Jüchen (NGZ). Jüchen (S.M.) Zum Teil überaus emotional verlief jetzt die mit Spannung erwartete Sitzung des Vorstand der CDU-Gemeindeverbandsvorstands. Wie angekündigt, erklärte dabei Ralf Kriesemer, Ratsmitglied und Vorsitzender des CDU-Ortsverbands Bedburdyck, offiziell seine Bereitschaft, 2009 für die Union ins Rennen um das Bürgermeisteramt zu gehen.
So hoch die Wogen bei der Sitzung dem Vernehmen nach auch schlugen, wurde am Ende gleichwohl der bisher bekannt gewordene Fahrplan bestätigt: Demnach will die Union am 3. September darüber entscheiden, wer sich im Juni 2009 für sie um den Bürgermeister-Sessel bewirbt.
Margarete Kranz, die als kooptiertes Mitglied dem Vorstand angehört, war bei der Sitzung anwesend, ließ jedoch nach wie vor offen, ob sie sich für eine zweite Wahlperiode bewerben und damit einer Kampfabstimmung mit Ralf Kriesemer stellen will.
Die offizielle Marschroute der Union in der Kandidatenfrage: Bis zum 3. September kann sich jedes Mitglied der Jüchener CDU bewerben, dann fällt die Entscheidung. Unter akutem Zugzwang sehen sich die Christdemokraten angesichts des viereinhalb Monate währenden Zeitraums offensichtlich nicht.
Heftige Kritik, die sogar in Rücktrittsforderungen gipfelte, wurde bei dem Treffen der CDU-Führungsspitze gegenüber dem Vorsitzenden André Meyer laut, der wie Ralf Kriesemer dem Ortsverband Bedburdyck angehört. Mehrheitlich sprachen sich die Mitglieder der CDU-Führungsriege jedoch gegen einen Rücktritt Meyers aus.
Der 27-jährige Personalberater steht seit mehr als fünf Jahren an der CDU-Spitze und hat in der Union beileibe nicht nur Freunde, seit er im Februar 2003 den damaligen Gemeindeverbandsvorsitzenden Peter Trost in einer Kampfabstimmung stürzte. Meyer verfügt über die Fähigkeit, durch aggressive Attacken die politischen Gegner der Union zuweilen zur Weißglut zu reizen - freilich nicht nur die.
Vor knapp anderthalb Jahren bezog er in der Debatte um den Haushalt und die Sparvorschläge der Gemeindeprüfungs-Anstalt inhaltlich klar Stellung gegenüber der Position von Bürgermeisterin Margarete Kranz. Bei der anschließenden Haushaltsklausur der Union gab es für Meyer heftige Schelte vom damaligen CDU-Fraktionschef Michael Paschke - der kurz darauf freilich politisch die Segel strich.
Meyers Wiederwahl als Gemeindeverbandsvorsitzenden fiel vor genau einem Jahr nicht eben berauschend aus: Nur gut 60 Prozent der Delegierten bestätigten ihn seinerzeit im Amt - obwohl kein anderer Bewerber angetreten war: Meyers seinerzeitige Reaktion zeugt von einem erklecklichen Maß politischer Coolness: „Ich werde das Ergebnis in mein Arbeitsprogramm integrieren“, erklärte er damals gegenüber der NGZ.
Demonstrativ hatte er seinen zumindest potenziell verwaltungskritischen Standort bekräftigt und auch ein nachdrückliches Bekenntnis zum Gemeindesportverband abgelegt - der sich mit der Bürgermeisterin in den vergangenen Jahren mehr als einen heftigen Disput geliefert hat.
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