Großübung für Feuerwehr und Malteser (NGZO). Großübung: Feuerwehr Jüchen und der Malteser-Hilfsdienst übten Rettung von Verletzten / Über 80 Einsatzkräfte rückten an
Hochneukirch Eine dicke Glasscherbe ragt aus seiner Wange, Blut läuft hinab – Fabian Gerhards legt wie andere im Chemieraum, wartet auf Rettung. Aus der Hauptschule Hochneukirch dringen Hilferufe und Rauch. Martinshörner sind zu hören. Nein, niemand wurde verletzt in der Hauptschule Hochneukirch – Die freiwillige Feuerwehr und der Malteser-Hilfsdienst rückten am Samstag zur gemeinsamen Jahres-Großübung aus.
"Bei einem Versuch im Chemieraum kam es zu einer Verpuffung und dadurch zu einem Brand. Viele Verletzte sind zu retten und zu betreuen, ist ein Brand zu löschen", erläutert Feuerwehrchef Mario Heitbrink vor der Alarmierung die angenommene Lage. "Wir wollen die Zusammenarbeit von Feuerwehr und Rettungsdienst üben, und die Versorgung einer größeren Zahl von Verletzten." Noch ist es ruhig auf dem Schulhof. "Die Kollegen wissen, dass eine Übung ansteht, aber nicht, wo", so Heitbrink.
Für Susanne Wagener liegt ein Teil der Arbeit schon hinter ihr, die Malteser-Sprecherin ist für die realistische Unfalldarstellung zuständig, die Schminke ist täuschend echt. "Knochenbrüche etwa simuliere ich mit Schweineknochen und Modelliermasse. Wir möchten die Einsatzkräfte in den Übungen an einen solchen Anblick gewöhnen." Die zwölf "Verletzten" und die zu Rettenden mimen 30 Jugendfeuerwehrleute wie Fabian Gerhards, der 16-Jährige lernt übrigens in der Schule.
Plötzlich ertönt die Sirene. Auf dem Hof warten Oswald Duda, Vertreter der Bürgermeisterin im Rathaus, der künftige Bürgermeister Harald Zillikens und Politiker auf das, was kommt. Wenige Minuten später rückt der Löschzug Hochneukirch an. Feuerwehrleute dringen, die Gesichter von Atemschutzmasken verdeckt, ins Gebäude, holen zunächst die unverletzten Schüler heraus. Löschzugführer Frank Pöstgens fordert über Funk Verstärkung an.
Am Fenster im Ersten Obergeschoss will ein Junge springen, Feuerwehrleute schleppen Sprungretter heran, die sich sekundenschnell aufblähen. Weitere Einsatzfahrzeuge treffen auf der Gartenstraße ein, alle fünf Löschzüge und -gruppen rücken aus. Die Drehleiter geht in Position. Die Bereitstellung des Fahrzeugs auf dem Hof für die Hilfe dauert etwas lang. "Da ist noch Schulung nötig", sagt Heitbrink, "Wir setzen solche Übungen ja an, um Fehler zu erkennen und im Einsatz zu vermeiden."
Von Feuerwehrleuten gestützt oder auf Tragen wird ein Verletzter nach dem anderen aus dem Gebäude gebracht, an den Malteser-Hilfsdienst übergeben. Der hat im Nachbargebäude eine Verletzten-Sammelstelle eingerichtet, versorgt die Kinder. Längst hat die Feuerwehr die Wasserversorgung aufgebaut, auch wenn bei der Übung "trocken" gelöscht wird. "Im großen und ganzen bin ich mit dem Ablauf der Übung sehr zufrieden, die Zusammenarbeit mit den Maltesern hat gut funktioniert", zieht Heitbrink ein erstes Resumee – natürlich steht noch eine Nachbesprechung an. "Die Arbeit der Ehrenamtler kann nicht genügend gewürdigt werden", lobt Duda.
Porträt Rachid Lindgens
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