Grevenbroich (NGZ). Grevenbroich Die „Spargel“ auf dem Testfeld am Stadtrand sind weniger geworden. Drei Windräder der alten Generation, die der technologische Fortschritt überholt hat, wurden abgebaut. Zurzeit drehen sich nur fünf Rotoren auf dem ursprünglich für acht Anlagen ausgelegten Gelände.
Das wird auch die Zukunft des Areals sein, erklärt Monika Kraemer, Geschäftsführerin von Windtest: „Über kurz oder lang werden nur noch maximal vier bis fünf Räder auf der Hochhalde stehen“. Der Grund: Windräder der nächsten Generation brauchen deutlich mehr Platz als ihre Vorgänger, weil die Naben und der Durchmesser der Rotoren immer größer werden.
Höhere Rotoren bringen höhere Energieerträge. Diese Faustregel stellt die Windkraft-Industrie vor ein Riesenproblem, weiß Kraemer. Denn wer hoch hinaus will, braucht entsprechend dimensionierte Masten, die vom Hersteller zum Zielort gebracht werden müssen. „Dieser Transport muss über die Straße gehen - er ist dort aber an seine Grenzen gestoßen. Schließlich sind die einzelnen Bauteile der herkömmlichen Stahlrohr-Türme so groß, dass sie nicht mehr unter Brücken hindurch passen“, erläutert Kraemer.
Gesellschafter
Die Windtest Grevenbroich GmbH wurde 1996 gegründet. Gesellschafter sind: RWE Power (37,5 Prozent), das Land Nordrhein-Westfalen (25 Prozent), die Energy Engineers GmbH, der Rhein-Kreis Neuss und die Stadt Grevenbroich (jeweils 12,5 Prozent).
Dieser Tatsache hat sich das niederländische Unternehmen „Advanced Tower Systems“ (ATS) gestellt. Die Firma aus Enschede entwickelte weltweit als erste einen Hybrid-Turm, der im unteren Teil aus Spannbeton, im oberen Drittel aus Stahlrohr besteht. Der Vorteil: „Die Betonsegmente sind zum einen relativ klein, zum anderen vertikal geteilt. Sie lassen sich deutlich einfacher transportieren als herkömmliche Türme und können wie Bausteine übereinander gestapelt werden - was die Installation deutlich vereinfacht“, so Monika Kraemer.
In Computer-Simulationen der Firma ATS läuft die Anlage mit dem Siemens-Rotor (2,3 Megawatt) bereits einwandfrei. Doch das allein reicht nicht, um dem Patent die Serienreife zu verleihen. Es muss unter „Alltagsbedingungen“ getestet werden - in Grevenbroich.
„Im nächsten September wird der Prototyp auf der Frimmersdorfer Höhe angeliefert, wir werden ihn dort über ein Jahr lang auf seine Tauglichkeit im Binnenland testen“, kündigt die Geschäftsführerin an. Eine der wichtigsten Fragen, die im Verlauf des mindestens zwölf Monate andauernden Verfahrens geklärt werden soll: Wird die Betonkonstruktion allen Belastungen, die auf die Rotorblätter einwirken, auch Stand halten. „Nach etwa sechs Monaten werden wir erste Erfahrungswerte haben“, ist sich Kraemer sicher.
Das neue Windrad wird mit einer Nabenhöhe von 133 Metern das größte sein, das bisher auf dem Testgelände aufgestellt wurde. ATS geht davon aus, dass die Anlage gegenüber der weit verbreiteten Nabenhöhe von 100 Metern einen rund 20 Prozent höheren Energieertrag erzielen wird.
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