Jüchen (NGZO). Interview Harald Zillikens zieht Bilanz nach 100 Tagen im Bürgermeister-Amt. Als größte Herasuforderung sieht er das Defizit im Etat. Doch deshalb auf das Kulturprogramm zu verzichten, hält er für "fatal".
Jüpchen (busch-) Harald Zillikens konnte gerade den hundertsten Tag als Chef im Jüchener Rathaus im Kalender abstreichen. Was dem früheren Mitarbeiter des Rhein-Kreises Neuss an seinem Amt gefällt und worin er die größten Herausforderungen für die Zukunft sieht, das erläutert er bei einer Tasse Tee im Interview mit NGZ-Redakteurin Daniela Buschkamp.
Herr Zillikens, nach 100 Tagen im Amt: Was werten Sie als Ihren größten Erfolg, was als Ihren größten Fehler?
Harald Zillikens Nach nur hundert Tagen überrascht mich diese Frage. Es wäre unrealistisch, jetzt schon erfolgreiche Projekte für mich in Anspruch nehmen zu wollen – zumal diese ja immer eine gewisse Vorlaufzeit haben. Insgesamt kann ich sagen: Die hundert Tage sind förmlich verflogen. Die Tätigkeit als Bürgermeister bereitet mir sehr viel Freude: zum einen die Arbeit in der Verwaltung, zum anderen die Zusammenarbeit mit den Fraktionen und zum dritten die repräsentativen Aufgaben, ob es die Weihnachtsfeiern in Wey oder der Neujahrsempfang im Nikolauskloster ist.
Harald Zillikens
Im Oktober 2009 kürte die CDU ihr Mitglied Harald Zillikens zum Bürgermeister-Kandidaten. Der gebürtige Jüchener und verheiratete Vater zweier Töchter (zwölf und 14 Jahre) war zuvor bei der Verwaltung des Rhein-Kreises Neuss tätig und leitete dort den Bereich Elektronische Datenverarbeitung. Zillikens ist begeisterter und erfolgreicher Schwimmer; er gehört zur DLRG Hochneukirch. Sein Hobby Motorradfahren hat er nach einem schweren Unfall erstmal aufegeben.
Worin sehen Sie die größte Herausforderung für die Zukunft der Gemeinde?
Zillikens Die größte Herausforderung besteht in der weiteren Entwicklung der Gemeinde vor dem Hintergrund der schwierigen Haushaltslage. Das strukturelle Defizit liegt bei 4,4, Millionen Euro. Gleichzeitig muss aber die Infrastruktur erhalten werden, das Gewerbe muss ausgebaut werden. Großes Sparpotenzial bei den freiwilligen Leistungen sehe ich nicht. Es wäre fatal, etwa auf das Kulturprogramm zu verzichten: Der Gewinn wäre nur gering, aber die Wirkung erheblich. Außerdem tragen sich viele Veranstaltungen in unserem Kulturprogramm selbst. Ein weiteres Problem: Die Kommune muss Vorgaben des Landes erfüllen: Für die Betreuung der Kinder unter drei Jahren mussten 21 Erzieherinnen neu eingestellt werden; gleichzeitig konnten in der Verwaltung 14 Stellen eingespart werden. Dieser Spareffekt verpufft.
Hat sich Ihr Alltag anders verändert, als Sie das vorher erwartet haben?
Zillikens Die Arbeit als Bürgermeister ist sehr intensiv, gerade auch jetzt vor den Etatberatungen. Aber das hat mich nicht überrascht. Viel Gedanken über Freizeitgestaltung muss ich mir nicht machen; die wenige Freizeit gehört meiner Frau und meinen beiden Töchtern. Ich versuche, noch regelmäßig Sport zu treiben und schwimmen zu gehen.
Können Sie ein Beispiel für einen Schwerpunkt im sozialen Bereich nennen?
Zillikens Für Sonntag, 20. Juni, wird gemeinsam mit dem Rhein-Kreis Neuss in Katz ein großer Gesundheitstag unter dem Motto "Aktiv in jedem Alter" geplant.
Würden Sie noch mal für das Bürgermeister-Amt kandidieren?
Zillikens Ja, natürlich. Wenn ich das in sechs Jahren genauso bejahen kann, habe ich alles richtiggemacht.
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