Jüchen (NGZ). Jüchen (worei) Ganz verkrampft wirkten die Probanden zu Beginn im Hochseilgarten auf Schloss Dyck, als sie einen Becher Wasser über Seile und ein Klettergerüst balancieren sollten. Mitten zwischen altem Baumbestand war diese Aufgabe aber Bestand zur Verlängerung der Übungsleiterlizenz.
Teamarbeit war angesagt und musste von der Gruppe erarbeitet und umgesetzt werden. Nach und nach wirkten die 15 Teilnehmer lockerer. Sie erkannten Schwächen und Stärken jedes einzelnen, kooperierten und wirkten kurz vor dem Ziel wesentlich entspannter als zu Beginn.
Im Hochseilgarten des alten Parks nahmen am Wochenende 15 Übungsleiter an dem Tagesseminar teil, das eine Lizenzverlängerung des Behindertensportverbandes und eine Outdoorausbildung zum Ziel hatte. „Manche kommen aber auch einfach nur, um sich zu informieren“, erklärt Andreas Bendt vom Kreissportbund Neuss und Leiter des Hochseilgartens, den Sinn des Lehrgangs.
Info unter www.kreissportjugend-neuss.de
Mit Vertrauensübungen in der Gruppe wurden die Übungsleiter morgens eingestimmt. „So was kann man auch mit behinderten Menschen machen. Man muss aber genau beobachten, was sie können und was man ihnen zutrauen kann“, so Bendt weiter. Über ein Seil zu klettern sei für manchen Sportler keine Herausforderung.
Für Behinderte könne es hingegen ein riesiges Erfolgserlebnis sein. Beim Lehrgang für Übungsleiter stand jedoch Kooperation im Fordergrund. „Die Übungsleiter werden jetzt auf den Parcours geschickt und bekommen die Aufgabe, Wasser in einem Becher zu transportieren. Sich festhalten ohne dabei den Becher zu verschütten. Das ist ganz schön schwer“, weiß Bendt, der neben dem Studium der Sozialpädagogik für den Kreissportbund arbeitet.
Klettergärten in der Dimension wie an Schloss Dyck seien selten. Darum sind unter den Besuchern Gruppen aus Münster und Düsseldorf. Sie alle wollen Teamarbeit trainieren, da die im Sport immer wichtiger werde. „Hört man von einer erfolgreichen Mannschaft, ist meist auch von der guten Stimmung im Team die Rede“, so Bendt weiter.
Neben Übungsleitern und Fußballmannschaften kommen aber auch Schulklassen, Kindergruppen und Firmen. „Für Sportler ist es eine Abwechslung zum Alltag in der Halle oder auf dem Sportplatz“, weiß Bendt. Das Umfeld sei neu und das Einlassen auf ein neues Terrain setze Kräfte frei und führe zur Kooperation in der Gruppe.
Für andere Gruppen stehen das Erlebnis in der Natur und die schöne Umgebung im Mittelpunkt. Bendt: „Bei den Kletterparcours geben wir ganz bewusst keine Lösungen vor. Die Gruppe muss ihr Vorgehen besprechen und im Anschluss reflektieren, was gut war und wie man es hätte besser machen können.“
Die oberen Klettergerüste befinden sich auf acht Metern Höhe. Hier darf nur unter Anleitung, gesichert und mit Helm geklettert werden. „Auch das hat ganz viel mit Vertrauen zu tun. Während einzelne Teilnehmer in luftiger Höhe klettern, können andere Teilnehmer von unten steuern und somit helfen“, erklärt Bendt.
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