Jüchen (NGZ). Für Joe Wilden und Andrea Frickinger bedeutet die RTL-Show "Teenager außer Kontrolle" Hoffnung. Der Stiefvater von Jana, deren Probleme in der Therapie-Sendung gezeigt werden, weist Kritik am Vorgehen der Familie zurück.
Etwas angespannt waren Joe Wilden und Andrea Frickinger schon, als ihre Tochter Jana jetzt zum ersten Mal im RTL-Erziehungscamp "Teenager außer Kontrolle" zu sehen war. Vor einem Millionenpublikum, zur besten Fernsehzeit. "Das ist aber alles nebensächlich. Wichtig ist, dass die Therapie erfolgreich ist", sagt der Stiefvater der als aggressiv geltenden 14-Jährigen. Und das scheint der Fall. "Man kann nicht erwarten, dass von heute auf morgen Wunder geschehen. Aber bis jetzt sind wir positiv überrascht", meint Wilden.
Jana ist längst zurück in der Heimat: Gedreht wurden die acht Folgen von "Teenager außer Kontrolle" im vergangenen Jahr in den USA. "Aber danach ist nicht Schluss. Die Therapie geht nach den acht Wochen in Amerika in Zusammenarbeit mit dem Jugendamt weiter", sagt Wilden. Das beherzige seine Tochter, die eine Realschule in Mönchengladbach besucht."Wichtig ist, dass die Kinder den Erfolg wollen. Eine solche Therapie ist ein weiter Weg", meint Joe Wilden.
Die TV-Show
Fernsehen "Teenager außer Kontrolle" läuft jeden Mittwoch ab 20.15 Uhr auf RTL.
Ort Die Jugendlichen verbrachten acht Wochen in der Wüste des weltberühmten "Monument Valley" in den USA und machten dort eine Erlebnistherapie. RTL war mit einem Kamerateam dabei.
Verärgert ist Janas Stiefvater über Aussagen des Kreisjugendamtes. Das hatte mitgeteilt, ihm sei der Fall bereits vor "Teenager außer Kontrolle" bekannt gewesen – die Familie habe jedoch keine Hilfe nutzen wollen. "Das ist falsch", sagt Wilden. Das Gegenteil sei der Fall. "Wir haben bereits viele psychologische Hilfen in Anspruch genommen. Unter anderem war Jana drei Monate lang in stationärer Behandlung", betont der Familienvater. Allein gefruchtet habe es nicht.
Mit dem in den USA ansässigen "Monarch Center für Erziehungshilfe", das die Teenager-Erlebnis-therapie im Licht der TV-Kameras medienwirksam in Szene setzt, stehe die Familie weiter in Kontakt. Das gelte auch für die Cheftherapeutin Annegret Noble.
Wie es im Fernseh-Format weitergeht, darf Wilden nicht verraten. Das sei mit RTL so vereinbart. "Es werden ja noch sieben Folgen ausgestrahlt", erklärt er. Auch seine Tochter dürfe sich momentan nicht äußern. Jana wurde durch ihre Aggressivität zur Außenseiterin. "Das begann schon im Kindergartenalter", meint Wilden.
Unter www.ngz-online.de wird das Vorgehen der Familie im Internet heftig diskutiert. Andreas Eßer findet deutliche Worte: "Wenn mir statt Hilfe vom Jugendamt ein Urlaub für die ganze Familie in den USA geboten wird, melde ich mich auch bei RTL", schreibt er und weist darauf hin, dass eine Casting-Agentur sogar 500 Euro dafür biete, wenn man sein Kind zur Show anmelde.
Der Autor "Barbapapa" fragt: "Was sind das für Leute, die ihre Kinder für 500 Euro an einen Fernsehsender verkaufen?". – Joe Wilden regen solche Vorwürfe auf. "Da ist nichts Wahres dran", poltert er. "Es gibt kein Geld von einer Casting-Agentur." Von einem "USA-Urlaub" könne ohnehin keine Rede sein. "Eine Therapie ist kein Spaß. Das ist harte Arbeit, für alle Beteiligten."
Fachleute zweifeln das Fernseh-Format dennoch an. Die Meinung: die Probleme anderer Leute als Unterhaltungs-Faktor – das könne nicht gut sein. Annegret Noble hat dafür wenig Verständnis. Jugendliche und deren Eltern sähen die Teilnahme an der Sendung oft "als letzte Chance", die Probleme in den Griff zu kriegen. "Sie treffen bewusst die Entscheidung, ihre Geschichte öffentlich mitzuteilen", weist Noble die Kritik zurück.
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