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Kaarst: Alte Symbole an neuer Fassade

VON JAN DREBES - zuletzt aktualisiert: 20.01.2011 - 13:37

Kaarst (NGZ). Die Sanierung der Kirche Alt-St. Martin ist abgeschlossen: Gestern wurde das neue Tympanon am Eingangsportal eingesetzt. Der Künstler Burkhard Siemsen hat es gestaltet. 950.000 Euro kosteten die Erneuerungen insgesamt.

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Die weiteren Symbole

Der Hintergrund der drei Motivkreise ist abgestuft, um durch eine räumliche Illusion dazu aufzufordern, die Kirche zu betreten.

Ein Baum symbolisiert die Kirche. Seine vier Äste sind geformt wie die Posaunen von Jerichow und stehen für die vier Evangelisten.

Die Motivkreise bedeuten die Dreieinigkeit Gottes. Sie bilden im unteren Schnittpunkt eine Kelchform, die für das Abendmahl steht.

Mit dicken Gurten umspannt, schwebt der halbrunde Stein über dem Gerüst am Eingang der kleinen Kirche Alt-St. Martin. Fast eine halbe Tonne Gewicht hängt da am Haken. Der Dieselmotor des LKW brummt lauter, als Steinmetz Markus von den Driesch das neue Tympanon, den Giebelstein für das Eingangsportal, am Kranausleger über die Köpfe seiner Kollegen steuert. Die stehen auf dem Gerüst vor einem klaffenden Loch. "Erstmals seit der Barockzeit ist das Bogenfeld wieder offen, um jetzt das zuvor schlicht verputzte Gemäuer über der Eingangstür durch das Tympanon zu ersetzen", sagt der stellvertretende Kirchenvorstand Theo Thissen, während er mit seinem Fotoapparat den historischen Moment dokumentiert.

Der Kaarster Künstler Burkhard Siemsen hatte das Tympanon entworfen, das gestern eingesetzt wurde. Sofort fallen bei der Betrachtung drei, pyramidenförmig angeordnete Symbole auf: "Ein Schwert, das mit der Klinge durch einen Mantel gleitet, steht für den Hauptpatron der Kirche, Sankt Martin", erläutert Siemsen das obere Motiv. Links darunter ist eine Zange mit einem Zahn zu sehen. Die heilige Apollonia, zweite Patronin und frühchristliche Märtyrin, erlitt furchtbare Qualen durch das Zähneziehen mit der Zange. Und schließlich ist das Monogramm, kunstvoll gestaltete Buchstaben, von Karl dem Großen erkennbar. "Er ist wohl der Namensgeber von Kaarst", sagt Künstler Siemsen.

Mittlerweile hat Markus von den Driesch das Tympanon auf zwei Lagen Brettern auf dem Gerüst abgesetzt. Zwischen den Planken sorgt Quarzsand dafür, dass die Hölzer leichter übereinander rutschen. "Wie bei den alten Ägyptern", kommentiert Künstler Siemsen das Geschehen, als die Männer den Zierstein aus Weiberner Tuff aufrecht in die Öffnung schieben. Das Material, verfestigte Vulkanasche, stammt aus der Eifel und wurde auch an der Fassade der Kirche aus dem 11. Jahrhundert verbaut. An manchen Stellen passt das Tympanon noch nicht. Steinmetzmeister Harald Kuhn eilt zu Hilfe. In seinem Betrieb arbeitete die Gesellin Ulrike Krall maßgeblich an dem Tympanon. Rund sechs Wochen hat sie für die Umsetzung des Entwurfs von Burkhard Siemsen gebraucht.

"Mit dem Einsetzen des Bogenfeldes ist die Kirchensanierung jetzt vorerst abgeschlossen", sagt Theo Thissen erleichtert. 2009 begannen die Arbeiten an dem Gotteshaus, das bei Kaarstern für Hochzeiten und Trauungen sehr beliebt ist. Der Dachstuhl wurde saniert, die Kirchenbänke entfernt und neue Stühle aufgestellt, die Sakristei renoviert und die Beleuchtung ausgetauscht. "Alle Stühle sind Spenden und die Schützenbrüder haben uns tatkräftig unterstützt", freut sich Thissen und sagt: "Mir war wichtig, dass nach all dem Aufwand und den Investitionen von rund 950 000 Euro auch das Portal neu gestaltet wird." Umso mehr freue er sich, dass die Denkmalbehörden und das Erzbistum in Köln zustimmten.

Nachdem das Team um Markus von den Driesch gestern die Fugen verputzt hat, kann die Kirche schon ab kommendem Montag wieder vollständig genutzt werden.

Quelle: NGZ


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