Jüchen (NGZ). Jüchen (S.M.) Bislang hatte Oliver Wittke Otzenrath lediglich als Synonym für die durch den Braunkohleabbau bedingte Umsiedlung gekannt. Am Dienstag nutzte der Landesbauminister einige freie Stunden zwischen Sitzungen der CDU-Landtagsfraktion und der Landesregierung dazu, erstmals überhaupt einen Umsiedlungsort aus eigenem Augenschein zu besichtigen.
Als kundige Reiseführer begleiteten ihn dabei auf Jüchener Seite Bürgermeisterin Margarete Kranz und der Umsiedlungsbeauftragte Heinz Kunze. Dafür, dass es keine bloße Sightseeing-Tour wurde, sprach allein schon die Tatsache, dass Öffentlichkeit bei dem als „Arbeitsbesuch“ deklarierten Treffen auf Wunsch der Gemeinde nicht zugelassen war. Mangel an Gesprächsthemen dürfte es in der Tat nicht gegeben haben: Beim Neujahrstreffen der Bürgermeisterin mit ihren Amtsvorgängern war im Januar ein flammender „Hilferuf“ an Bund und Land ergangen, „Jüchen nicht allein zu lassen“, wie es seinerzeit der CDU-Bundestagsabgeordnete Willy Wimmer formulierte. Angesichts der seit Jahrzehnten von der Gemeinde zu tragenden „Sonderlast“ für die Energieversorgung der Bundesrepublik, habe es eine normale Entwicklung für Jüchen nie gegeben, klagte der örtliche Bundestagsabgeordnete vehement.
Ob der Besuch des Ministers womöglich das erste Resultat des vor einem Dreivierteljahr gestarteten „Hilferufs“ war, mochte der CDU-Landtagsabgeordnete Lutz Lienenkämper am Dienstag nicht bestätigen. Schon im Januar hatte Lienenkämper sich sehr zurückhaltend gezeigt und den Jüchenern wenig Hoffnung auf eine direkte finanzielle Förderung aus der leeren Landeskasse gemacht. Etwaige Hilfsmaßnahmen würden eine wesentlich komplexere Struktur haben müssen, meinte Lienenkämper seinerzeit vieldeutig.
Mit von der Partie war am Dienstag auch Kreisdirektor Hans-Jürgen Petrauschke, der vor einem Vierteljahr seine Verwunderung darüber kund getan hatte, dass Zuwendungen für die Jüchener Umsiedlungsorte Holz und Otzenrath/Spenrath entgegen einem Votum der Bezirksregierung Düsseldorf vom Ministerium für Bauen und Verkehr - Minister Oliver Wittke - aus dem Städtebauinvestitionsprogramm des Landes gestrichen wurde. Schon 2006 hatte es keine Mittel aus diesem Programm mehr für Jüchen gegeben.
Gleichwohl wurde eine andere Finanzierungsquelle ins Auge gefasst, wie Regierungspräsídent Jürgen Büssow dem Kreisdirektor versicherte. Grundlage hierfür dürfte eine Finanzierungsvereinbarung zwischen der Landesregierung und RWE Power sein. Diese solle weder zu Lasten der Gemeinde, noch des Kreises gehen.
Ob am Dienstag allzu viel im Sinne der Gemeinde herausgekommen ist, bleibt indes fraglich. Margarete Kranz war nach dem Minister-Besuch zu keiner Stellungnahme bereit.
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