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Jüchen: Ärger um Biogas-Anlage

VON SEBASTIAN MEURER - zuletzt aktualisiert: 20.01.2010 - 21:33

Jüchen (NGZO). Für eine Biogasanlage nahe der Ortsgrenze können sich die Hochneukircher nicht erwärmen. Ende 2011 soll die von der NVV geplante Anlage in Betrieb gehen. Jüchen will seine geringen Einflussmöglichkeiten konsequent nutzen.

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Bauern sind beteiligt

Knapp zehn Millionen Euro investiert die NVV in die Biogasanlage, für deren Betrieb jährlich 30 000 Tonnen Mais benötigt werden. NVV und Kreisbauernschaft arbeiten zusammen, bislang unterstützen etwa 80 Landwirte das Vorhaben. Gut 25 der potenziellen Maislieferanten kommen aus dem Gebiet des Rhein-Kreises Neuss, davon betreiben allein elf Bauern ihre Höfe innerhalb der Jüchener Gemeindegrenzen.

Hochneukirch Bei Jüchens Politikern hatte NVV-Prokurist Paul Rutten Ende 2008 keinen leichten Stand – und auch den Bürgern ist der Bau einer Biogasanlage unweit Hochneukirchs kaum zu vermitteln: Tumultartig ging es bei der Vorstellung des Projekts in der Hauptschule jetzt zwar nicht zu, gleichwohl dürfte auch nach zweieinhalbstündiger kontroverser Diskussion am Ende so gut wie keiner der gut 200 anwesenden Hochneukircher zu einem Befürworter der Biogasanlage geworden sein.

Zwar wird statt des 2008 aktuellen Standorts Güdderath nun der Bau nahe der auf Mönchengladbacher Gebiet befindlichen Kompostierungsanlage geplant, doch ist dies für die Kritiker immer noch zu nah an Hochneukirch. Eine Rolle spielt die mögliche Geruchsbelästigung, die es den NVV-Vertretern und ihren Partnern aus der Kreisbauernschaft zufolge nicht geben wird. Die größten Sorgen gelten aber dem steigenden Verkehrsaufkommen. Ein Gutachten hierzu hat der Verkehrsplaner Axel Springsfeld erstellt.Die für den Betrieb der Biogasanlage nötige Maisernte werde im schlimmsten Fall an fünf Erntetagen "von morgens bis abends" durch Hochneukirch transportiert, so der Experte. Realistisch sei jedoch die Annahme, dass größere Transporter eingesetzt würden, so dass sich die Belastung auf zweieinhalb Tage reduziere.

Die Kritik an dem Gutachten galt insbesondere der Tatsache, dass es Zahlen aus dem Jahr 2005 zugrunde legt, wonach Hochneukirch täglich von knapp 1500 Fahrzeugen passiert werde: Diese Zahl sei längst viel höher, lautete der Einwand – den offensichtlich auch die Verwaltung teilt. Bürgermeister Harald Zillikens kündigte an, dass sich die Gemeinde im anstehenden Beteiligungsverfahren eben diesem Punkt eingehend widmen werde. Darüber hinaus soll auch das gleichfalls vorliegende Geruchsgutachten "auf Herz und Nieren geprüft werden", so der Bürgermeister. Da Jüchen nicht Herr des Verfahrens sei, blieben keine anderen Einwirkungsmöglichkeiten, erklärte Zillikens.

Mittelfristig könne das Projekt einer neuen Landstraße 354 für eine Verkehrsentlastung sorgen. Von RWE Power gebe es "positive Signale", dass das Unternehmen bereit sein könnte, "große Teile dieser Straße neu zu finanzieren", verriet Zillikens. Ein weiteres Gespräch mit dem Unternehmen sowie mit Straßen NRW als Bauherrn werde es kommende Woche geben.

Was den Bau der Biogasanlage angeht, rechnet Paul Rutten mit einem Baubeginn im März 2011, wobei die Anlage Ende kommenden Jahres in Betrieb gehen könnte. Von den Lokalpolitikern, die sich zu Wort meldeten, zeigte sich allein SPD-Fraktionschef Holger Tesmann den NVV-Plänen gegenüber wohlwollend: Die ländlich strukturierte Gemeinde habe schließlich auch eine Verantwortung gegenüber der Landwirtschaft, merkte der Sozialdemokrat an.

Quelle: RP

 
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