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Grevenbroich: Wege aus der Ess-Störung

VON DANIELA BUSCHKAMP - zuletzt aktualisiert: 18.03.2010 - 11:18

Grevenbroich (NGZO). Wer hat die kleinste Kleidergröße? Nicht nur ein Thema für junge Mädchen, sondern auch für immer mehr Männer. Eine Ausstellung informiert an vier Grevenbroicher Schule; Start war jetzt am Berufsbildunsgzentrum.

Wie junge Frauen krankhaftes Ess-Verhalten überwinden - das zeigt die Ausstellung "Klang meines Körpers": Ferdy und Sarah schauen in eine Schatzkiste, über Kopfhörer sind Lieder zu hören, an Stellwänden Porträts zu sehen.  Foto: Michael Reuter
Wie junge Frauen krankhaftes Ess-Verhalten überwinden - das zeigt die Ausstellung "Klang meines Körpers": Ferdy und Sarah schauen in eine Schatzkiste, über Kopfhörer sind Lieder zu hören, an Stellwänden Porträts zu sehen. Foto: Michael Reuter

Wettbewerbe um die kleinste Kleidergröße oder Tipps, wie man am besten Erbrechen nach dem Essen hervorruft - das sind typische Gespräche unter Teenagern. Gespräche, wie sie Lehrerin Simone Außel auch am Berufsbildungszentrum (BBZ) Grevenbroich mitbekommt - und ein Thema, das die Vorsitzende der Fachkonferenz Naturwissenschaften handeln ließ. Das Ergebnis: Außel holte die interaktive Ausstellung "Klang meines Körpers: Kreative Wege aus der Ess-Störung" an die Schule. Noch bis Donnerstag, 25. März, können die Berufsschüler die Präsentation im Forum sehen.

Lara hat unkontrollierte Fress-Attacken, Mia leidet so sehr unter Bulimie, dass sie zu schwach ist, um sich bewegen zu können - nur zwei Beispiele von jungen Frauen, die unter Ess-Störungen litten. Die Geschichten von Lara, Mia und drei Mädchen stehen im Zentrum der Präsentation. "Hinter den Namen verbergen sich die realen Schicksale von jungen Frauen", erläutert Andrea Groß-Flunkert. Die Sozialarbeiterin und Therapeutin begleitet mit ihrer Kollegin, der Psychologin Pia Pulte, die Ausstellung und führt die Schüler intensiv durch die Präsentation.

Selbst gestaltete Porträts der jungen Frauen betrachten, ihre Lieblingsmusik über Kopfhörer zu hören und Schatzkisten zum Entdecken - das sind einige der Module, mit denen die Schüler sich dem Thema "Ess-Störung" nähern können. Nach vier Stunden schätzten sich die zwölf angehenden Servicekräfte im Alter von 17 bis 20 Jahre als "besser informiert" ein und bewerteten die Ausstellung als "interessant".

Das Beispiel von Lara, die nach dem frühen Tod ihrer Mutter unter unkontrollierten Ess-Attacken leidet, macht es für die Schüler einfach, sich dem Thema zu nähern. Nach dem Betrachten von einem Selbstporträt und dem Hören von Laras Lieblingsmusik sind sich die Teenager einig, dass die junge Frau Zuneigung und Liebe suchte. Sarah formuliert: "Nach ihrer Therapie hat Lara erkannt, dass im Leben noch andere Dinge satt machen als essen." Was alle Schüler als wichtig erkennen: "Sich selbst so akzeptieren wie man ist."

Für die Expertinnen der Beratungsstelle entscheidend: Anhand der persönlichen Beispiele Wege aus den Krankheiten aufzuzeigen. Mit einer Musiktherapie haben es die fünf jungen Frauen geschafft, wieder ein normales Verhältnis zu ihrem Körper zu finden. Mias Schatzkiste etwa enthält allgemeine Informationen zu Magersucht, Bulimie und Binge-Eating sowie Kontaktadressen zu Beratungsstellen - ein Hinweis, wie wichtig Information sind. Die damals 15-Jährige hat ihre Ess-Störung lange nicht als Krankheit erkannt.

Ess-Störungen sind schon nicht mehr nur ein Frauen-Phänomen: „Wir gehen davon aus, dass jede sechste Frau unter diesen Krankheiten leidet. Doch immer mehr junge Männer kommen dazu“, weiß Groß-Flunkert. Für BBZ-Schüler Christof kein Problem - er will Koch werden.


 
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