Grevenbroich (NGZ). Die Stadt stellt morgen die alte Bundesstraße 1 in den Mittelpunkt des bundesweiten Denkmal-Tages. Reichlich spät, sagt der ehemalige Kulturamtsleiter Werner Amian. Er wirft der Stadt vor, das Thema B1 verschlafen zu haben.
Martin Zabel lädt morgen zu einer Zeitreise ein. In Elsen startet der städtische Denkmalschützer um 11 Uhr zur Tour auf einer Straße, die es nicht mehr gibt: die B1. "Ein Teil dieser Route, die einer uralten Handelslinie von der belgischen Nordseeküste bis in die russische Stadt Nowogord folgte, ist heute noch in Grevenbroich sichtbar", erklärt er. Zum bundesweiten "Tag des offenen Denkmals" will Zabel anhand dieser Überbleibsel an die Geschichte dieses bedeutenden Verbindungswegs erinnern: "Weil sie auch wichtig für die Historie unserer Stadt ist."
Der ehemalige Rathaus-Mitarbeiter Werner Amian betrachtet diese Aktion von seinem Ruhesitz in Wevelinghoven aus mit gemischten Gefühlen. "Ich finde es gut, dass sich die Stadt in dieser Form mit der Bundesstraße 1 beschäftigt", meint er. Aber: "Sie kommt damit reichlich spät. Irgendwie ist das Thema in den vergangenen Jahren verschlafen worden", kritisiert er. Ginge es nach dem ehemaligen Kulturamtsleiter, hätte sich die Kommune schon längst mit der B1 beschäftigen müssen.
Denkmal-Tag
Termin Sonntag, 12. September.
Treffpunkt 11 Uhr Jülicher Straße in Elsen, Ortsausgang in Richtung Gustorf.
Weitere Stationen Ehemalige Gaststätte "Vierwinden", anschließend Pfarrzentrum Wevelinghoven und das Kloster Langwaden (ab 16 Uhr Führung).
Werner Amian spielt dabei auf ein Manuskript an, das er bereits 2005 für den damaligen Bürgermeister Axel Prümm verfasst habe. Inhalt: Denkanstöße für ein neues Museumskonzept. Nach seiner Ansicht hätte die Villa Erckens nach dem Weggang des damaligen Leiters Bodo Schwalm unter anderem um die Abteilung "Die Straße" erweitert werden müssen. Aus gutem Grund: "Grevenbroich liegt seit seiner Gründung an einer großartigen Verbindung. Hier zogen die Römer vorbei, im Mittelalter wurden Salz und andere Waren auf ihr transportiert, als Reichs- und spätere Bundesstraße war sie von immenser Bedeutung. Und vielleicht verdanken wir ihr auch die Gründung unserer Stadt", schildert Amian.
Dies alles ließe sich im Rahmen einer Dauerausstellung mit zahlreichen Exponaten anschaulich dokumentieren. Und: Da der Tagebau in Grevenbroich die alte Route unterbricht, sieht der ehemalige Rathaus-Mitarbeiter die Chance, an der Erft etwas Besonderes zu schaffen: "Die Lücke, die hier klafft, ließe sich fiktiv als ,Straße der Energie' wieder schließen."
Aus der Abteilung "Die Straße" wurde nichts. "Ich habe mein Manuskript abgegeben und nie mehr etwas davon gehört", meint Amian enttäuscht. Er vermutet: "Vielleicht hat auch nur der ,Falsche' den Vorschlag gemacht." Dennoch hält er es für wichtig, dass sich die Stadt mehr auf ihre damalige Lage entlang der alten Straße besinnt. "Sie gehört zu unserer Geschichte."
Unabhängig davon: Denkmalschützer Martin Zabel plant ohnehin, sich künftig mit der B1 näher zu beschäftigen und deren historische Bedeutung für die Stadt Grevenbroich zu dokumentieren.
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