Jüchen (NGZ). Nach fast 45 Jahren wird Pfarrer Michael Schmitz St. Pankratius in Garzweiler verlassen. Am Sonntag wird er nach 60-jährigem Wirken als Pfarrer noch einmal die heilige Messe zelebrieren. Im August zieht er fort.
Er geht mit einem lachenden und einem weinenden Auge: Nach 60 Jahren im Dienste Gottes nimmt Pfarrer Michael Schmitz – seit 2007 im Ruhestand – Abschied von St. Pankratius in Garzweiler. Am kommenden Sonntag hält der 90-Jährige seinen letzten Gottesdienst in der Pankratiuskirche. Anfang August nimmt er Kurs auf seine Heimat Herresbach bei St. Vith in der ostbelgischen Eifel.
"Eigentlich wollte ich nie von hier weggehen", sagt Schmitz, der vor fast 45 Jahren nach Garzweiler kam und damals eine gut 1000 Seelen starke Gemeinde übernahm. "Ich habe mein halbes Leben hier verbracht." Doch persönliche Gründe hätten ihn dazu veranlasst, fortzugehen. "Ich bin Pfarrer aus Berufung", erzählt der 90-Jährige, der nach seinem Abitur Philosophie in St. Augustin und nach dem Krieg Theologie in den Niederlanden und in Aachen studierte. Nach seiner Priesterweihe und Kaplansjahren in Aachen-Forst (1950-1954), Krefeld (1954-1960) und Mönchengladbach-Odenkirchen (ab 1960) kam Schmitz 1965 nach Garzweiler.
Umsiedlung Garzweiler
Was 1980 wurde der Umsiedlungsstandort für das Dorf festgelegt. 1987 schloss die Grundschule. Im folgenden Jahr wurde das letzte Schützenfest gefeiert und das Altenheim geschlossen. Die verlassenen Häuser und Höfe wurden sofort eingeebnet. Auch die neugotische Pfarrkirche St. Pankratius wurde 1989 abgerissen. Orgel, Fenster und Taufbecken hat die Kirchengemeinde in die neue Pfarrkirche eingebaut.
Wann 1989 war die Umsiedlung abgeschlossen.
Dort bereitete sich die Gemeinde wegen des Braunkohletagebaus auf die Umsiedlung nach Neu-Garzweiler vor. Den Gläubigen, die den Baggern des Tagebaus weichen mussten, stand Schmitz immer zur Seite. "Ich habe viele lange Gespräche geführt, die Menschen ermuntert, auf Gott zu vertrauen", erinnert sich der 90-Jährige.
Keine einfache Zeit für den Pfarrer: "Umsiedlung, daneben war ich auch noch Dechant und Regionalrat. Gleichzeitig habe ich Vertretungen in Gierath, Neuenhoven und Bedburdyck gemacht, weil es dort keinen Priester gab." Von 1988 bis 1998 war Schmitz stellvertretender Dechant des Dekanats Hochneukirch und nahm als langjähriger geistlicher Begleiter der Küsterinnen und Küster in Mönchengladbach verantwortungsvolle Aufgaben wahr. Doch er sei immer unterstützt worden: "Gott hat mir immer die Kraft gegeben." Ihm habe er es auch zu verdanken, dass er mit 90 Jahren immer noch so fit sei.
Im Dezember 2007 wurde Schmitz vom Aachener Bischof in den Ruhestand versetzt. Kein Grund für den damals 87-Jährigen aufzuhören: Jeden Morgen zelebriert er seitdem die heilige Messe. "Manchmal nur mit ein paar Rentnern." Aber das mache nichts: "Die heilige Messe ist so wertvoll." Seinen Lebensabend wird Schmitz mit seiner 80 Jahre alten Schwester Adelheid, die bis zu ihrem Ruhestand als Hebamme arbeitete, in seinem Heimatort Herresbach verbringen. Die Menschen in Garzweiler werden mir am meisten fehlen", sagt der Pfarrer, der das Zentrum in Neu-Garzweiler mit aufgebaut hat. Ganz zur Ruhe setzen will sich Schmitz aber auch im 500 Seelendorf nicht. "Wenn es sich ergibt, könnte ich mir vorstellen, auch dort Messen zu halten." Ab August will der 90-Jährige aber erst einmal seine alte neue Heimat erkunden. "Vielleicht mit dem Fahrrad."
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