Name eines gebürtigen Hemmerdeners: Kunibert Wachten. Mit einer Wissenschaftlergruppe an der RWTH Aachen hat sich der Architektur-Professor auf diese Aufgabe spezialisiert.
Weiterhin ist der 57-Jährige in der Lehre aktiv – und dies auch unweit von Grevenbroich auf Schloss Dyck. Hier vermittelt er die Inhalte des Aufbaustudiengangs "Redevelopment", der die Entwicklung und Gestaltung großer Industriebrachen beinhaltet – ein Thema, das etwa für RWE Power interessant ist. "Kein Ort könnte dafür besser geeignet sein als Dyck", schwärmt Kunibert Wachten. Sowohl für das europaweit einzigartige Fach als auch für die "ungewöhnliche Unterrichtsumgebung" kann er sich begeistern.
Kunibert Wachten
Der 57-jährige Grevenbroicher studierte von 1971 bis 1978 an der RWTH Aachen Architektur und machte sich mit einem Planungsbüro selbständig. Nach universitärer Mitarbeit von 1991–94 Professor in Bochum, von 1994–99 Professor in Wien, seit 1999 Professur an der RWTH Aachen. Seit 2006 wissenschaftlicher Leiter des postgradualen Masterstudiengangs "Redevelopment", Unterrichtsort ist Schloss Dyck.
Bereits als Gymnasiast hat sich Kunibert Wachten für Architektur und Städteplanung interessiert. So stellte er früh die Weichen für den beruflichen Erfolg – und auch für sein privates Glück: "Meine Frau ist zwar eine gymnasiale Bekanntschaft, aber wir haben erst spät geheiratet." Beide sind Eltern einer Tochter und haben einige Zeit eine Fernbeziehung geführt: "Meine Frau war im Buchhandel in Dortmund engagiert, ich war Professor und später auch Dekan in Wien." Dort wäre er gern geblieben, denn in Wien fühlte er sich wohl. Das Pendeln wurde zur Gewohnheit, doch: "An manchem Tage wusste ich am Flughafen nicht, wohin ich fliegen wollte", erzählt Wachten mit einem Lächeln.
Für ihn das Zeichen, etwas zu ändern, einen Bezugspunkt zu finden. Das wurde die RWTH Aachen – für Kunibert Wachten ein Dejá-vu mit neuen Vorzeichen. Denn Aachen war ebenfalls die Universität seiner Studienzeit bis 1978. Hierhin kehrte er vor elf Jahren als Professor für Städtebau und Landesplanung zurück. Für diese Aufgabe kann er sich begeistern: "Wir leben zu 93 Prozent in einer gestalteten Umwelt. Deshalb sollte diese Umwelt auch derart gestaltet sein, dass wir uns wohlfühlen." Kunibert Wachten selbst fühlt sich in seiner Freizeit wohl, wenn er am Ferienhaus in den Niederlanden werkeln kann und die Dielen abschleift.
An zahlreichen architektonischen Projekten hat Wachten mitgewirkt; zu den Themenbereichen, mit denen er sich beschäftigt hat, gehören etwa "Solare Stadtplanung" oder "Aufwertung gewerblicher Standorte". In seiner Heimatstadt war er am Städtebau-Wettbewerb in Kapellen beteiligt.
Wenn Kunibert Wachten heute durch die Grevenbroicher Innenstadt geht und sie mit dem Blick des Städteplaners betrachtet, was empfindet er? "Natürlich sehe ich zunächst die Stätte meiner eigenen Vergangenheit." Manche Entwicklungen würde er sich anders wünschen: "Was mich erstaunt: Dass eine zentrale Fläche wie das Hagelkreuz noch immer unbebaut ist."
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