Jüchen (NGZ). Alt-Otzenrath Mit dem vor 13 Monaten erfolgten Abriss der Pfarrkirche St. Simon und Judas Thaddäus begann endgültig der Anfang vom Ende des im 11. Jahrhundert erstmals urkundlich erwähnten Dorfs Otzenrath. Inzwischen ist dieses nun offensichtlich erreicht: Nach der polizeilichen Räumung der Obstwiese des Bunds für Umwelt und Naturschutz (BUND) im Januar wurde jetzt auch das letzte Haus im alten Ortskern an der - nicht mehr existierenden Nordstraße 23 abgerissen.
Mit der Kamera auch hier dabei war der Fotograf Dieter Müller-Hennig, der in den vergangenen Jahren mehr als 106000 Bilder von dem der Umsiedlung zum Opfer gefallenen Ort gemacht hat.
Dabei ist es ihm nach eigener Aussage stets darum gegangen, „Haus für Haus so umfassend wie möglich zu dokumentieren“, die Suche nach einem oder gar dem Motiv schlechthin kam für ihn nicht in Frage, da sich das Leben der Menschen so nicht auf die von ihm angestrebte Weise einfangen lasse. Dieter Müller-Hennig lag demgegenüber daran, eine „neutrale Dokumentation des Bestandes dieses Dorfs zu liefern.“
Wie er bei verschiedenen Gelegenheiten betont hat, versteht der Fotograf seine Arbeit nicht als Kritik an RWE Power, beziehungsweise dem Tagebau Garzweiler II, vielmehr versteht er sich explizit als neutraler Beobachter des Geschehens, das er fotografisch für die Nachwelt aufbewahrt hat. Letztlich ist er sich jedoch gewiss, dass unter dem Strich lediglich „Impressionen“ bleiben, „nicht jede Schraube“ könne dokumentiert werden.
Das Thema Umsiedlung wird übrigens auch der Kommunalpolitik noch eine Weile erhalten bleiben, nachdem der Planungs- und Verkehrsausschuss kürzlich überraschend davon absah, die Straßen in Alt-Otzenrath und dem weitgehend verwaisten Alt-Holz entwidmen zu lassen. Auf Antrag der CDU wurde dies einstweilen zurückgestellt - und zwar so lange, bis die Grubenrandstraße komplett fertiggestellt ist. Im Vorfeld hatte sich Peter Dederichs (Bündnis 90/Die Grünen) nachdrücklich dagegen gewandt, die Straßen bereits jetzt aufzugeben (die NGZ berichtete), so lange noch Menschen in den Orten lebten.
„Unversehrt“ bleibt im ehemaligen Otzenrath bis auf Weiteres nur der frühere Standort der ehemaligen Pfarrkirche - deren Untergrund natürlich für die dort tätigen Archäologen eine reiche Fundgrube sein dürfte: Zwei Vorgängerkirchen aus den vergangenen Jahrhunderten versprechenden Denkmalschützern hier einen überaus reichen Ertrag.
Während die Abrissbagger nun in Otzenrath ihr Werk verrichtet haben, wird der vergangenen Sommer in Holz begonnene Abriss noch bis zum kommenden Jahr andauern. Statt rund 500 standen hier nur 146 Häuser, im Bereich der einstigen Hackhausener Straße ist inzwischen komplett „tabula rasa“ gemacht worden. Der Ort, der seinen Namen im 15. Jahrhundert von einem großen Bauernhof erhielt, verfügt(e) mit dem Schaunshof und der alten Kapelle über zwei Bodendenkmäler, während es regelrechte Baudenkmäler in dem Dorf nicht gab. Auch in Alt-Holz werden natürlich die Denkmalschützer in die Abrissarbeiten einbezogen und erhalten Gelegenheit für entsprechende Untersuchungen.
Lebten vergangenes Jahr hier noch acht Familien, konnte sich RWE Power inzwischen - bis auf eine Ausnahme - mit allen noch dort verbliebenen Eigentümern über einen Verkauf ihrer Grundstücke einigen. Mit von der Partie sind beim Abriss auch Experten des Kölner Büros für Faunistik, die dafür Sorge tragen, dass bei dem Abriss nicht besonders geschützte Tierarten in Mitleidenschaft gezogen werden.
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