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Jüchen: „Damit müssen wir uns abfinden“

zuletzt aktualisiert: 21.01.2008 - 21:38

Jüchen (NGZ). Otzenrath (worei) Ganz gespannt und erwartungsvoll waren Regisseur Jens Schanze und Kameramann Börres Weiffenbach in die Turnhalle nach Neu-Otzenrath gekommen, wo sie in einer Uraufführung den Dokumentarfilm „Otzenrath 3 Grad kälter“ präsentierten.

Info

Wer den von Mascha Film, München, produzierten Dokumentarfilm „Otzenrath 3 Grad kälter“ nicht in Otzenrath gesehen hat, kann sich drei Termine vormerken. Der Film wird am 14., 18. und 19. Februar jeweils in der Zeit ab 19.30 Uhr im Kölner Filmhaus gezeigt (Kartenreservierung unter der Telefonnum-mer 02 21 / 9 92 03 93 71).

Schweigend verfolgten rund 200 Menschen, darunter Vertreter von RWE Power und der Gemeindeverwaltung, den Dokumentarfilm, der wahrscheinlich im Herbst im WDR und 3Sat Fernsehen zu sehen sein wird. Er beschreibt die Umsiedlung der Dörfer Otzenrath und Holz.

Ohne zu kommentieren gelang es Regisseur und Kameramann, in stimmungsvollen Bildern das Leben in den alten Dörfern und das Annehmen der neuen „Heimat“, mit allen Problemen festzuhalten.

Vollkommen still verfolgten die Zuschauer in der voll besetzten neuen Turnhalle den Film, der den Prozess der Umsiedlung beschreibt. Schwarz-Weiß- Bilder bei einer Fahrt durch den alten mit Fähnchen geschmückten Ort wechseln mit farbigen Aufnahmen des neuen Ortes und des Baggers, der sich Richtung Otzenrath frisst.

Hin und wieder ein Lachen, wenn eine ausgelassene Party der Dorfjugend zu sehen war, die so den Abschied vom alten Dorf feierte.

Ruhe herrscht wieder, als der Landwirt Ernst Peter Mohren den Abschied von seinem Hof beschreibt. Angespannt ist die Lage in der Turnhalle, als die Situation des Ehepaares Gerta und Arnold Packbier, das lange nicht in Verhandlungen mit Rheinbraun trat, gezeigt wird. „Die wollen doch was von uns und reden direkt von Enteignung. Da könnte einem der Kragen platzen“, so der Alt-Holzer.

Gerta und Theo Schwieren, die im Film in ihrem Wohnzimmer gefilmt wurden, hadern in ihrem neuen Wohnort mit dem Heimweh, loben aber auch den fairen Umgang, den RWE mit Umsiedlern pflegte.

„Das Emotionale können wir nicht bezahlen“, räumt im Film Tagebaudirektor Lutz Kunde ein, der mehrfach von Schanze und Weiffenbach besucht wurde. Stolz wirken auf der Leinwand er und seine Mitarbeiter, darunter der Baggerfahrer Arno Lorenz, der im umgesiedelten Ort erster Klompenkönig wird. „Die Arbeitsplätze sind wichtig, und jüngeren fällt das alles leichter als älteren Umsiedlern“, meint Lorenz.

Das wissen auch Sonja und Jochen Jindra, die in Alt-Holz eine Gaststätte führten, nun in die Turnhalle gekommen waren. Sie hatten sich für einen Neuanfang ohne eine neue Gaststätte entschieden.

„Wir haben alles richtig gemacht“, meinte Sonja Jindra, die mit ihrem Ehemann ebenfalls in der Turnhalle saß. „Viele Männer starben, bevor im neuen Ort ihr Haus fertig war. Und dann für eine Gaststätte in unserem Alter noch mal neue Schulden aufnehmen - das macht doch keinen Sinn“, meinte Sonja Jindra.

Besonders begleiteten Regisseur und kameramann die Entwicklung von Markus Mohren, der sich ebenfalls jetzt den Film ansah. Das Team begleitete ihn als Jugendlichen, den Schwarz-Weiß-Bilder an der Seite seines Vaters zeigen.

Jahre später filmten Jens Schanze und Börres Weiffenbach den Jungbauern beim Abriss des alten Hofes. Von dort nimmt er einen Wappenstein mit der Jahreszahl 1834 als Andenken mit in sein neues Zuhause. Schneller als gedacht musste er den neuen Hof alleine führen, da sein Vater vor der Umsiedlung starb. Schließlich stellt er im Film den energiepolitischen Sinn der Umsiedlung von alten historischen Dörfern in Frage.

Nach der Vorführung meinte Mohren: „Et is wie et is. Da müssen wir uns mit abfinden.“ Ildefons Höying, Künstler aus Alt- und jetzt Neu-Otzenrath, lobte Jens Schanze und Börres Weiffenbach für die respektable Leistung. „Sie haben Orte und Menschen gut ausgesucht, die in der Rücksicht schnell vergessen sind.“

Quelle: NGZ


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