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Jüchen: Närrinnen holten Schlüssel

VON DANIELA BUSCHKAMP - zuletzt aktualisiert: 11.02.2010 - 21:30

Jüchen (NGZ). Den Kampf um die Macht im Rathaus entschieden gestern die "Dycker Wiever" für sich. "Es ist schön, einen Mann zu erobern", sagte "Wiever"-Präsidentin Erika Jansen. Bürgermeister Zillikens macht bis Aschermittwoch Pause.

"Her mit dem Schlüssel", forderten Käthemarie Funke, Irmgard Bach, Raphaela, Corinna und Erika Jansen (v.l.) von Bürgermeister Zillikens.  Foto:  L. Berns
"Her mit dem Schlüssel", forderten Käthemarie Funke, Irmgard Bach, Raphaela, Corinna und Erika Jansen (v.l.) von Bürgermeister Zillikens. Foto: L. Berns

Jüchen Blitzlichtgewitter, Camcorder und im Hintergrund vielleicht noch ein Kamerateam aus Kasachstan: Elena Funke interessiert das alles nicht. Die 17-jährige Brünette hat ihr strahlendes Lächeln aufgelegt – und das sitzt ebenso fest wie der Rest der blau-weißen Funkenmariechen-Uniform. Elena, ihre fünf Kolleginnen von den "Dycker Funken" und die "Dycker Wiever" planten gestern den Sturm des Jüchener Rathauses. Nach einer kurzen Reimschlacht gab Hausherr Bürgermeister Harald Zillikens zwar nicht den Löffel ab, aber den symbolischen Rathausschlüssel: Bis Aschermittwoch sind die Närrinnen an der Macht.

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"Dycker Wiever"

Elf Frauen aus dem "Dycker Ländchen" gehören heute zum Karnevalsverein "Dycker Wiever". Erika Jansen, selbst begeisterte Karnevalistin, gründete ihn vor fünf Jahren. 2009 stürmten die Närrinnen zum ersten Mal das Jüchener Rathaus. Schon damals dabei: die Tanzmareichen "Dycker Funken". Rund 50 Karnevalsfans – größtenteils aus der Verwaltung – feierten gestern mit.

Keine Kameras aus Übersee, keine komplette Krawatte, keine Kontrolle mehr über das Rathaus – das sind für den Jüchener Bürgermeister keine Gründe, um bei seinem ersten Rathaussturm traurig zu sein. Mit einem Augenzwinkern nahm Zillikens den Ansturm der Närrinnen hin. Und diese zeigten sich nicht nur wortgewandt, sondern auch total begeistert.

Warum, erläutert Erika Jansen, Präsidentin des Karnevalsvereins: "Als Frau erobert man ja doch lieber einen Mann." Zwar sei der Rathaussturm auch im vergangenen Jahr sehr nett gewesen, "aber mit einer Frau als Bürgermeisterin ist das eben doch etwas anderes." Harald Zillikens wurde am Mittag entführt; Lösegeldforderungen sind nicht zu erwarten, eher gute Laune beim Feiern in Gierath.

Gierath ist das Stichwort für Elena Funke. Dort wird die Tanzmariechen-Truppe beim großen Umzug erwartet. "Etwas aufgeregt ist man immer", erzählt die Gymnasiastin. Schwerer als die Tanzschritte fällt der jungen Frau das "Dauerlächeln": "Darauf muss man sich konzentrieren." Worauf Elena und die ganze Truppe stolz sind: "Wir trainieren unsere Tänze alleine." Bei der Gründung vor fünf Jahren hätte viele Erwachsene gezweifelt, dass die Mädchen das selbständige Training schaffen. "Nach den Auftritten werden wir oft für weitere Auftritte angefragt", erzählt das Funkemariechen.

Bürgermeister Zillikens wird bis Aschermittwoch hauptsächlich von seiner Familie gefragt sein: Der Verwaltungschef hat sich frei genommen. Zeit genug für Erika Jansen, einmal einen kritischen Blick in die Rathaus-Kasse zu werfen. Harald Zillikens hatte schon angemerkt, dass da wohl nichts zu finden sei.

Der Bürgermeister verabschiedete sich mit einem klassischen Kamera-tauglichen Zitat nach Vorbild vom "Pink Panther": "Heute ist nicht alle Tage, ich komm wieder – keine Frage." Das gilt wohl auch für Erika Jansen und ihre "Dycker Wiewer". Zum Vormerken: Rathaus-Sturm in Jüchen, am Donnerstag, 3. März 2011, 11.11 Uhr.

Quelle: NGZ


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