Jüchen (NGZ). Otzenrath (S.M.) Elternproteste und mehr als 600 Unterschriften, die zu Beginn der Ratssitzung übergeben wurden, haben bei dessen Mehrheit keinen Meinungswandel herbeiführen können: Die Janusz-Korczak-Grundschule soll ab dem Schuljahr 2009/2010 nur noch einzügig geführt werden.
Nach dreimonatiger Diskussion vor und hinter den Kulissen folgte jetzt der Rat einer im März ergangenen Beschlussempfehlung des Schul- und Jugendausschusses.
War diese seinerzeit noch einstimmig ergangen, so ging es im Rat jetzt noch einmal überaus kontrovers zu, ohne dass es den Kritikern der Verwaltungspläne indes gelungen wäre, das Vorhaben zu stoppen.
CDU und SPD bekräftigten ihre im Vorfeld bekundeten Standpunkte pro und contra Einzügigkeit: „Aus ökonomischen und anderen Gründen“ komme die Gemeinde um diese Entscheidung nicht umhin, gab der CDU-Fraktionsvorsitzende Norbert Esser zu Protokoll. Wenn der Rat steuernd eingreifen wolle, „dann jetzt“, so Esser.
Angesichts des bereits im Oktober beginnenden Anmeldeverfahrens bestehe ansonsten nämlich die Gefahr, dass die Gemeinde die in Otzenrath angemeldeten Grundschüler dort gar nicht mehr unterbringen könnte, wie Bürgermeisterin Margarete Kranz und Fachbereichsleiter Bernhard Krahwinkel betonten.
„Wenn wir jetzt nicht die Zügigkeit beschließen, werden wir im nächsten Jahr Raumprobleme in Otzenrath haben“, erklärte Krahwinkel.
Essers SPD-Pendant Dr. Holger Tesmann hielt den Christdemokraten entgegen: „Wir wollen, dass der Elternwille berücksichtigt wird - das ist das Ziel des Schulgesetzes.“
Die Sozialdemokraten plädierten für eine Verschiebung der Entscheidung mindestens bis zum kommenden Jahr. Dadurch, dass die Aufnahme von Kindern aus dem Stadtgebiet Mönchengladbachs bereits vorab abgelehnt worden seien, würden womöglich sogar Zuzugswillige vergrault, befürchtet der Sozialdemokrat.
Gerolf Hommel (FWG) wollte sogar mit einer Entscheidung warten, bis der seit fünf Jahren nicht mehr aktualisierte Schulentwicklungsplan auf den neuesten Stand gebracht sei.
Vehement gegen die Reduzierung der Zügigkeit argumentierte auch die FDP: „Bürokratisch und technokratisch“ nannte Fraktionschef Herbert Altenberg die Mehrheitsentscheidung.
Insbesondere bedauerte er, dass „die pädagogische Dimension in den Augen der Schulaufsicht anscheinend keine Rolle gespielt“ habe. Ein Gesichtspunkt, den sein Fraktionskollege Walter Finken weiter vertiefte: Was ihn ärgere sei der „konservativ geprägte“ Standpunkt der Schulaufsicht, wonach selbst 30 bis 35 Kinder in einer Klasse kein Problem darstellten - was aus Sicht Finkens sehr wohl der Fall ist, sei doch gerade die individuelle Förderung der Kinder nötig.
Interessant waren die Mehrheitsverhältnisse: Während bei der CDU die beiden Spenrather Ratsherren Heinz Behr und Peter Trost ausscherten, stand die Mehrheit für eine Einzügigkeit der Otzenrather Grundschule gleichwohl nicht in Frage, da nur gut die Hälfte der SPD-Fraktion an der Sitzung teilnahm und zwei von drei Mitgliedern von Bündnis 90/Die Grünen mit der CDU stimmten.
Fraktionschef Thomas Dederichs sah sich hierzu außerstande und sprach sich stattdessen dafür aus, „die Schule im Wettbewerb zu lassen“ und „das Problem zu lösen“, wenn es entsteht.
Peter Dederichs hatte zuvor nachdrücklich die Einzügigkeit der Grundschule befürwortet und die Gefahr beschworen, dass andernfalls in Hochneukirch „Räume brach liegen“ könnten, während andererseits die Schule in Otzenrath „nicht mit Lehrern überfüllt“ sein werde, wie Äußerungen von Schulrätin Ursula Schreurs-Dewies deutlich gemacht hätten.
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