Jüchen (NGZ). Vor 30 Jahren erhielt eine kleine Straße in Jüchen den Namen Hasenweg. Ob der Weg mit dem Osterhasen zu tun hat, konnte die Gemeindeverwaltung nicht sagen. Auf jeden Fall wird auch dort Ostern gefeiert.
Der Osterhase hat lange Schlappohren, ein süßes Stummelschwänzchen und eine Menge Ausdauer. Denn er bringt Kindern Eier, Süßigkeiten und Spielzeug – und macht sich auch noch die Mühe, alles zu verstecken. Aber wo wohnt der Osterhase eigentlich? Die NGZ begab sich auf Spurensuche und fanden den viel versprechenden Hasenweg im Nordwesten von Jüchen.
Es handelt sich um eine kleine Straße. Hier und da findet sich etwas Osterschmuck in den Fenstern, aber sonst keine Hinweise darauf, ob Meister Lampe dort einen festen Wohnsitz hat. "Wir sind alle fast zeitgleich hier eingezogen, als die Häuser gebaut wurden. Da kennt man sich untereinander", erklärt Anwohnerin Elke Bruner, die auf 18 Jahre Hasenweg-Erfahrung zurückblickt. "Früher waren hier viele Wiesen, da sahen wir schon mal kleinen Häschen. Aber die Zeiten sind vorbei", erinnert sie sich.
Straßennamen
Um die Straßennamen mitzubestimmen, können Anwohner selbst Vorschläge machen. Unter den Straßenschildern mit bekannten Personennamen hängen manchmal Legendenschilder mit Informationen zum Namensgeber. Bürger können solche Schilder beantragen, allerdings müssen sie die Kosten dafür tragen.
Beim Straßenbauamt Jüchen heißt es, dass der Straßenzug 1980 gebaut wurde und seitdem den schönen Namen Hasenweg trägt. 1991 entstanden dort die Ein- und Mehrfamilienhäuser, in die viele Familien mit kleinen Kindern eingezogen sind. Inzwischen sind die alle fast erwachsen, einer von ihnen ist Marcel Schulte.
Der 20 Jahre alte Autofan wohnt gerne am Hasenweg und mag die ruhige Lage. "An Ostern sind wir meist zu unseren ganzen Verwandten gefahren, aber Eier gefärbt und gesucht haben wir hier auch", erzählt Marcel. Ostern wird auf dem Hasenweg also nicht anders gefeiert als in anderen Straßen. Vielleicht will der Osterhase auch nicht zu sehr auffallen.
Marcels Mutter Heike Schulte bringt ihre Begeisterung für den Hasenweg auf den Punkt: "Ich ziehe hier nicht mehr weg", sagt sie. Sie mag die tolle Nachbarschaft sowie die ruhige und gleichzeitig zentrale Lage. Das Osterfest ist für sie und ihre Familie etwas ganz besonderes.
Trotz zwei erwachsener Kinder hat sie dieses Jahr das erste Mal gefärbte Eier gekauft, vorher wurde immer selbst Hand angelegt. Das wird den Osterhasen freuen zu hören. "Als hier der Schützenverein gegründet wurde, bastelten die Mitglieder im ersten Jahr sogar Hasen für den Zug, nur wegen des besonderen Straßennamen", erinnert sich Heike Schulte.
Aber heißt der Hasenweg wirklich so, weil der Osterhase dort wohnt? In der Gemeindeverwaltung wird auf NGZ-Anfrage fieberhaft gefahndet, doch niemand weiß, ob der Osterhase Pate stand. In Jüchen wurden für die Straßennamen häufig Flurbezeichnungen verwendet, das sind alte Gebrauchsnamen für kleine Landschaftsteile. Neben Personennamen waren auch Tiernamen gebräuchlich.
"Umbenennungen der Straßen gab es kaum, daher hat der Hasenweg sicherlich von Anfang an so geheißen", erklärt Gerit Krantz im Rathaus. Seit 30 Jahren gibt es schon den Hasenweg in Jüchen – und vielleicht war damals das Erste, was die Straßenbauer sahen, ein kleiner Mümmelmann, der dort Ostereier versteckte.
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