Kaarst (NGZ). Die Holzbüttgener Schützenbruderschaft, die 2011 ihr 75-jähriges Bestehen feiert, steckt in einer Krise. Ein Schützenkönig fehlt ebenso wie ein neuer 1. Brudermeister. Und dann ist da noch der Problemfall "Artillerie".
Christian Otte (39), Corpsführer der Artillerie, musste sich am Freitag, während der Vollversammlung der St.-Sebastianus-Schützenbruderschaft im Bischofshof (die NGZ berichtete), rechtfertigen. Ein Vorwurf, der auf der Artillerie lastet: Sie soll den Reinfall mit dem Königskandidaten Josef Pabis an die große, überregionale Medien-Glocke gehängt haben. Otte bestreitet und behauptet das Gegenteil: Anfragen beispielsweise von RTL und SAT 1 seien zurückgewiesen worden, "um nicht noch mehr Öl ins Feuer zu gießen".
Ein weiterer Verdacht: Wurde Pabis ins Rennen beziehungsweise an die Königsvogelstange geschickt, um einen Skandal herbeizuführen, der zulasten von Hans Töller gehen sollte? Töller trat als 1. Brudermeister am Freitagabend zurück, nachdem ihm von 232 Schützen nur 97 ihr Vertrauen ausgesprochen hatten. Pfarrer Josef Brans, Präses der St.-Sebastianus-Schützenbruderschaft, war bei der Vollversammlung nicht persönlich anwesend. Kritik bezüglich der Lebensverhältnisse des zurückgetretenen Brudermeisters Töller hatte Brans im Vorfeld geäußert. Während der Versammlung wurde diese dann öffentlich thematisiert.
Neuwahlen
Spätestens im Januar wird der Vorstand neu gewählt.
Der 1. Brudermeister Hans Töller ist bereits zurückgetreten, ob es weitere Rücktritte gibt, steht noch nicht fest.
Geschäftsführer Heinz-Günter Schmitz bittet deshalb Schützen, die an einem Vorstandsposten Interesse haben, Kontakt mit ihm aufzunehmen.
Christian Otte verneint auf Anfrage der NGZ jegliche "Verschwörungsabsichten": "Mit welchem Zweck hätten wir Töller schaden sollen? Seine fachliche Arbeit als Brudermeister war einwandfrei. Es wird nicht ganz einfach sein, einen Nachfolger zu finden, der das mindestens genauso gut macht."
Otte geht auch davon aus, dass auf die Artillerie wegen "der Kritik an unserem Krisenmanagement" keinerlei Sanktionen zukommen werden. Josef Pabis sei als Königskandidat Geschichte, jetzt gelte es, nach vorne zu schauen. Das macht auch der stellvertretende Brudermeister Norbert Drennhaus (52). Ihm hatten bei der Abstimmung 153 Schützen ihr Vertrauen ausgesprochen, 75 votierten gegen ihn. "Ich kann mit diesem Ergebnis leben", erklärte Drennhaus. Ob er im Januar erneut kandidieren werde, wolle er zum jetzigen Zeitpunkt offen lassen.
In punkto König bemühe sich der Vorstand zurzeit, schnell einen geeigneten Bewerber zu finden. Noch in dieser Woche werde der Vorstand zusammenkommen. Ist Hans Töller dann mit dabei? "Ich werde es ihm anbieten", so Drennhaus. Möglicherweise werde der neue 1. Brudermeister erst im Rahmen der Mitgliederversammlung im Januar gewählt werden. Wenn der Vorstand über die Abstimmungsergebnisse diskutiert, wird auch über das relativ schlechte Abschneiden von Kassierer Carsten Hüsgen gesprochen werden: 123 Schützen hatten ihm zwar ihr Vertrauen ausgesprochen, aber immer 109 stimmten gegen ihn. Für Drennhaus ist das nicht nachvollziehbar: "Die Kasse ist erstklassig geführt und auch als Verantwortlicher für den Festplatz hat Carsten Hüsgen ausgezeichnete Arbeit geleistet."
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